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MÜSELBACH: Loslassen aus Liebe

Stehende Ovationen erfüllten die Kapelle. Die Laienschauspieler verstanden es, sich mit ihren Rollen zu identifizieren, und zogen die Besucher bei «Familie von Flüe» bis zum letzten Wort in ihren Bann.
Fränzi Göggel
Sebastian Huber als Pfarrer, Urs Rütsche und Paul Gemperle als Nachbarn Erni Rohrer und Erni Anderhalden; Anita Huber als Tochter Lisabeth; Paul Raschle als Niklaus von Flüe, die überragende Doris Scherrer als Dorothee, Philipp Guldimann als Sohn Hans (von links) sowie die Erzählerin Margrit Stadler (vorne). (Bilder: Fränzi Göggel)

Sebastian Huber als Pfarrer, Urs Rütsche und Paul Gemperle als Nachbarn Erni Rohrer und Erni Anderhalden; Anita Huber als Tochter Lisabeth; Paul Raschle als Niklaus von Flüe, die überragende Doris Scherrer als Dorothee, Philipp Guldimann als Sohn Hans (von links) sowie die Erzählerin Margrit Stadler (vorne). (Bilder: Fränzi Göggel)

Fränzi Göggel

redaktion@toggenburgmedien.ch

«Herzklopfen? Nein, das habe ich nicht gehabt. Ich war mir sicher, dass alles gut geht», erzählt Regisseur Peter Bernhardsgrütter im Anschluss an die Premiere des historischen Theaterstücks «Familie von Flüe». «Ich bin sehr ­zufrieden und freue mich, dass die Kapelle so gut besucht war. Es ist mir ein Anliegen, die oft leer stehenden Kirchen kurzzeitig zu ­füllen. Auch darum habe ich ein biblisches Stück geschrieben», erzählt der 75-jährige Kirch­berger im Theater-Beizli gleich nebenan.

Die Kapelle in Müselbach war übervoll. Im Nachbarhaus der 83-jährigen Klärli Wick gab es keinen einzigen Stuhl mehr. Sie standen alle im Mittelgang der Kapelle. Diese aussergewöhnliche Situation, zu Hause keine ­flexible Sitzgelegenheit mehr zu haben, hielt die alte Dame nicht davon ab, nach der Hauptprobe am Gewand des Niklaus von Flüe mit ihrer Nähmaschine flugs eine kleine Änderung vorzunehmen.

Theater oder Erzählung?

Wer Niklaus von Flüe war, ist anhand von Überlieferungen bekannt. Wer aber war seine Frau, die Dorothee? Sie, die ihn aus Liebe gehen liess, um Gott zu dienen, damals, 1467. Ihr kleinstes von neun Kindern war erst drei Monate alt. Anhand von Randbemerkungen zur Geschichte des Niklaus von Flüe und der Gabe, zwischen den Zeilen zu lesen, rekonstruierte das Theaterensemble das Leben von Dorothee.

Alphornklänge von Simon Bernhardsgrütter und Jodelgesang von Lorena und Stefan Segmüller unterstrichen mit dem Bühnenbild die Wichtigkeit von Dorothee, welche von Doris Scherrer brillant verkörpert wurde. 180 Einsätze und enorm lange Textpassagen packte sie in ihren Kopf. Ihre Mimik, der Ausdruck ihrer Augen, die Gebärden und ihre Körperhaltung wurden so ehrlich dargestellt, man hätte meinen können, dass die wahrhaftige Dorothee auf der Bühne stehe. Anfang September begannen die Proben, viel Zeit zum Lernen hatte sie nicht.

Als Monolog beschrieb die Frau ihr karges Leben mit Niklaus von Flüe, von Paul Raschle hingebungsvoll verkörpert. Der Monolog ähnelte mit der von Hugo Forrer gesprochenen inneren Stimme von Dorothee eher einem spannenden Dialog. Diese spezielle Art von Theater zog sich durch das ganze Stück. Die innere Stimme von Dorothee und die von Margrit Stadler erzählte Geschichte liessen das Publikum eintauchen in die historische Zeit. Ausser den manchmal leise knarrenden Holzbänken war es seitens der Zuschauer absolut still. Obwohl tiefstes Mittelalter, liessen die Textpassagen aufhorchen. Die Beurteilung von Bruder Klaus, dass selbsternannte wichtige Menschen ständig reden, auch wenn es nichts zum Reden gebe, ist auch heute ein brisantes Thema. Er, der im Dorfrat war, störte sich auch daran, dass wohlhabende Fremde einfach so eingebürgert wurden. Parallelen zu heute waren schon damals vorhanden. Dass aber Dorothee, nur der absoluten ewigen und tiefen Liebe wegen, ihren Mann zu verstehen versuchte, aber darum fast am Verzweifeln war, wäre eine Botschaft, die heute mehr denn je gehört werden müsste. Die Abschiedsszene, und das Aufbegehren ihrer zwei Kinder Lisabeth und Hans, beide hervorragend gespielt von Anita Huber und Philipp Guldimann, war herzzerreissend. So geschah denn auch, dass da und dort sachte ein Taschentuch hervorgeklaubt wurde. Verstohlenes Schnäuzen verriet, wie nah die Geschichte den Zuschauern ging.

Weitere Spieldaten im Toggenburg: Mittwoch, 20. September, 19.30 Uhr, Klosterkirche Wattwil; Donnerstag, 21. September, 19.30 Uhr, Kirche Libingen; Freitag, 22. September, 20 Uhr, Kapelle Müselbach. www.kultra.ch

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