Spitex
Steigende Nachfrage trotz Corona: Spitex AI erzielt 2020 einen Gewinn

Die Innerrhoder Spitex blickt auf ein herausforderndes Jahr zurück. Dabei wurde eine spezielle Höchstmarke geknackt.

Vreni Peterer
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Die Mitarbeiterinnen der Innerrhoder Spitex haben 2020 1459 mehr Stunden geleistet als im Vorjahr.

Die Mitarbeiterinnen der Innerrhoder Spitex haben 2020 1459 mehr Stunden geleistet als im Vorjahr.

Bild: Hanspeter Bärtschi

«Das Spitex-Vereinsjahr 2020 wird uns als besonderes Jahr in Erinnerung bleiben», mit diesen Worten beginnt Elvira Hospenthal, Präsidentin des Spitex-Vereins Appenzell Innerrhoden, den Jahresbericht, der den Mitgliedern in diesen Tagen zugeschickt wurde. Die HV findet auch dieses Jahr schriftlich statt.

Die aussergewöhnliche Situation im Frühjahr habe alle Mitarbeiterinnen gefordert. Niemand habe voraussagen können, wie sich der Arbeitsanfall, der Personalausfall oder allfällige Schutzmaterialengpässe auf die Arbeit auswirken würden. Nach der vorübergehenden Entspannung der Coronasituation im Sommer sei die Situation im Herbst wieder sehr herausfordernd gewesen. Elvira Hospenthal sagte:

«Zum Glück verfügten wir über genügend Schutzmaterial, um die Einsätze für die Mitarbeiterinnen sowie für die Klientinnen und Klienten gemäss den Hygienevorschriften auszuführen.»

Der Vorstand habe beschlossen, nicht nur zu klatschen, sondern den Mitarbeiterinnen als Wertschätzung Ende Jahr einen Coronabonus zu entrichten.

Erfolgreiches Geschäftsjahr

Trotz der unerwarteten Herausforderungen darf die Spitex auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Die Nachfrage nach Pflegeleistungen ist erneut gestiegen (plus 9,2 Prozent, 1459 zusätzliche Stunden). Mitte Jahr wurde gar die Monatshöchstmarke von 1600 verrechneten Pflegestunden übertroffen. Dabei handelt es sich um Spitex-Leistungen gemäss der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV). Hingegen sind die nicht KLV-Leistungen (Hauswirtschaft und Betreuung) deutlich gesunken (minus 15,9 Prozent). Geschäftsleiterin Susanne Tidbury:

«Dieser Einbruch ist zumindest teilweise auf die Pandemie zurückzuführen.»

Während der ersten Welle wurden hauswirtschaftliche Einsätze aus Unsicherheit seitens der Klientinnen und Klienten abgesagt, oder erst gar nicht in Betracht gezogen. Insgesamt betreute die Spitex AI 327 Klientinnen und Klienten. Das Geschäftsjahr 2020 schliesst dank der hohen Nachfrage mit einem Gewinn von rund 61500 Franken, trotz einem höheren Lohnaufwand durch die Neuanstellungen. Die Spitex AI beschäftigt 48 Mitarbeitende, die sich 27,75 Vollzeitstellen teilen.

Seit Anfang 2020 arbeiten die dipl. Pflegefachfrauen HF mit dem Konzept der Fallführung. Die Fallführende hat Übersicht und Verantwortung für die Pflegeplanung und deren Umsetzung. Die Klientinnen und Klienten profitieren von diesem Konzept durch engmaschige und umfassende pflegerische Betreuung, da alle mitwirkenden Instanzen zusammenarbeiten. Die Nachfrage an psychiatrischen Leistungen steigt auch in Appenzell Innerrhoden kontinuierlich, sodass sich die Bildung eines eigenständigen Fachteams Psychiatrie anbot. Dieses setzt sich aus drei diplomierten Pflegefachfrauen HF zusammen.

Sie begleiten Betroffene zu Hause und leisten alltagsnahe und lebenspraktische Hilfe.

Schwieriges Jahr auch bei der Mütter-/Väterberatung

In Appenzell Innerrhoden wurden letztes Jahr 171 Kinder geboren. Mit 92 Prozent aller Eltern von Neugeborenen fand mindestens ein Kontakt statt. Bei 75 Prozent folgten Hausbesuche, Beratungen ohne und mit Voranmeldung, Telefon-, SMS-, Whatsapp- und Emailberatungen. Corona ging aber auch bei der Mütter-/Väterberatung, die der Spitex angegliedert ist, nicht spurlos vorbei. Obwohl auch während des Lockdowns das präventive Angebot aufrechterhalten werden durfte, ging im März kurzfristig die Anzahl Hausbesuche schlagartig zurück. Die «Chrabbeltreffs» und die Beratungen in den Beratungsstellen fanden nicht mehr statt. Dafür schnellten die Online-Beratungen in die Höhe. Im Verlauf des Frühsommers stieg die Nachfrage an persönlichen Kontakten dann aber wieder an.