Moritz' Wirken nach dem Tod

Die Ebnat-Kapplerin Marlies Frast hat im Eigenverlag ein kleines Geschenkbuch herausgegeben mit dem Titel «Alles für die Katz!». 40 Prozent vom eingenommenen Verkaufserlös spendet sie dem Tierheim Nesslau.

Renata Riehm
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Ebnat-Kappel. Die gebürtige Vorarlbergerin Marlies Frast schreibt seit ihrem vierten Lebensjahr. Es sind vor allem Gedichte, manche heiter und locker, andere sehr besinnlich und mit grosser Tiefe. Viel geistiges Wirken von Marlies Frast landete bisher in der Schublade – beziehungsweise im Computerordner oder wurde – zu Weihnachten beispielsweise – zum Geschenk für Verwandte und Bekannte.

Auch zu Geburtstagen, Firmenaustritten oder andern besonderen Ereignissen erfreut sie ihre Mitmenschen mit ganz individueller, oft seitenlanger Poesie von grosser Originalität und voller überraschender Wendungen. Gleich einen ganzen Gedichtband mit eigenen Fotos sollte Elisabeth Wyler, die Wohnpartnerin von Marlies Frast, 2009 zu Weihnachten erhalten. Thema und Inhalt war Kater Moritz, den die Frauen 2007 aus dem Tierheim Nesslau geholt hatten.

Der anhängliche vierbeinige Mitbewohner hatte Marlies Frast zu vielen Gedichten angeregt und in mancher Pose schien er geradezu darauf zu warten, fotografiert zu werden. 2009 waren genügend Gedichte und Fotos für das geplante Büchlein beisammen, so dass sich die gelernte Psychiatriepflegerin und heute im Strafvollzug tätige Marlies Frast mit Hilfe von Fachleuten an die Gestaltung machen konnte.

Ein trauriges Ende

Am 14. Dezember 2009, gerade als letzte Korrekturen gemacht und das Werk für den Druck bereit war, musste Kater Moritz nach einem Zusammenbruch notfallmässig in die Tierklinik Nesslau eingeliefert werden. Herzinfarkt lautete die vernichtende Diagnose beim bisher gesunden Tier. Viereinhalb Jahre alt nur war Kater Moritz geworden. Die Trauer war immens.

Marlies Frast konnte sich ein Buch mit Kater Moritz nicht mehr vorstellen, die Arbeit schien im wahrsten Sinn «für die Katz» gewesen zu sein. Als die erste grosse Trauer überwunden war, erinnerte sie sich an einen Zeitungsartikel, in welchem von finanziellen Sorgen des Tierheims geschrieben wurde. «Könnte dem Tierheim für die Vermittlung von Moritz nicht ein Dienst erwiesen und das Büchlein mit einem guten Zweck verbunden werden?», ging es Marlies Frast durch den Kopf.

Weitere Hindernisse

Das Buch nahm seinen Lauf, die Leiterin des Tierheims zeigt sich erfreut und so liess Marlies Frast statt der ursprünglich geplanten 80 Exemplare 1000 Büchlein drucken, alles auf eigene Kosten. 40 Prozent des Verkaufspreises von 20 Franken, also acht Franken erhält das Tierheim. Die Zusage, das Büchlein anlässlich des Benefizkonzerts für das Tierheim im vergangenen Frühjahr verkaufen zu können, wurde kurz vor dem Konzert widerrufen. Nun stand die passionierte Schriftstellerin mit 1000 Exemplaren da.

Kurzerhand liess sie noch einige Kleinplakate drucken und sprach bei den örtlichen Geschäften vor. Einige Läden legten das Werk zum Verkauf auf. Der Erfolg hält sich mit 130 verkauften Exemplaren bis heute jedoch in Grenzen. Trotzdem konnte sie bereits 1000 Franken dem Tierheim Nesslau überweisen.

Marlies Frast freut sich, wenn weitere Exemplare über den Ladentisch gehen und sie damit nicht nur ihre Unkosten decken, sondern auch weiterhin das Tierheim beschenken kann.

Es ist eine schöne Geschenkidee für andere oder sich selbst. Katzen- und Gedichteliebhaber kommen ebenso auf ihre Rechnung wie Freunde des Tierheims, die damit der Institution etwas Gutes tun können. Trotz Hindernissen ist Marlies Frast in Sachen Buchautorenschaft auf den Geschmack gekommen. Sie denkt bereits über ein zweites Büchlein im gleichen Rahmen nach, jedoch mit Texten und Fotos zu Weihnachten.

Für den Vertrieb von «Alles für die Katz!» hat sie den Frast-Verlag gegründet und eine Homepage aufgeschaltet. Darin gibt es viele weitere spannende und erbauliche Texte von Marlies Frast zu lesen.

Im Haus Frast/Wyler hat wieder ein Vierbeiner Einzug gehalten. Auch Kater Maxi kommt aus dem Tierheim Nesslau. Ob auch er, wie sein Vorgänger Moritz, ein Leben nach dem Tod haben wird, steht noch nicht fest.

Hingegen haben Marlies Frast und Elisabeth Wyler in ihrem Alltag schon so einiges verändert, damit es dem zuvor traumatisierten Kater wohl ist in seiner Umgebung. Sie nehmen viel in Kauf, die beiden Frauen, auch wenn sie wissen, dass «alles für die Katz» ist.

«Alles für die Katz!», Texte und Fotos, 40 Seiten. Erhältlich in den Papeterien Haab in Ebnat-Kappel und Zwingli in Nesslau oder direkt bei Marlies Frast (www.frast-verlag.ch)