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MORDFALL: Ein Toggenburger Original ist verstummt

Fredy K. wurde am 4.Mai tot in seinem Wohnhaus gefunden: Das Toggenburger Original ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Neue Erkenntnisse zum Fall gibt es seitdem nicht. Tagblatt-Redaktorin Anina Rütsche hat ihn drei Wochen vor seinem Tod interviewt.
Fredy K. lebte für Musikautomaten wie dieses Orchestrion aus den 1920er-Jahren, sein Lieblingsstück. (Bild: Anina Rütsche)

Fredy K. lebte für Musikautomaten wie dieses Orchestrion aus den 1920er-Jahren, sein Lieblingsstück. (Bild: Anina Rütsche)

LICHTENSTEIG. Es hätte auch ein Orchester sein können, das seine Klänge in die Lichtensteiger Postgasse hinausschickte. Doch da waren weder ein Pianist noch Bläser, Perkussionisten oder Streicher. Die schönen Töne kamen aus einem imposanten Musikautomaten, einem Orchestrion, das in Fredy's Mechanischem Musikmuseum revidiert und getestet wurde. Museumsleiter Fredy K. hatte viel zu tun an jenem 20.April, als eine Vertreterin des Toggenburger Tagblatts bei ihm vorbeischaute, um über sein 40jähriges Schaffen zu berichten. Niemand ahnte, dass dies das wohl letzte Interview mit dem Mann werden würde, der in der Region als Original galt.

Drei Wochen nach diesem Treffen, am 4. Mai, wurde Fredy K. tot in seinem Wohnhaus gegenüber dem Museum aufgefunden. Gemäss Angaben der Kantonspolizei St.Gallen ist der 62-Jährige einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Laut Mediensprecher Hanspeter Krüsi gibt es keine neuen Erkenntnisse in diesem Fall. Nach wie vor sei man auf der Suche nach einem Niederländisch sprechenden, etwa 30jährigen Mann dunkler Hautfarbe, welchen Fredy K. bei sich beherbergt haben soll. Auch wisse man derzeit noch nicht, wer letzte Woche den Mercedes des Museumsleiters beim Bahnhof Lichtensteig abgestellt habe.

Sorgen wegen der Zukunft
Bei seinem wahrscheinlich letzten Medientermin im April nahm die Journalistin Fredy K. zunächst als wortkarg wahr. Als es darum ging, die jahrzehntelange Geschichte seiner Leidenschaft für Musikautomaten aufzuzeichnen, verwies er auf bereits erschienene Artikel in Fachmagazinen aus der Antiquitäten- und Sammlerszene, die er bereitgelegt hatte. «Sie müssen mich nicht fragen, dort steht schon alles drin», sagte er, zog sich die Hutkrempe tiefer ins Gesicht und zündete eine weitere Zigarette an.

Fredy K. hatte sein Museum in Lichtensteig am 1.Juli 1976 gegründet und seither nahezu im Alleingang betreut. Ausserdem rief er im Jahr 1979 das Drehorgeltreffen Lichtensteig ins Leben, das er bis 2013 mitgestaltete. Wichtiger als die Vergangenheit schien Fredy K. aber die Zukunft zu sein, seine eigene und vor allem die seines Museums, seines Lebenswerks. «Ich bin schon länger auf der Suche nach einem Nachfolger», sagte er gegen Ende des Gesprächs. Diesbezüglich sehe es leider gar nicht gut aus. «Ständig muss ich daran denken, dass das Fortbestehen des Museums nicht gesichert ist, und das belastet mich sehr.»

Dank der Musik aufgeblüht
Erst als es darum ging, im Rahmen des Interviews das Museum zu besichtigen, blühte Fredy K. auf – von einer Minute auf die andere. Geschäftig und warmherzig führte er durch die üppig eingerichteten Räume mit den Spieldosen, Drehorgeln und Musikautomaten, die aus der Zeit zwischen 1780 und 1946 stammen. Der gelernte Mechaniker begann zu erklären, zu erzählen und manchmal auch zu witzeln. Stolz präsentierte er seine aus aller Welt zusammengetragenen Musikautomaten. Er genoss es sichtlich, wenn er diese vor Publikum zum Tönen und Dröhnen bringen konnte.

Man merkte schnell, dass Fredy K. über ein sehr grosses Wissen und viel Erfahrung in seinem Fachgebiet verfügte – nicht zuletzt deshalb, weil er die Ausstellungsstücke seit Jahrzehnten eigenhändig gepflegt und repariert hatte. «Ich bin einer der wenigen, die das heutzutage noch können», verkündete er, als der Rundgang zu Ende war und man wieder draussen auf der Postgasse stand. «Es gibt viele Sammler, die das zu schätzen wissen.»

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