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Morchel oder Lorchel?

TOGGENBURG. Im Toggenburg hat die Morchelsaison begonnen. Doch Vorsicht: Verwechslungen zwischen der Morchel und der Lorchel können zu ernsthaften Vergiftungen führen.
Hans-Peter Neukom
Die Speise-Morchel hat eine charakteristische wabenartige Hutoberfläche. (Bild: Hans-Peter Neukom)

Die Speise-Morchel hat eine charakteristische wabenartige Hutoberfläche. (Bild: Hans-Peter Neukom)

Wenn der Schnee geschmolzen ist, die Obstbäume blühen und die ersten Gewitter mit Blitz und Donner niedergehen, dann findet Axel von Wehrden, Lichtensteiger Pilzkontrolleur und Mitglied des Pilzvereins Toggenburg, regelmässig Morcheln. Bereits wurde er auch dieses Jahr wieder fündig.

Eine Delikatesse

Nicht nur bei Axel von Wehrden ist das Morchelfieber erwacht, sondern auch andere Pilzsammler werden davon angesteckt. Wehren können sie sich kaum dagegen und eine Impfung gibt es nicht. Morchelliebhaber hoffen sogar, dass das Fieber so schnell nicht abklingen möge. Es zehrt zwar an ihren Kräften, aber treibt sie dennoch unaufhaltsam an: Den Blick stur nach unten gerichtet, pilgern sie jeden Frühling Fluss- und Bachläufen entlang an die Gestade bewaldeter Seeufer und in Auenwälder. Dies sind die bevorzugten Standorte der begehrten Delikatesse.

Gemeint ist die bei Pilzgourmets hoch im Kurs stehende Speise-Morchel (Morchella esculenta) und Spitz-Morchel (Morchella conica). Erste Fruchtkörper der Spitz-Morchel können im Flachland kurz nach der Schneeschmelze und im Hochgebirge je nach Witterung bis in den Juni hinein erscheinen.

Hutformen unterscheiden

Doch manchmal ist der Unterschied zwischen gut und böse eben bloss ein Buchstabe. So verwechseln unkundige Sammler leicht die Speise-Morchel mit der im Toggenburg zwar seltenen, aber zur selben Jahreszeit und an ähnlichen Standorten auftretenden, giftigen Frühjahrs-Lorchel (Gyromitra esculenta). «Liegen beide Pilzarten nebeneinander, begreift man kaum, dass sich Sammler irren können», sagt auch der langjährige Wildhauser Pilzkontrolleur Hans Frey. Doch wie unterscheiden die Kenner die beiden Namensvettern? «An ihrer Hutform», erklären die beiden Pilzexperten von Wehrden und Frey, die selbst schon Frühjahrs-Lorcheln – etwa in Wildhauser Gamplüt – gefunden haben. Die Frühjahrs-Lorchel besitzt nämlich eine unregelmässig wulstige, hirnartig gewundene Hutoberfläche mit rotbraunen Farbtönen. Die Hutoberfläche der Speise-Morchel ist dagegen eher ockerbräunlich und zeigt statt solchen Wülsten wabenartige (versenkte) Gruben. Das Tox-Zentrum in Zürich registrierte in den letzten 15 Jahren zwar nur 34 Anfragen und zwei leichtere Vergiftungen (Brechdurchfälle und leichten Anstieg der Leberwerte) hervorgerufen durch diese Pilzart, sagt die Ärztin und Pilzexpertin Katharina Schenk-Jäger auf Anfrage. In Russland jedoch, wo die Frühjahrs-Lorchel häufig vorkommt, gehen rund 40 Prozent aller Pilzvergiftungen auf diesen Giftpilz zurück. Doch selbst wenn eine solche Pilzvergiftung glimpflich endet, so ist sie doch immer ein scheussliches, lange Jahre prägendes Schmerz- und Angsterlebnis. Die Toggenburger Pilzkontrolleure und die Pilzexpertin des Tox-Zentrums empfehlen Sammlern daher, beim leisesten Zweifel die gesamte Morchelernte von einem Pilzkontrolleur prüfen zu lassen. Infos zu Pilzkontrollstellen können über die Gemeinden oder unter www.vapko.ch eingeholt werden.

Die Frühjahrs-Lorchel mit ihrer typisch hirnartig gewundenen Hutform. (Bild: Xavier Schmid)

Die Frühjahrs-Lorchel mit ihrer typisch hirnartig gewundenen Hutform. (Bild: Xavier Schmid)

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