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Motivator und Initiator neuer Ideen

OBERHELFENSCHWIL. Pfarrer Ueli Friedinger lenkte neun Jahre lang die kirchlichen Geschicke in Oberhelfenschwil. In dieser Zeit rief er neue Gottesdienste und das Herbstlager ins Leben, die heute fest im Kirchenjahr verankert sind. Ende Jahr wird er mit einem Gottesdienst in die Pension verabschiedet.
Urs M. Hemm
Barbara und Ueli Friedinger motivierten mit ihrem eigenen Engagement viele Kirchbürger dazu, aktiv die Kirchgemeinde mitzugestalten. (Bild: Urs M. Hemm)

Barbara und Ueli Friedinger motivierten mit ihrem eigenen Engagement viele Kirchbürger dazu, aktiv die Kirchgemeinde mitzugestalten. (Bild: Urs M. Hemm)

Wenn Ueli Friedinger als evangelischer Pfarrer von Oberhelfenschwil nach neunjähriger Tätigkeit auf Ende Jahr in Pension geht, hinterlässt er eine lebendige Kirchgemeinde. «Mein Glück war, dass die Kirchenvorsteherschaft immer offen für meine Ideen und Vorschläge war und eine grosse Risikobereitschaft an den Tag gelegt hat. So probierten wir Ideen einfach einmal aus und haben erst nachher beurteilt, ob es dem entsprochen hat, was wir uns erwartet hatten», beschreibt der 65-Jährige. So habe er vieles umsetzen und anstossen können. Dennoch sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, das Amt in neue Hände zu geben, obwohl er keinesfalls amtsmüde sei. «Ein frischer Wind schadet aber nie», sagt Ueli Friedinger.

Mehr schönes Hobby als Beruf

Gottesdienste zu feiern und zu predigen sei für ihn nie ein Muss, sondern ein schönes Hobby gewesen, das ihm immer wieder Freude bereitet habe, schildert Ueli Friedinger seine Beziehung zu seinem Beruf. «Ich habe auch für die Gläubigen versucht, die Gottesdienste nicht als eine allwöchentlich wiederkehrende Pflichtveranstaltung zu gestalten, sondern ein wenig Abwechslung zu bieten», erläutert er. Nicht so, dass er eine Show daraus gemacht hätte, aber bereits das Singen wenig bekannter Lieder, darunter fremdsprachige, hätte einen Unterschied gemacht. Auch bei den Predigttexten wählte Ueli Friedinger seinen eigenen Weg. «Ich habe eigentlich nie bestimmte Texte für eine Predigt ausgesucht, die hat mir immer der Kalender vorgegeben und so die Auswahl erspart», fährt er fort. Dadurch sei es zwar nicht immer leicht gewesen, eine Predigt um einen für ihn zufällig bestimmten Text herum aufzubauen, aber genau darin habe der Reiz gesteckt. In den Predigten habe er es nicht als seine Aufgabe gesehen, den Gottesdienstbesuchern seine persönlichen Lehren aus den Texten zu präsentieren. Vielmehr habe er sich als denjenigen gesehen, der den Anstoss geben sollte, dass sich jeder selber Gedanken dazu macht und eine eigene Meinung bildet.

Als ausgebildeter Theologe und Psychologe sei er ein pragmatisch denkender, Konzept geleiteter Mensch, sagt er. «Ich selber sehe mich als Grenzgänger zwischen Spiritualität und Psychologie. Deshalb interessieren mich die Gedanken und Meinungen, die sich die Menschen zu meinen Gottesdiensten machen, sehr. Ich möchte mehr darüber erfahren, was der Glauben in der Seele bewirkt», erläutert Ueli Friedinger. Mit dieser Mischung aus Spiritualität und Pragmatismus, seinem Interesse an den Menschen und an den Mechanismen, die diese Menschen bewegen, habe er auch versucht zu helfen, wenn jemand – auch mitten in der Nacht – seinen Rat gesucht habe.

Den Start-Kick geben

Andere dazu zu motivieren, selber die Initiative zu ergreifen und sich einzubringen, war Ueli Friedinger ein grosses Anliegen. «Ich will die Menschen ihre Selbstwirksamkeit erleben lassen, ihnen die Möglichkeit geben zu partizipieren», verdeutlicht er. So sehe er seine Rolle als Ideengeber. Was daraus gemacht werde, davon lasse er sich überraschen. «Speziell Kinder haben immer tolle Einfälle, wenn man ihnen einen Start-Kick gibt.» Die Ausarbeitung und Organisation dessen, was schliesslich geplant werde, beispielsweise wie das diesjährige Krippenspiel gestaltet werden soll, übernehme er dann aber gerne, sagt er. Auch andere Gelegenheiten sich einzubringen, gab es für die Oberhelfenschwilerinnen und Oberhelfenschwiler genug, führte doch Ueli Friedinger während der letzten neun Jahre verschiedene neue Gottesdienste in den Kirchen-Kalender ein, wo die Mitarbeit von Jung und Alt gefragt war. Dazu gehören beispielsweise die monatlichen Taizé-Gottesdienste, die Osternacht, den Schulanfangs-, respektive Schulschlussgottesdienst oder die Gottesdienste mit dem Titel «Kirche einmal anders». «Anfangs November führten wir einen solchen Gottesdienst unter dem Motto <Der grösste Schatz ist die Freundschaft> durch. Neben musikalischer Begleitung, damals vom Männerchor St. Peterzell, ist das Spezielle an diesen Sonntagen das gemeinsame Mittagessen im Foyer der Sonnenberghalle», erläutert Ueli Friedinger. Die Stichworte «Freundschaft» und «Zusammenleben» waren auch seine Triebfeder, als er das Herbstlager für Kinder und Jugendliche ins Leben rief, an welchem in diesem Jahr über 70 Teilnehmer beider Konfessionen dabei waren.

Eltern mit einbinden

Als Mitglied des Leiterteams in den Herbstlagern, aber auch als tatkräftig helfende Hand bei der Organisation vieler anderer Anlässe, stand Ueli Friedinger stets seine Frau Barbara zur Seite. Als Religionslehrerin in Oberhelfenschwil hatte sie immer engen Kontakt zu den Kindern und deren Eltern. «Ein Teil dieser Eltern war jeweils auch mit im Leiterteam der Herbstlager. Dadurch wurde der Kontakt noch enger, so dass ich viel über die Erwartungen der Eltern an den Religionsunterricht, aber auch an die Gottesdienste erfahren habe», erläutert Barbara Friedinger. Diese Kontakte hätten es vereinfacht, die Eltern auch für andere Aktivitäten an kirchlichen Anlässen zu motivieren. Daneben engagierte sich Barbara Friedinger unter anderem in der Frauengemeinschaft und im Team für den Weltgebetstag.

Mit innerer Überzeugung

Bevor Ueli Friedinger in die Pfarrei nach Oberhelfenschwil wechselte, arbeitete er während 25 Jahren im thurgauischen Thundorf bei Frauenfeld, wohin er zurückkehren will. Ans Nichtstun hingegen denkt er nicht. So arbeitet er zurzeit an einem Lehrbuchprojekt für Kinder. «Auch wenn ich offiziell pensioniert werde, möchte ich doch 60 bis 70 Prozent weiter arbeiten. Am liebsten wäre mir eine Stellvertretung oder ein Übergangspfarramt», so Ueli Friedinger. Denn wenn man etwas mit innerer Überzeugung und mit viel Herzblut tue, könne man das nicht einfach an einem bestimmten Datum aufhören und ablegen.

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