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MOSNANG: «Einstimmigkeit ist kitschig»

Seit einem Jahr hat Renato Truniger die Geschicke der Gemeinde Mosnang in seiner Hand. Der Gemeindepräsident verrät, wie es ihm in seinem ersten Amtsjahr ergangen ist und warum er ein Fan von kontroversen Meinungen ist.
Timon Kobelt
Mosnangs Gemeindepräsident Renato Truniger hat in seinem ersten Amtsjahr viel Zeit im Büro verbracht. (Bild: Timon Kobelt)

Mosnangs Gemeindepräsident Renato Truniger hat in seinem ersten Amtsjahr viel Zeit im Büro verbracht. (Bild: Timon Kobelt)

Zwölf Jahre lang hat er als Gemeinderat in Mosnang gewirkt, nun steht Renato Truniger dem Gremium seit einem Jahr als Gemeindepräsident vor. Der gelernte Landwirt erklärt, wie er die Umstellung vom Gemeinderat zum Präsidenten erlebt hat und welche Themen ihn politisch im Jahr 2018 besonders fordern werden.

Renato Truniger, viele Leute überlegen sich Neujahrsvorsätze. Haben Sie auch welche bezüglich der Führung der Gemeinde?

Nicht direkt. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich an meiner Arbeit etwas ändern muss, probiere ich das meist sofort umzusetzen. Dann warte ich nicht auf ein fixes Datum.

Und privat?

Privat habe ich tatsächlich einen Vorsatz gefasst. Ich möchte in diesem Jahr die Ferien, die ich zugute habe, auch konsequent beziehen und mehr Zeit für die Familie haben. Das ist mir im vergangenen Jahr nicht ganz gelungen. Da ich zuvor als selbstständiger Landwirt tätig war, muss ich mich erst einmal an fünf Ferienwochen im Jahr gewöhnen.

Apropos Landwirt: Sie besitzen Ihren Hof in Dreien auch jetzt noch. Gehen die Tätigkeiten in Hof und Gemeindehaus gut nebeneinander her?

Es funktioniert so, wie ich mir das vorgestellt habe. Die Zusammenarbeit mit meinem Bruder klappt hervorragend und auch sonst sind bei Bedarf viele helfende Hände verfügbar. Die Landwirtschaft ist eine grosse Leidenschaft von mir und ein Stück weit auch eine Berufung. Deshalb möchte ich dieser Tätigkeit auch weiterhin nachgehen.

Vom Land zurück zur Politik. Wie haben Sie ihr erstes Jahr als Gemeindepräsident generell erlebt?

Überwiegend positiv. Ich lerne als Präsident sehr viele Menschen kennen und die Leute freuen sich sehr, wenn ich ihre Anlässe besuche. Natürlich war es aber auch ein forderndes Jahr für mich, da permanent etwas los ist und der Präsident selten abschalten kann. Ich habe auch erkannt, dass ich noch effizienter werden und mein Zeitmanagement besser im Griff haben muss. Als Gemeinderat konnte ich das Zeitmanagement etwas gelassener sehen, denn ich musste an die Sitzungen kommen und diese waren vorbereitet. Als Präsident muss ich natürlich mehr Vorbereitungsarbeit für die Sitzungen leisten.

Dann war es eine grosse Umstellung vom Gemeinderat zum Präsidenten?

Ja das ist in der Tat eine enorme Umstellung. Gerade hier im Kanton St. Gallen nimmt der Präsident nach wie vor eine dominierende Rolle ein – besonders in ländlichen Gebieten. Es besteht kein klassisches Ressortsystem mit separaten Verantwortlichkeiten wie in grösseren Städten. Von daher steht und fällt halt schon Vieles mit dem Präsidenten.

Wie ist es für Sie, dass sie als Präsident ihre parteipolitische Meinung etwas mehr zurückhalten müssen?

Wir haben hier in Mosnang die glückliche Lage, dass wir unabhängig von unserer Parteizugehörigkeit relativ ähnlich ticken. Sprich, wir haben keine enormen politischen Gräben. Als Präsident versuche ich, die Ratsdebatten unvoreingenommen zu führen und natürlich bringe ich dann meine Meinung auch ein. Dazu ermutige ich übrigens auch die Gemeinderäte. Ich bin ein Fan davon, dass alle ihre Meinung äussern, denn so funktioniert unsere Demokratie. Es geht um die Sache. Ausserdem kann ich besser vorbereitet vor die Bürger treten, wenn die Debatte schon im Gemeinderat lebhaft ist. Denn wenn ich nur von Kopfnickern umgeben wäre, müsste ich mir die Argumente, die andere einbringen, immer selbst überlegen.

Sie sprechen die Bürger an. Diese sind in Mosnang sehr interessiert und scheuen sich nicht, ihre Meinung kundzutun.

Zum Glück! Es ist für mich als Präsident sehr schön, dass unsere Informationsveranstaltungen jeweils gut besucht sind. Die Bürger müssen auch nicht immer mit mir einverstanden sein – im Gegenteil. Kritik ist eigentlich immer unterstützend, da man sich hinterfragt. Ausserdem gibt es in der Politik kein richtig oder falsch. Wir sind alle Individuen mit eigenen Ansichten, da ist es unmöglich, dass man sich immer einig ist. Einstimmigkeit in der Politik ist meiner Meinung nach kitschig.

Das Thema Ärztehaus wird Sie und die Mosnanger Bürger auch im Jahr 2018 beschäftigen. Was haben sie bis jetzt für Rückmeldungen von Ärzten erhalten?

