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Keine Schüleraustausche: Innerrhoden behält Schüler daheim

Jugendliche aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden können derzeit nicht an einem Schüleraustausch teilnehmen. Die Schulleitungen sehen keine Notwendigkeit. Ausserrhoder Schulen sind anderer Ansicht. Pädagogen erachten den Austausch als wichtig für die persönliche Entwicklung.
Astrid Zysset
Seit mindestens zwei Jahren werden in Innerrhoden keine Schüleraustausche mehr durchgeführt. Bild: KEYSTONE/Christian Beutler

Seit mindestens zwei Jahren werden in Innerrhoden keine Schüleraustausche mehr durchgeführt. Bild: KEYSTONE/Christian Beutler

Kein einziger Schüleraustausch wurde im Kanton Appenzell Innerrhoden im Schuljahr 2017/18 durchgeführt. Das lässt sich der kürzlich veröffentlichten Statistik von «Movetia», der nationalen Agentur für Austausch und Mobilität, entnehmen wie auch dem vor ein paar Tagen ausgestrahlten SRF-Beitrag, der die pädagogische Seite des Schüleraustausches unterstrich. Schweizweit trafen sich fast 8500 Schülerinnen und Schüler mit einer Klasse aus einer anderen Sprachregion, um Erfahrungen in Selbstständigkeit und Verständigung zu sammeln. Der einzige Kanton, in welchem kein Austausch stattgefunden hat, ist Innerrhoden. Dasselbe Bild bereits ein Jahr zuvor – auch damals setzte Innerrhoden nicht auf einen Schüleraustausch. «Das ist bedauerlich», sagt Roland Inauen, Vorsteher des Erziehungsdepartements. Es seien aber Ausnahme-Ausreisser in der Statistik. «In Zukunft sind wir hoffentlich wieder mit einer anderen Zahl als der Null vertreten.»

Schüleraustausch obliegt Entscheidung der Lehrkräfte

Sträuben gegen das Angebot des Schüleraustausches will man sich nämlich nicht. Mehr noch: Inauen empfindet die Zeit in anderen Landesteilen oder im Ausland als wertvoll für die Jugendlichen. Doch kantonale Vorgaben, dass die Schulen den Schüleraustausch auch realisieren, gibt es nicht. «Es soll auf freiwilliger Basis passieren. Eine Teilnahme obliegt den Entscheidungen der jeweiligen Lehrpersonen», stellt der Vorsteher des Erziehungsdepartementes klar. Die Agentur Movetia stellt finanzielle Hilfe. «Die Rahmenbedingungen bestehen. Das Angebot muss nur genutzt werden.» Dies sei in den früheren Schuljahren auch getan worden. Warum von der Möglichkeit in den letzten Jahren kein Gebrauch gemacht wurde, weiss Inauen nicht.

In Innerrhoden sind es die Oberstufen, welche beim Schüleraustausch mitmachen dürfen. Sekundar- und Realstufen gibt es in Oberegg und Appenzell. Thomas Mainberger, Schulleiter in Appenzell, räumt ein, dass man das Angebot des Schüleraustausches in jüngster Vergangenheit nicht in Erwägung gezogen habe. «Es gibt so viele Aktivitäten, die wir abdecken, wie Projektwochen, Kulturtage, Gesundheitstage oder auch das Forum Wirtschaft. Wenn wir alles anbieten wollten, käme der reguläre Unterricht zu kurz.» Zudem sei es eine Frage der Ressourcen. Einen Austausch vorzubereiten, bedarf eines grossen Aufwands. Zeit, die viele Lehrpersonen nicht hätten. Aber, so findet Mainberger, ein Schüleraustausch wäre durchaus eine wertvolle Erfahrung für viele Jugendliche. Daher sei es theoretisch möglich, dass ein solcher Austausch in den kommenden Jahren in Appenzell doch noch umgesetzt wird.

In Oberegg wurde in den vergangenen zwei Jahren ein neues Oberstufenmodell entwickelt. Da hätte der Aufwand, einen Schüleraustausch zu realisieren, zeitlich nicht drin gelegen, sagt Schulleiter Matthias Müller. Aber auch früher hätte man auf dieses Angebot nicht zurückgegriffen – zumindest kann sich Müller, der seit sieben Jahren die Stelle innehat, nicht daran erinnern. Ein entsprechender Wunsch sei nie geäussert worden, so der Oberegger Schulleiter. Bald könnte sich das Blatt aber wenden. «Mit der Einführung des neuen Lehrplans bekam der Fremdsprachenerwerb eine grössere Aufmerksamkeit. Und somit ist die Diskussion um einen Schüleraustausch auch wieder neu aufgeflammt.» Wo und in welcher Form dieser Austausch einmal stattfinden könnte, ist noch offen. Konkret geplant ist noch nichts. Aber möglich wäre es, dass es in Oberegg in naher Zukunft wieder mal einen Schüleraustausch geben wird.

Inauen hofft, dass das Angebot des Schüleraustausches in den kommenden Jahren vermehrt genutzt wird. Aktuell werden nur Ein- und Zweitagesauflüge in die Westschweiz von Innerrhoder Schulen durchgeführt. Dem Kanton sei es ein Anliegen, dass die Schülerinnen und Schüler die anderen Landesteile der Schweiz näher kennen lernen. «Diese Ausflüge lassen sich aber nicht mit den Erfahrungen eines regulären Schüleraustausches vergleichen», so Inauen. Darum findet er es wünschenswert, wenn der Austausch in Innerrhoden wieder vermehrt zum Tragen kommt.

Positive Erfahrungen in Ausserrhoden

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden gibt es seit zwei Jahren einen Austausch mit dem Jura. 228 Schülerinnen und Schüler respektive sechs Klassen hatten im letzten Schuljahr daran teilgenommen. Ingrid Brühwiler, Leiterin Abteilung Volksschule, betont, dass das Angebot noch als Pilotprojekt gilt. Aber bereits jetzt würde sich ein grosser Erfolg abzeichnen. «Die Motivation, Französisch zu lernen, ist deutlich gestiegen. Das Verständnis für die unterschiedlichen kulturellen Werte innerhalb unseres Landes ebenso. Zudem hat sich die Sprachkompetenz in den Klassen verbessert.» Das Angebot ist freiwillig. Für das kommende Schuljahr haben sich bereits neun Klassen angemeldet. Ziel ist es, den Schüleraustausch immer in den gleichen Dörfern und mit den gleichen Schulen im Jura durchzuführen. «So hält sich der organisatorische Aufwand in Grenzen», ergänzt Brühwiler.

Pädagogen erachten den Schüleraustausch als wichtig. Wie Sylvia Nadig, Fachschaftsleiterin Fremdsprachen an der pädagogischen Hochschule Zug, gegenüber dem SRF sagte, sei ein Schüleraustausch auch für die persönliche Entwicklung wichtig. Die Schülerinnen und Schüler seien alleine auf sich gestellt und müssten sich in einer fremden Sprache durchschlagen. Diese Erfahrungen seien beinahe bedeutender als der eigentliche Fremdsprachenerwerb.

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