Moral kehrte auf Brünig zurück

Ausdauersportler Arthur «Turi» Vogel schindet sich bei der «Tortour», die letzte Woche stattgefunden hat, von Schaffhausen in der Kategorie «Challenge» solo auf Rang fünf. Seit einigen Tagen kann er sich wieder normal bewegen.

Urs Huwyler
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Arthur «Turi» Vogel (zweiter von links) hat mit der Unterstützung seines Teams die Tortour auf Rang fünf «überlebt». (Bild: Urs Huwyler)

Arthur «Turi» Vogel (zweiter von links) hat mit der Unterstützung seines Teams die Tortour auf Rang fünf «überlebt». (Bild: Urs Huwyler)

DIETFURT. Die Idee, auf dem Rennvelo in Schaffhausen zu starten und auf einem Rundkurs zurück in die Munot-Stadt zu fahren, macht grundsätzlich kaum hellhörig. Doch wenn die Strecke über Frauenfeld, Chur, den Oberalp, Furka, Grimsel, Brünig nach Kriens, Regensdorf und Eglisau führt, beginnen die Ultra-Sportler definitiv zu rotieren. «Mitentscheidend für meinen zweiten Start war die Route. Im Gegensatz zur ersten Teilnahme führte die Strecke nämlich dieses Mal auch durch Bütschwil und Dietfurt», lieferte Arthur «Turi» Holzbau Vogel aus Dietfurt eine Erklärung, weshalb Mann kurz nach ein Uhr nachts startet und gleichentags um 22.45 Uhr am gleichen Ort eintrifft.

Belegschaft auf den Beinen

Auf den 521 Kilometern erlebte der Dauertreter immer wieder Phasen mit Hochs und Tiefs. «Besonders gefreut und motiviert hat mich, dass morgens um halb vier in Dietfurt die ganze Belegschaft mit einem Transparent an der Strasse stand», windet der Chef den Mitarbeitenden ein grosses Dankeskränzchen. Rund vier Stunden später traf ihn trotz des heimischen Adrenalinschubs bei Regen, Wind, Blitz und Donner der Hammermann. «Zwischen Ilanz und dem Oberalppass stellte ich mir die Frage, was das eigentlich soll, weshalb ich mir dies antue. Ich war knapp davor, abzusteigen und aufzugeben.»

Tiefpunkt überwinden

In dieser nicht einfachen Situation halfen ihm einerseits die drei Begleiter und andererseits die während der ersten Teilnahme gesammelten Erfahrungen aus der Krise. «Ich wusste von 2013, irgendwann wird der leistungsmässige Tiefpunkt überwunden sein. Ab jenem Zeitpunkt geht es wieder leichter, es kehrt die Moral zurück. Im Aufstieg zum Brünig spürte ich dann endlich, dass es besser läuft. Im Nachhinein bin ich froh, nicht aufgegeben und mich durchgekämpft zu haben.» Die Szene in Dietfurt spielte im Kampf um Moral und Zeit nach dem Motto «Wenn die Angestellten nachts für mich aufstehen, ziehe ich es auch durch» ebenfalls eine Rolle. Nach der Brünig-Passage geriet Turi Vogel nochmals in ein heftiges Gewitter, doch zu diesem Zeitpunkt flog der Ausdauersportler förmlich vorwärts. Der Viertklassierte lag am Kontrollposten Hochdorf nur noch fünf Minuten vor ihm und damit in Reichweite. «Der Rang spielt grundsätzlich keine Rolle. Für mich geht es darum, ins Ziel zu kommen. Erst wenn gegen Ende des Rennens ein Fahrer relativ knapp vor mir liegt, kann ich mit einem Exploit versuchen, ihn einzuholen.» Auch Zeitvergleiche zwischen den einzelnen Austragungen bringen nach Ansicht von Turi Vogel wegen der unterschiedlichen Bedingungen wenig.

Transparent aufbewahren

Statistisch gesehen war er schneller unterwegs als bei der Premiere. Damals wurde der Toggenburger auf Rang 15 klassiert, diesmal erreichte er Schaffhausen als Fünfter. «Obwohl ich im Vorfeld weniger lange Distanzen gefahren bin und mir Gedanken machen musste, ob ich genügend vorbereitet sei, fühlte ich mich im Ziel besser als 2013. Mitentscheidend war diesmal die perfekte Navigation. Bei der ersten Austragung habe ich mich zu wenig damit beschäftigt, die Sache auf den nicht signalisierten Strassen unterschätzt», zeigt sich Turi Vogel lernfähig.

Zwei Tage nach dem Ritt über Pässe, die sonst Motorrad-Freaks vorbehalten sind, fühlte er sich so weit erholt, dass ihn der Körper nicht bei jedem Schritt an die Tortour erinnerte. Mit drei Wochen Erholungszeit rechnet Turi Vogel, bis der alte Zustand wiederhergestellt ist. «Nie mehr Tortour»- Gedanken gibt es für Turi Vogel keine. Die Belegschaft sollte das Transparent also nicht entsorgen, sondern fein säuberlich aufbewahren.

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