Motocross als Lebensschule

Die Gebrüder Noa und Flurin Glunk fahren seit acht Jahren erfolgreich Motocross. In ihrer Karriere lernten sie ihre Grenzen kennen und sich selbst einzuschätzen. Eine Profikarriere streben die beiden Gaiser nicht an.

Roman Hertler
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Flurin (16) und Noa (17) Glunk warten und reparieren ihre Motocross-Motorräder selber. (Bild: rh)

Flurin (16) und Noa (17) Glunk warten und reparieren ihre Motocross-Motorräder selber. (Bild: rh)

MOTOCROSS. Ein Rennen vor zwei Jahren fuhr Noa Glunk ohne Sattel zu Ende. Der 17jährige Motocrossfahrer aus Gais vergass vor dem zweiten Lauf eine Schraube anzuziehen. «Während des Rennens löste sich der Sattel, und ich musste stehend weiterfahren», erinnert er sich schmunzelnd an die zusätzliche Herausforderung. «Es war schade, denn bis dahin lag ich im Rennen in Führung. An den Sieg war danach nicht mehr zu denken.»

Den Service selber machen

Noa Glunk und sein 16jähriger Bruder Flurin fahren seit acht Jahren Motocross. Für die Reinigung, Wartung, Vorbereitung und den Grossteil der Reparaturen ihrer KTM-Maschinen sind die beiden Teenager selber verantwortlich. «Das war eine Bedingung, als ich ihnen den ersten Töff, eine 50-Kubik-Maschine, kaufte», sagt Vater Felix Glunk. Früher half er seinen Söhnen bei den Mechanikarbeiten, doch heute wollen sie sich nicht mehr dreinreden lassen. «Und das ist auch gut so», so der Vater. «Sich selber um die Maschine zu kümmern, ist ein wichtiger Bestandteil dieses Sports.»

Dass sie diesen Job gut machen, zeigte sich in der vergangenen Saison, in der Noa und Flurin Glunk keinen einzigen technischen Ausfall zu verzeichnen hatten.

Ziel ist der Meistertitel

Die Glunk-Brüder fahren in der Kategorie National MX 2 des Schweizerischen Auto- und Motorradfahrer-Verbandes (SAM). Noa erkämpfte sich mit seiner 250er im letzten Rennen vor drei Wochen im Zürcherischen Schlatt den Gesamtsieg. «Nun ist der Schweizer Meistertitel mein Ziel», sagt er.

Flurin, der ein weniger starkes Motorrad mit kleinerem Hubraum von 150 Kubikzentimetern fährt, hat die Ziele nicht ganz so hoch gesteckt. «Bei einem Angebot für einen 250er-Töff würde ich wohl nicht Nein sagen», sagt Flurin. Doch könne er damit gut bis nächste Saison warten. Dann habe er wenigstens Zeit, über den Winter mit der stärkeren Maschine zu trainieren.

Das Rezept des Erfolgs

Bedächtig und unaufgeregt, wie die Glunk-Brüder über ihre Leidenschaft sprechen, ist auch die Art und Weise, wie sie den Sport betreiben. «Sie lernten in den vergangenen Jahren, sich gut einzuschätzen. Sie kennen ihre Grenzen», sagt Vater Felix. Verglichen mit anderen Fahrern stürzen die Glunks kaum. «Das ist auch das Rezept für eine erfolgreiche Saison», sagt Noa.

Die Glunks fahren pro Jahr ein gutes Dutzend Meisterschaftsrennen. Sie trainieren, wenn sie Zeit dazu haben. Nicht jede Woche können sie auf Rennpisten trainieren. Sie betrachten die Plauschrennen, die nebst den Meisterschaftsrennen stattfinden, als Trainings. Dabei konzentrieren sie sich aber nie auf einzelne Streckenabschnitte, Sprünge oder Kurven. Dazu fehlt auf den Rennpisten meist der Platz, den sie immer mit anderen Fahrern teilen müssen. In der Wintersaison fahren Noa und Flurin mit Vater Felix drei- bis viermal nach Italien. «Dort gibt es viel mehr Pisten als bei uns», sagt Felix Glunk.

Die Frage, ob sie eine Profikarriere anstreben, verneinen die Brüder. «Dieser Zug ist längst abgefahren», sagt Noa, und sein Vater ergänzt: «Dazu braucht es enorm viel Zeit und Geld.» Die Teilnahme an einem oder zwei internationalen Rennen ist deswegen aber nicht ausgeschlossen.

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