Wir haben durchaus positive Reaktionen auf unsere geschalteten Inserate erhalten. Allerdings liegt noch keine Bewerbung auf meinem Schreibtisch. Wir müssen uns wohl von dem Gedanken verabschieden, einen Arzt zu finden, der gleichzeitig auch Unternehmer sein will.

Weshalb?

Die Interessenten zielen eher auf ein Anstellungsverhältnis ab als darauf, selbst Geld zu investieren. Die Gemeinde prüft, wie man potenziellen Ärzten die Bürde einer finanziellen Beteiligung abnehmen könnte. Eine Möglichkeit wäre die Gründung einer Firma – am wahrscheinlichsten wäre eine AG oder GmbH. Wie die Gemeinde in so einer Firma beteiligt wäre, kann ich derzeit nicht sagen. Persönlich glaube ich, dass eine Anschubfinanzierung in Form eines Darlehens möglich wäre. Ein anderer wichtiger Knackpunkt ist, dass der administrative Aufwand für einen Arzt zuweilen erdrückend geworden ist und er sich deshalb zu wenig seiner wesentlichen Berufung widmen kann. Auch hier prüfen wir, ob in einem allfälligen Gesundheitszentrum gewisse administrative Aufwände anderweitig gestemmt werden können.

Was für Etappenziele wollen Sie in diesem Dossier im Jahr 2018 erreichen?

Reaktionen aus öffentlichen Anlässen haben uns gezeigt, dass manche Mosnager durchaus bereit wären, auch andernorts in der Region zum Arzt zu gehen. Also ist der Druck der Bevölkerung nicht gerade enorm. Persönlich hoffe ich schon, dass etwas zustande kommt. Für Mosnang wäre ein Ärztehaus ein grosser Standortvorteil und es würden sicher auch andere Toggenburger hier zum Arzt kommen. Wenn wir allerdings bis Ende Jahr kein konkretes Ergebnis präsentieren können oder wenigstens Verhandlungen führen, wird in Mosnang wohl kein neues Ärztehaus entstehen.

Auf welche Projekte freuen Sie sich dieses Jahr besonders?

Ich schaue freudig auf den Monat Mai voraus, wenn wir das neue Alters- und Pflegeheim Hofwis eröffnen werden. Es war für uns klar, dass wir beim Altersheim aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen etwas unternehmen mussten. Daher freut es mich, dass wir der Bevölkerung am 26. Mai ein super schönes Heim präsentieren können.

Budgettechnisch stimmt der Fahrplan?

Den Kredit von 6 Millionen Franken werden wir sicher aufbrauchen. Die Kostenprognose sieht grundsätzlich gut aus, aber ich gehe davon aus, dass wir den Kredit leicht überziehen werden.

Umstritten war in der Vergangenheit die Sanierung und die Öffnung des Dorfbaches. Geht dieses Thema 2018 in ruhigere Gewässer über?

Es ist ein Legislaturziel des Gemeinderates, den oberen Teil des Dorfbaches nochmals zur Abstimmung kommen zu lassen. Die Analyse der letzten Abstimmung hat ergeben, dass ein Kreditbegehren für die Sanierung des oberen Teils aus Hochwasserschutzgründen wohl mehrheitsfähig wäre. Sollte dies der Fall sein, könnten Synergien mit der Sanierung der Kantonsstrasse genutzt werden. Der Kanton hat sich in Gesprächen bereit erklärt, den Entscheid der Mosnanger Stimmbürger abzuwarten, bevor er mit der Sanierung der Strasse beginnt. Beim unteren Teil hat es bei der Grundwasserfassung kaputte Röhren, die wir flicken wollen. Ansonsten würden wir diesen Teil vorerst so belassen.

Ihre ersten beiden Bürgerversammlungen verliefen ziemlich glatt. Erwarten Sie dieses Jahr mehr Zündstoff?

Wir konnten letztes Jahr eine bessere Rechnung vorweisen als prognostiziert. Entsprechend haben wir den Bürgern in Form einer Steuerreduktion etwas zurückgegeben. Für jene Rechnung war weitgehend noch mein Vorgänger verantwortlich. Aber so viel sei verraten: Wir werden auch diesen Frühling eine gute Rechnung präsentieren. Dann gibt es noch zwei Gutachten. Das eine für einen Hausverkauf zugunsten des Finanzvermögens, was unumstritten sein sollte. Das andere betrifft die Öffnung des Sonnhaldenbachs, was wie wir wissen, etwas kontroverser sein könnte.

Mosnang hat kantonal die tiefste Umzugsquote. Die Bürger scheinen mit der Arbeit der Gemeinde zufrieden zu sein.

Darüber freue ich mich, aber das kann man als Gemeinde strategisch nicht gross beeinflussen. Es ist viel eher ein gesellschaftliches Verdienst und unsere Vereine tragen viel dazu bei, dass auch die Jungen gerne bei uns wohnen. Ausserdem haben wir viel mehr Eigentumswohnungen- und Häuser als in Städten. Dann zieht man auch nicht ganz so schnell weg.

Was möchten Sie in einem Jahr über die Gemeinde Mosnang sagen können?

Dass ich immer noch von einem so tollen Team umgeben bin wie jetzt. Denn das erleichtert mir natürlich meine Arbeit ungemein. Und dass wir mit dem neuen Alters- und Pflegeheim Hofwis nach der Eröffnung einen guten Start hinlegen.

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