Mündig, humorvoll, reformiert

WATTWIL. Am Mittwoch stellte die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg ihr Leitbild vor. In 26 Leitsätzen fasst sie ihr Selbstverständnis und ihr Profil zusammen. Am 25. März stimmen die Kirchbürger über das Leitbild ab.

Hansruedi Kugler
Drucken
Teilen

WATTWIL. Wofür steht die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde? Welche Werte hält sie hoch? An wen richtet sie sich? Wie offen für verschiedene Glaubensformen, wie politisch engagiert will sie sein? Solche Fragen beantworten viele Kirchgemeinden in ihren Leitbildern. Ein solches gibt sich nun auch die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig: Schliesslich ist sie vor einem Jahr aus der Fusion der beiden Kirchgemeinden Wattwil und Lichtensteig entstanden. Ein guter Moment, um die beiden Kulturen in einem gemeinsamen Leitbild zusammenzuführen, fand die Kirchenvorsteherschaft (Kivo) schon während der Vorbereitungen auf die Fusion.

Lebensnahe Angebote

Das Leitbild dokumentiert eine lebensfrohe, offene Haltung, die geprägt ist von sozialer Aufmerksamkeit und sorgfältig gestalteten Ritualen. Lebensnah sollen die kirchlichen Angebote sein und besonderen Wert wird auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gelegt. Das Wort «wir» steht denn auch nicht zufällig am Anfang jedes Leitsatzes. Das Leitbild hat auf zwei A4-Seiten Platz, umfasst sechs Themen (Selbstverständnis, Auftrag, Miteinander, Zielgruppen, Angebot und Profil) und formuliert in 26 Leitsätzen das Selbstverständnis der Kirchgemeinde. In der Verwurzelung in der reformierten Tradition freue man sich über die grosse Vielfalt und die Mündigkeit der Mitglieder in der Kirchgemeinde. Bevormundung habe hier keinen Platz, erläutert Pfarrer Tobias Claudy die Formulierung. Die Leitsätze sind allgemein gehalten. So steht zum Beispiel das Wort «Ökumene» nicht ausdrücklich im Leitbild. Mitgemeint ist sie gleichwohl.

«An gerechter Welt bauen»

Im Leitbild wird aber auch klar: Die Kirche ist nicht nur für das individuelle Seelenheil zuständig und sorgt für einen offenen, humorvollen und respektvollen Umgang innerhalb der Kirchgemeinde. Sie soll auch als Verpflichtung gegen aussen verstanden werden: «Wir stellen uns konsequent dem Anspruch des Evangeliums, an einer gerechten Welt zu bauen», steht an einer Stelle. «Wir setzen uns für erstrebenswerte politische Anliegen ein», lautet der letzte Satz des Leitbildes. Was dies konkret bedeute, werde in der Kirchgemeinde nicht von oben bestimmt, versichert Kivo-Präsident Heinrich Zweifel, sondern vielmehr durch klare Mitbestimmung erarbeitet. So wie dies beispielhaft bei der Verwendung der Kollekte geschieht – mittels Antrag, Kommissions-Diskussion und Kivo-Entscheid.

Planungshilfe für Entwicklung

Ein Leitbild sei weder Glaubensbekenntnis noch detailliertes Pflichtenheft für die Angestellten. Die Aufgaben der Seelsorger, Laien und Kirchbürger sind im Organigramm der Kirchgemeinde geregelt. Wozu noch ein Leitbild? «Es soll eine Planungshilfe für die gemeinsame Entwicklung sein», fasste Samuel Junker zusammen. Zusammen mit Esther Rechsteiner und Heinrich Zweifel von der Kirchenvorsteherschaft sowie Pfarrer Tobias Claudy hat er das Leitbild erarbeitet. Unterstützt wurden sie von Coach Christoph Härter. Die Kirchenvorsteherschaft hat das Leitbild gutgeheissen.

Das Leitbild findet sich auf www.ref.ch/mtg Anregungen können noch bis zum 1. Februar eingesandt werden.

Aktuelle Nachrichten