Motorsport
Autos reparieren, auf dem Töff siegen: Der Waldstätter Marc Rütsche ist zweifacher Schweizer Nachwuchsmeister.

Der 17-jährige Waldstätter Marc Rütsche steigt als Doppel-Schweizer-Meister in die Motocross-Saison. Es ist sein letztes Jahr in der 125-ccm-Kategorie. Nachher folgen die Rennen mit der schwereren Maschine.

Lukas Pfiffner
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Aus dem Motocross-Knirps wurde ein Schweizer Meister: Marc Rütsche.

Aus dem Motocross-Knirps wurde ein Schweizer Meister: Marc Rütsche.

Bild: PD

Als vierjähriger Knirps ist Marc Rütsche erstmals auf einem Mini-Motocross-Töff gefahren. Jetzt ist der Waldstätter 17 Jahre alt und Schweizer Nachwuchsmeister. «Die Mischung aus Kraft, Geschwindigkeit, Ausdauer, Technik und Kontrolle macht es aus», sagt er, angesprochen auf die Faszination dieser Sportart.

Vater Erich führt in Waldstatt eine Autogarage und ist als Jugendlicher ebenfalls im Motocross aktiv gewesen. Marc fuhr im Cross-Team Toggenburg die ersten Läufe. Die regelmässigen Einsätze häuften sich – und aktuell steht über ein Dutzend Rennen pro Saison auf dem Programm. 2021 ist sein letztes Jahr in der 125-ccm-Kategorie. Nachher folgen die Rennen mit der schwereren Maschine (250 ccm).

«Wir schrauben gemeinsam»

Marc absolviert in einem Herisauer Betrieb das dritte Lehrjahr als Automobilfachmann. «Reparaturen an Autos finde ich spannender als an Motorrädern», erklärt er. Trotzdem sind seine eigenen Kenntnisse und jene des Vaters ein Vorteil, wenn es um die Einstellungen an den Motorrädern geht. Normalerweise hat er eine Rennmaschine und eine Ersatzmaschine dabei. «Wir schrauben wenn nötig gemeinsam herum.»

Marc Rütsche

Marc Rütsche

Bild: PF

Es gilt, das Fahrwerk abzustimmen, den Pneudruck im Griff zu haben, Wartungsarbeiten an Kolben, Kette, Luftfilter durchzuführen. Sein 22 Jahre alter Bruder Eric fährt ebenfalls Motocross. Marc ist erfolgreicher unterwegs und auch ehrgeiziger, wie seine Mutter erzählt.

Seit drei Jahren fährt Marc für das Backyard-Racing-Team. Dieses sponsert ihn, stellt Ausrüstungsgegenstände, Kleider und Ersatzteile zur Verfügung. Lizenzgeber sind der SAM und der SJMCC. Die eine Abkürzung steht für den Schweizerischen Auto- und Motorradfahrer-Verband, die andere für den Schweizerischen Jugend-Moto-Cross-Club.

Im Fahrerlager übernachten

Marc Rütsche wurde im vergangenen Jahr in einer Rennserie Doppelmeister – beim SAM und beim SJMCC. Sein Hauptrivale fiel vor dem abschliessenden Wochenende verletzungshalber aus. Angst habe er keine, erzählt der Waldstätter. «Ja, ich habe mir auch schon Verletzungen zugezogen. Aber wir sind gut ausgerüstet und geschützt, und wenn ich Fussball spielen würde, hätte ich wohl auch schon da oder dort eine Verletzung gehabt.»

Mutter Karin sagt, sie habe schon grossen Respekt, wenn da die Fahrer am Start stünden und alle gleichzeitig auf die erste Kurve zufahren würden. Sie unterstützt das Hobby ihres Sohnes in administrativen Belangen. Ihre Liste mit den Rennterminen zeigt als erste Station des Jahres Sézegnin/GE: Die Veranstaltung von Ende März wurde wegen Corona allerdings abgesagt. «Jetzt hoffen wir auf einen Start in Frauenfeld an Ostern.» Flexibilität ist gefragt. Im vergangenen Jahr seien manche Bewerbe in den Sommer und Herbst verschoben worden. Der Vater begleitet ihn jeweils. «Je nach Rennort reisen wir schon am Freitagabend mit dem Kleinbus oder dem Wohnmobil an», erzählt das Motocross-Talent. Das Fahrerlager gleiche dann einem Campingplatz.

Fürs Training nach Italien

Nur wenige Konkurrenten stammen aus der näheren Region. Als dritter Lizenzgeber kommt für Rütsche nun die Organisation FMS (Federation Motocycliste Suisse) dazu. Zahlreiche Veranstaltungen sind in der West- und Zentralschweiz angesetzt oder im benachbarten Ausland. Auch für das Training ist der Aufwand zeitweise sehr gross. In den Wintermonaten fahre man manchmal für ein Wochenende nach Italien. Manche Trainings finden im Rahmen von Camps mit dem SJMCC statt. «Da geben uns Trainer Tipps.» Marc Rütsche betreibt zudem individuelles Ausdauertraining und ist Mitglied des TV Waldstatt, wo er an der polysportiven Basis arbeitet.

Motocross? Die öffentliche Wahrnehmung dieser Sportart ist von morastigem Terrain und von Kopf bis Fuss verdreckten Athleten geprägt. Marc Rütsche sieht dies entspannt. Eine bis zweieinhalb Stunden dauere es, die Maschine nach einem Rennen auf tiefem Boden wieder zu säubern und bereitzustellen. Da seien die Infrastruktur und das Hochdruckreinigungsgerät des väterlichen Betriebs hilfreich. «Bei Dauerregen kommt es aber auch einmal vor, dass die Piste nicht mehr befahrbar ist und das Rennen abgesagt wird.»