«Müllersberg» in Heiden wird zum Kunsthaus

Im Haus Müllersberg sind in den kommenden drei Jahren Bilder von Künstlern mit Behinderung ausgestellt. Die Sammlung gehört Verena und H. R. Fricker aus Trogen.

Margrith Widmer
Drucken
Teilen
H. R. Fricker erklärt Badekleider-Bilder von Brigitte Huber. (Bild: Margrith Widmer)

H. R. Fricker erklärt Badekleider-Bilder von Brigitte Huber. (Bild: Margrith Widmer)

Im Treppenhaus, in den Zimmern und Korridoren des Gruppenhauses Müllersberg oberhalb Heiden ist es bunt geworden: Zu sehen sind 80 Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, St. Gallen, Thurgau, Graubünden sowie aus Österreich. Im Treppenhaus hängen farbenstarke Wolfsbilder von Georg Fitz, dessen Künstlername WolfGeorg lautet. Er sei der gefährlichste Künstler Österreichs, sagt er über sich selber.

Auf seinen Bildern in Heiden sind ein hochbeiniger schwarzer Wolf vor rotem Hintergrund, ein Rudel Wölfe auf Gelb und Schafe, die von Wölfen mit überdimensionalen Schnauzen und sehr vielen Zähnen belagert werden, zu sehen. Manchmal tricksen die talentierten Personen mit Behinderung ihre Kunsttherapeuten auch aus: Thomas Wichser, dessen Bilder in der «Remise» hängen, malte ausschliesslich monochrome Bilder.

Badekleider und Traktoren

Die Kunsttherapeutin versuchte, ihn auf Sport aufmerksam zu machen: Da malte er ein Fussballfeld mit überdimensionalen Markierungen. Als sie ihn für Autos zu inspirieren versuchte, entstand ein Bild mit dem Wort «Auto» in wunderbarer Farbkombination. Brigitte Huber arbeitet in der Bildungsstätte Sommeri; sie malt vorwiegend Badekleider, aber auch Porträts. Als die Kunsttherapeutin einmal während des Malens «erbauliche Literatur» vorlas, entstand ein Bild eines leuchtend blauen Traktors samt «Güllenanhänger», weil während der Lesung ein Bauer mit Jauchewagen vorbeigefuhr.

Die Einladungskarte zur Vernissage der Ausstellung zeigt einen gelben VW, der von einer Katze gelenkt wird. Auf dem Beifahrersitz entdeckt man eine weitere Katze. Diese ist schwarz und trägt einen orangen Schal. Die Illustration wurde von Oliviat Rutzer, Quimby Huus St. Gallen, gemalt und könnte aus einem Comic stammen. Roland Portmann malt meist hochformatige, bunte Menschenfiguren mit fabelhaften Kopfbedeckungen, aber auch ein märchenhaftes «Vogel-Tier» in Schwarz mit blauem und gelbem Auge. Mario Abati kreiert mit Filzstiften Tiere, die wie Fabeltiere wirken. Unter ihren Pfoten und Hufen finden sich immer kleine «Inselchen». Und Michael Abderhalden zeigt Bilder in gekonntem Modigliani-, Picasso-, Jawlensky- oder Beckmann-Stil.

Hinweis: Vernissage am 4. Juli, 18.30 Uhr. Die Ausstellung ist am Freitag, 5. Juli, 11 bis 17 Uhr und am Samstag, 6. Juli, von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Im Januar 2020 ist die Ausstellung eine weitere Woche für die Öffentlichkeit geöffnet.

Das Haus Müllersberg

Das Haus Müllersberg war früher ein Altersheim. Später wurde es von der Stiftung Waldheim genutzt. Seit 2016 dient es als Unterkunft für Militär, Schulen und Jugendgruppen. Das Haus wurde renoviert, die Strickwände im Korridor unverputzt gelassen. Das Haus mit seinen 18 Zimmern bietet 50 Schlafplätze und sieben Gruppenräume. Das Haus ist das ganze Jahr über geöffnet und eignet sich für Klassen- oder Konfirmanden-, Musik- oder Sportlager, Seminare, Wandergruppen, Familienferien und Behindertengruppen. Zudem ist es rollstuhlgängig. (mw)

Aktuelle Nachrichten