Mitten im Brennpunkt Schule: Résumé zu den ersten Monaten Schulsozialarbeit in Ausserrhoden

Vor ein paar Monaten hat die Schulsozialarbeit Mittelland mit ihrer Arbeit in Teufen begonnen. Wie läuft es bislang?

Astrid Zysset
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Andrea Schweizer ist Leiterin der Schulsozialarbeit Mittelland. Ihr Büro befindet sich in Teufen.

Andrea Schweizer ist Leiterin der Schulsozialarbeit Mittelland. Ihr Büro befindet sich in Teufen.

Bild: Astrid Zysset

Liebeskummer, Mobbing, Streitereien oder Ängste – damit beschäftigte sich Andrea Schweizer bereits. Vergangenen Sommer wurde die Schulsozialarbeit Mittelland lanciert; Schweizer hat deren Leitung inne. Nebst dieser Aufgabe bietet sie aber auch ein offenes Ohr für die Anliegen der Schülerinnen und Schüler. 15 Fälle hatte sie bislang bearbeitet. Einige waren schnell gelöst, einige ziehen sich noch hin. Auch Eltern richteten sich bereits mit Erziehungsfragen an sie, und Lehrpersonen ersuchen ab und an um ihre fachliche Meinung. Daher resümiert Schweizer zufrieden: «Der Start ist gut verlaufen.»

Die Schulsozialarbeit ist ein gemeindeübergreifendes, unabhängiges Beratungsangebot zu sozialen, familiären, persönlichen oder sozialbezogenen Fragen oder Schwierigkeiten. Und: Es ist niederschwellig. Will heissen: Ratsuchende können ohne Voranmeldung an der Bürotür von Andrea Schweizer im Dachgeschoss des Primarschulhauses an der Gremmstrasse klopfen, und sie werden empfangen. Was besprochen wird, bleibt vertraulich. Notfalls organisiert Schweizer die Weitervermittlung an externe Fachstellen.

Kein Tag ist wie der vorherige

Andrea Schweizer könnte sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Seit 15 Jahren übt sie ihn aus, war bereits in Wittenbach und Romanshorn tätig. «Es ist kein Tag wie der andere», sagt sie lächelnd. Womit sie sich beschäftigen wird, weiss sie frühmorgens meist noch nicht. «Es gibt nach wie vor Fälle, die mich stark berühren», sagt sie. Aber all das am Feierabend hinter sich zu lassen und abzuschalten, gelinge ihr mittlerweile ganz gut. Sie spüre, dass das Bedürfnis nach einer Schulsozialarbeit in Teufen vorhanden ist. «Besonders Lehrpersonen sind froh, wenn sie eine unabhängige Zweitmeinung einholen können.» Und die Primar- wie auch Oberstufenschüler (Kindergartenkinder können nur in Absprache mit den Eltern das Angebot der Schulsozialarbeit nutzen) schätzen es, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Allerdings betont Schweizer, dass sie kein «Guru» sei. «Jedes Problem kann auch ich nicht lösen», sagt sie. Allerdings lasse sie niemanden im Regen stehen. «Eine Idee wie es weitergehen könnte, finden wir schon.»

Ab Mai ist das Team vollständig im Einsatz

Noch befindet sich die Schulsozialarbeit Mittelland im Anfangsstadium. Schweizer baut sich ihr Netzwerk auf, organisiert den Internetauftritt, gestaltet Flyer und rekrutiert das Personal. Insgesamt 300 Stellenprozente wurden besetzt; zuerst in Teufen, ab Februar mit einer zusätzlichen Person. Trogen und Rehetobel teilen sich eine Teilzeitstelle ab März. Gais folgt im April und Speicher im Mai. Schweizer rechnet damit, ihr Team bis dahin gestaffelt einführen zu können. «Ich bin zufrieden, wie es läuft», sagt sie. Im IT-Bereich hapere es zwar noch an ein paar Kleinigkeiten, ansonsten laufe der Aufbau der Schulsozialarbeit wie geplant.

Für die Region ist dieses Angebot ein Novum. Schweizer ist stolz darauf, Teil dieses Pionierprojektes zu sein. Allerdings muss sie noch viel Aufklärungsarbeit leisten, stellt sich regelmässig in den Klassen und an Elternabenden vor. «Es braucht Zeit und Geduld, bis man es geschafft hat, dass das Angebot als alltäglich wahrgenommen wird. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir schnell an diesen Punkt kommen werden.» Der Kanton hat angekündigt, die Erfahrungen, die im Mittelland gemacht werden, zu verfolgen. In drei Jahren werde Bilanz gezogen und eruiert, ob das Angebot erfolgreich war. Doch woran wird der Erfolg gemessen? «Fallzahlen sind nur bedingt aussagekräftig, da der Aufwand unterschiedlich gross ausfallen kann», so Schweizer. Sie erachtet das Projekt daher als gelungen, wenn Eltern, Schüler wie auch Lehrpersonen finden, dass es eine Entlastung bringt.