Mostbröckli von deutschen Kühen

Trockenfleischprodukte wie Bündnerfleisch und Appenzeller Mostbröckli werden oft mit ausländischem Fleisch hergestellt. Dies ist gemäss den geltenden Vorschriften erlaubt. Beim Mostbröckli ist durch die bevorstehende IGP-Zertifizierung Besserung in Sicht.

Karin Erni
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Nicht überall, wo Appenzell draufsteht, ist Appenzell drin. (Bild: fotolia)

Nicht überall, wo Appenzell draufsteht, ist Appenzell drin. (Bild: fotolia)

APPENZELLERLAND. Die Problematik von ausländischem Fleisch in Produkten wie Bündnerfleisch und Appenzeller Mostbröckli ist schon länger bekannt. Hersteller betonen immer wieder, dies geschehe nicht aus Kostengründen, sondern weil es in der Schweiz am geeigneten Rohstoff mangle: dem Fleisch von Kühen.

Mangel an Ausgangsmaterial

Alte Kühe sollte es im Käseland Schweiz genug geben, könnte man meinen. Dem widerspricht der Appenzeller Metzger Franz Fässler: Die Milchviehbestände nähmen in der Schweiz kontinuierlich ab. «Die Gründe liegen bei der höheren Leistungsfähigkeit der Tiere und bei der steigenden Zahl der Betriebsaufgaben.» Für seine Mostbröckli-Produktion stelle das kein Problem dar, er erhalte problemlos Fleisch aus der Region. Grössere Produzenten dagegen seien auf den Zukauf von Fleisch aus dem Ausland angewiesen. Für Mostbröckli können nur bestimmte Stücke aus dem Stotzen verwendet werden, daran herrsche ein Mangel. In Deutschland und Österreich habe man dagegen kaum Verwendung für diese Stücke.

Unterschiedliche Label

Für landwirtschaftliche Produkte existieren zwei Labels, die für deren Herkunft bürgen: «AOC» bedeutet, dass alle Herstellungsschritte im Ursprungsgebiet stattfinden. Beim Label IGP kann das Ausgangsmaterial aus einem anderen Gebiet stammen. Gemäss Swissness-Verordnung darf dieser Anteil ab 2017 nur noch 20 Prozent betragen. Bündnerfleisch ist schon seit längerem zertifiziert, daher gilt die Vorschrift für dessen Hersteller nicht. Wichtiger, als dass das Fleisch aus der Schweiz stamme, erscheint Fässler, dass es hier veredelt werde. «Das ergibt die höchste Wertschöpfung.»

Die IG Appenzeller Mostbröckli bemüht sich seit rund 15 Jahren um das Label IGP. Immer wieder seien sie vom Bundesamt für Landwirtschaft vertröstet worden, zuletzt im Jahr 2009 mit dem Hinweis auf die neue Swissness-Verordnung, sagt Fässler. Nun steht die IG aber kurz vor dem Erreichen der Zertifizierung. Sie erhofften sich dadurch einen Schutz vor allfälligen Nachahmerprodukten aus dem nahen Ausland, sagt Franz Fässler. «Wir wollen verhindern, dass es dem Appenzeller Mostbröckli so geht wie dem Emmentaler Käse, von dem heute viel mehr im Ausland produziert wird als in der Schweiz.»

Franz Fässler Metzger und Vertreter der IG Mostbröckli (Bild: apz)

Franz Fässler Metzger und Vertreter der IG Mostbröckli (Bild: apz)

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