MOTORSPORT: Sie fährt den Männern davon

Jasmin Preisig bestreitet am Wochenende ein weiteres Rennen. Als eine von zwei Frauen nimmt sie dieses Jahr an einer Tourenwagenserie teil. Auf dem Weg zu ihrem Traum gibt es eine grosse Hürde.

Jesko Calderara
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Als Neunjährige hat Jasmin Preisig mit dem Motorsport begonnen. (Bild: PD)

Als Neunjährige hat Jasmin Preisig mit dem Motorsport begonnen. (Bild: PD)

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

2017 ist für die Schwellbrunner Rennfahrerin Jasmin Preisig ein besonderes Jahr. Erstmals nimmt die 24-Jährige mit ihrem 360 PS starken Opel Astra an der Rennserie ADAC TCR Germany teil. Diese besteht aus sieben Rennen mit je zwei Läufen in Deutschland, Holland und Österreich. Am kommenden Wochenende steht der dritte Wettkampf auf dem Programm. Die rund 40 Teilnehmer aus 13 Nationen werden in Oschersleben, einer Stadt im ostdeutschen Sachsen-Anhalt, ihre Runden drehen.

Nach den ersten beiden Rennen zieht Preisig eine positive Bilanz. «Mit den bisherigen Ergebnissen bin ich zufrieden.» Sie erlebte jedoch auch, wie nah Freud und Leid im Sport manchmal beisammen liegen. So musste die junge Rennfahrerin im ersten Lauf im österreichischen Spielberg kurz vor dem Ziel aufgeben, nachdem eine Platzierung unter den besten zehn in Griffnähe lag. Im Gesamtklassement liegt sie zurzeit auf dem 28. Rang.

Bereits mit neun Jahren sass Preisig erstmals am Steuer eines Go-Karts, bevor sie später auf Tourenwagen umstieg. Das Benzin im Blut hat sie von ihrem Vater geerbt, der früher selber Bergrennen fuhr. Heute begleitet der Besitzer zweier Garagen seine Tochter nicht nur an die Rennen ins Ausland, sondern kümmert sich auch um die Reparaturen, wenn das Rennauto, wie jüngst nach einer Kollision, beschädigt ist. Unterstützung erhält Preisig zudem vom Team Lubner Motorsport, dem sie angehört. Dessen Mitarbeiter nehmen unter anderem während eines Rennens die Reifenwechsel vor.

Am Motorsport faszinieren Preisig verschiedene Aspekte. Es mache ihr grossen Spass, Vollgas zu geben. Das Adrenalin steige bei Höchstgeschwindigkeiten von 150 Kilometern pro Stunde in den Kurven. Besonders reizvoll ist für die Schwellbrunnerin der Kampf gegen die grösstenteils männliche Konkurrenz. Anfangs sei sie belächelt worden. Dank ihrer Leistungen habe sie sich Respekt erarbeitet. «Mittlerweile fühle ich mich in der Männerdomäne akzeptiert», sagt Preisig. Einen kleinen Nachteil hat sie als Frau dennoch: Aufgrund ihrer Körpergrösse braucht sie im Opel Astra ein Sitzkissen. Um ein Tourenwagen-Rennen erfolgreich zu bestreiten, braucht es mehr, als nur Gas zu geben. Die mentale Stärke sei sehr wichtig, betont Preisig. «Bei den zurzeit sommerlichen Temperaturen kann es im Auto bis zu 60 Grad warm werden.» Als weitere Voraussetzung nennt sie Konzentrations­fähigkeit und Ausdauer. Die notwendige physische Basis schafft sich Preisig mit Krafttrainings im Fitnessstudio.

Schwierige Sponsorensuche in der Schweiz

Ein ständiges Thema für fast jeden Motorsportler sind die Finanzen. Weil es in der Schweiz keinen Rundkurs gibt, ist die Sportart hierzulande weniger populär als beispielsweise in Deutschland. Im Nachbarland werden die Läufe der ADAC TCR Germany jeweils im Fernsehen übertragen, was die Attraktivität für Sponsoren erhört. Als Schweizerin sei sie in dieser Hinsicht im Nachteil, sagt Preisig. Aufgrund der beschränkten Sponsoreneinnahmen muss sie sich deshalb bei Trainingsläufen einschränken, zumal die nächste Rundstrecke im 350 Kilometer entfernten Hockenheim liegt. Für das teure Hobby greift Preisig, die als Kauffrau bei der Ausgleichskasse arbeitet, auch ins eigene Portemonnaie. Eines Tages will sie jedoch ihre grosse Leidenschaft zum Beruf machen.