«Möglichst lange autonom leben»

Die Babyboomer werden Senioren und sollten sich mit Wohnformen im Alter befassen. Am Dienstag findet dazu ein Podium statt. Der Curaviva-Präsident Christoph Fuhrer ist überzeugt, dass sich die Angebote massiv verändern werden.

Monika Egli
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Christoph Fuhrer ist Heimleiter des Alters- und Pflegeheims Büel in Stein sowie Curaviva-Präsident. (Bild: eg)

Christoph Fuhrer ist Heimleiter des Alters- und Pflegeheims Büel in Stein sowie Curaviva-Präsident. (Bild: eg)

Christoph Fuhrer, Sie sind 45jährig. Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wie Sie Ihr Leben im Alter gestalten wollen?

Christoph Fuhrer: Auch ich möchte, wie wohl der grösste Teil der kommenden älteren Generation, möglichst lange selbständig und autonom zu Hause leben. Dank meines Berufes kann ich mir aber auch gut vorstellen, zuerst in einer Alterswohnung zu leben, in der man bei Bedarf Betreuung erhält, und wenn das zu beschwerlich wird, den Schritt in ein Pflegeheim zu machen.

Wie ist Curaviva auf die Idee gekommen, einen öffentlichen Anlass zum Thema «Wohnen im Alter» durchzuführen?

Fuhrer: Die Idee ist in unserer Erfa-Gruppe, in der sich Heimleiterinnen und -leiter austauschen, entstanden. Wir wollen in regelmässigen Abständen Fachvorträge für die Bevölkerung anbieten. Nach dem Anlass im April zum Thema Demenz geht es nun darum, aufzuzeigen, was alles zu «Wohnen im Alter» gehört. Es geht am Dienstag keineswegs nur um «Wohnen im Alters- und Pflegeheim», sondern um die ganze breite Palette an Wohnformen, an externen Dienstleistungen, Entscheidungsgrundlagen und -hilfen. Das haben wir bewusst so geplant, auch wenn die Heime unser tägliches Brot sind. Aber «Wohnen im Alter» ist nicht nur «Wohnen im Heim»; dies ist nur ein Teil eines Gesamtpakets.

Sie sind also bereit, auch der Konkurrenz breiten Raum zu geben?

Fuhrer: Es stimmt, im Markt sind wir, die Heime und Anbieter von Dienstleistungen, Konkurrenten, aber persönlich und als Präsident des Heimverbands finde ich, dass wir breit denken müssen. Die Konkurrenten im Markt arbeiten ja auch zusammen, die Spitex beispielsweise ist ein wichtiger Partner von uns.

An wen richtet sich der Anlass?

Fuhrer: An die älter werdende Bevölkerung, man könnte sagen, an die 50+, und auch an die Angehörigen. Wenn es um Entscheidungen zur Wohnform älterer Menschen geht, sind die Angehörigen mindestens so gefordert wie die Betroffenen selbst. Oft sind es die Kinder oder andere nahe Verwandte, die kommen und mich fragen, wie man vorgehen soll, wenn es zu Hause nicht mehr geht.

Als Nächstes wird die Generation der Babyboomer alt. Diese Generation will nicht mehr frühzeitig ins klassische Altersheim eintreten.

Fuhrer: Genau. Und darum werden sich in Zukunft die Angebote in diesem Bereich massiv verändern, davon bin ich überzeugt. Die kommende alte Generation will so lange wie möglich autonom bleiben. Und wenn das nicht mehr uneingeschränkt möglich ist, wollen viele eine Lebensform, in der sie mit anderen Menschen zusammen sind.

Wie könnte diese konkret aussehen?

Fuhrer: Eine Wohngemeinschaft zum Beispiel, also eine moderne WG. Aber was auch unbedingt bedacht und gesagt sein muss: Die kommende Seniorengeneration wird sich nicht einfach alles leisten können, es wird nicht nur teure Residenzen brauchen. Auch in Zukunft wird es Menschen mit bescheidenem Budget geben. Ihnen muss ebenfalls Rechnung getragen werden.

Es gibt ja viele Angebote, die einem das Leben zu Hause erleichtern. Werden sich Personen mit einem Durchschnitts- oder kleinen Einkommen diese Angebote auch in Zukunft noch leisten können?

Fuhrer: Auch für externe Dienstleistungen, die man zu Hause in Anspruch nimmt, kann man Ergänzungsleistungen beantragen.

Wie sehen Sie die künftige ideale Wohnform im Alter?

Fuhrer: Es können verschiedene Formen sein, zum Beispiel auch Mehrgenerationenhäuser. Ich habe eine Diplomarbeit zu diesem Thema geschrieben und bin überzeugt, dass es künftig vor allem bedeutend mehr Alterswohnungen in der Nähe eines Pflegeheims braucht. Ich bin auch überzeugt, dass der Schritt aus einer solchen Wohnung ins Heim viel leichter fällt, weil man dann bereits die Umgebung und Personen kennt.

Was ist das Ziel des Podiums?

Fuhrer: Wir möchten aufzeigen, welche Wohnformen es auf dem Markt gibt, in welche Richtung die Zukunft zeigt, welche Entscheidungen getroffen werden müssen, bevor man seine Wohnform ändert, aber auch, wo man sich Hilfe und Ratschläge holen kann. Und wir wollen dazu anregen, dass sich Senioren früh genug und offen mit diesem Thema befassen, sich informieren und verschiedene Möglichkeiten anschauen.