MOGELSBERG: «Traue keinem vom Fernsehen»

Im Fernsehen sind legale Mogeleien durchaus üblich. Keiner weiss dies besser als Bernard Thurnheer. Er hat am Donnerstag im Gasthaus Löwen sein drittes Buch mit dem Titel «Hauptsache es flimmert» vorgestellt.

Beat Lanzendorfer
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Stefan Hochreutener, Präsident des Mogelsberger Verkehrsvereins (rechts), überreicht «Pate» Bernard Thurnheer eine Holzbohle. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Stefan Hochreutener, Präsident des Mogelsberger Verkehrsvereins (rechts), überreicht «Pate» Bernard Thurnheer eine Holzbohle. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer @toggenburgmedien.ch

«Die Buchlesung war eine wunderbare Zeitreise und im Gegensatz zum Fernsehen, in dem er hie und da inszeniert ist, war der Applaus heute echt», brachte es Margrit Hauert, Leiterin der Bibliothek, am Ende auf den Punkt.

Tatsächlich war das Eintauchen in das über 40-jährige Schaffen von Bernard Thurnheer beim Schweizer Fernsehen für die 60 Anwesenden kurzweilig und mit dem nötigen Humor gespickt. Den Anlass bereicherten vier Musikerinnen des Jugendorchesters «il mosaico» und dessen Leiterin Sonja Egger.

«Ich beginne meine Vorlesungen immer anders, die wunderbaren Klänge sind für mich aber eine ideale Brücke für den Einstieg», erklärte der 68-jährige Bernard Thurnheer und reiste in seinen Ausführungen zurück in die Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Der Grundstein des europäischen Fernsehens wurde mit dem Entstehen der Rundfunkorganisation EBU und dessen dazugehöriger Eurovisionshymne gelegt. Ältere Besucher im Saal fühlten sich in ihre Jugendzeit zurückversetzt, in der das Fernsehen aus wenigen Sendern bestand. «Als Grenzregion hatten Sie hier in Mogelsberg eventuell das Glück, weitere Sender wie die ARD oder den ORF zu empfangen», bemerkte der Fernsehmann. Heute unvorstellbar, aber es gab eine Zeit, in der die Sendungen nur in schwarz/weiss produziert wurden und Flimmerkästen ein Luxusgut waren.

Mondlandung war das Fernsehereignis schlechthin

Fernsehen war wie jeden Tag ins Kino gehen. Trotz allem stellte der Vater von Bernard Thurnheer klar: «Bevor du die Matura nicht bestanden hast, steht bei uns kein Fernseher in der Wohnung.» Zum Glück hatte die Grossmutter schon einen, häufige Besuche bei ihr waren mit einem angenehmen Nebeneffekt verbunden. Die Mondlandung im Jahre 1969 war für Vater Thurnheer dann Grund genug, sich auch vor die Glotze zu setzen. «Es war das Fernsehereignis schlechthin, rund 600 Millionen von damals rund drei Milliarden Erdbewohnern waren dabei, als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch seinen Fuss auf den Mond setzte», zeigt sich Thurnheer noch heute beeindruckt. Weitere Ereignisse, die ihm in Erinnerung geblieben sind, waren der Eurovision Song Contest, Spiel ohne Grenzen oder die Stars früherer Jahre wie Hans-Joachim Kulenkampf oder «Mäni» Weber. Was viele schon wussten, bekamen sie am Donnerstagabend bestätigt: Vieles beim Fernsehen ist ein «Bschiss», der Applaus häufig inszeniert und die Livesendungen nicht immer so live wie der Eindruck vermuten lässt. Daraufhin Bernard Thurnheer mit einem Schmunzeln: «Traue keinem vom Fernsehen.» Mit der Erfindung des Internets hat die Bedeutung spürbar abgenommen. Eine Anmerkung konnte er sich am Ende des kurzweiligen Abends nicht verkneifen: «Die früheren Sendungen am Samstagabend waren Strassenfeger, ich bin heute noch stolz darauf, dass Benissimo in der Schweiz eine höhere Einschaltquote erzielte als das von Thomas Gottschalk präsentierte Wetten dass…». Erfreut zeigte sich auch Stefan Hochreutener, Präsident des örtlichen Verkehrsvereins: «Bernard Thurnheer hat sich spontan bereit erklärt, mit dem Erwerb einer Holzbohle unseren Neckertaler Baumwipfelpfad als Pate zu unterstützen.»

Amüsante Zeitreise durch 60 Jahre Fernsehen

Nach «Reden ist immerhin Silber» und «Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage», ist im März mit «Hauptsache es flimmert» das dritte Buch der in Winterthur aufgewachsenen Fernsehlegende erschienen. Es beschreibt sein 40-jähriges Schaffen beim Schweizer Fernsehen, das zwei Wochen nach Abschluss seines Studiums der Rechtswissenschaften 1973 mit einer Halbtagsstelle beim Schweizer Radio seine Anfänge nahm. Beim Schweizer Publikum erlangte der Prix-Walo-Gewinner und Sportjournalist des Jahres (2007) einen hohen Bekanntheitsgrad durch seine TV-Shows Tell-Star (1980 bis 1991) und Benissimo (1992 bis 2012). Als Fussballkommentator war seine Stimme an acht Weltmeisterschafts-Endspielen zu hören.

«Hauptsache es flimmert» www.gigerverlag.ch ISBN: 978-3-906872-08-7