Mitgeprägt durch das Toggenburg

Dechen Shak-Dagsay ist eine weltbekannte Mantra-Sängerin. Nach der Flucht aus Tibet 1963 verbrachte sie ihre ersten Lebensjahre im Toggenburg. Sie engagiert sich für karitative Projekte. Für die Erdbebenopfer in Nepal singt sie in der Tonhalle St. Gallen.

Christiana Sutter
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Die tibetische Mantra-Sängerin Dechen Shak-Dagsay tritt weltweit mit ihren Konzerten auf. (Bild: pd)

Die tibetische Mantra-Sängerin Dechen Shak-Dagsay tritt weltweit mit ihren Konzerten auf. (Bild: pd)

TOGGENBURG. «Wenn eine tannigi Hose hät und hagebuechigi Strümpf…» Dies der Beginn eines Toggenburger Liedes, das die Mantra-Sängerin Dechen Shak- Dagsay während ihrer Schulzeit in Ebnat-Kappel gerne gesungen hat. «Ich hatte immer sehr gute Noten im Singen und liebte die Toggenburger Lieder.»

Tibetische Volksmusik und Abba

Die heute 55jährige Tibeterin ist im Mai 1963 zusammen mit ihrer Mutter, den Grosseltern und einem jüngeren Onkel ins «Tibeterheim» nach Unterwasser gekommen. Später zog die Familie nach Ebnat-Kappel, da ihr Grossvater bei der Firma Biokosma eine Anstellung gefunden hatte.

Die Mutter hat Dechen Shak- Dagsay viele tibetische Volksgesänge beigebracht. «Von ihr habe ich die Freude an der Musik, dem Gesang und Tanz geerbt.» Als sie älter wurde, sang sie Lieder von den Beatles, Simon & Garfunkel, Bob Dylan und Abba. Von ihrem Vater Dagsay Rinpoche, einem tibetischen Lama, erhielt Dechen Shak-Dagsay die Übertragung der bedeutungsvollsten Mantras, welche sie heute weltweit singt. Bevor sie sich für die Karriere als Sängerin entschied, arbeitete Dechen Shak-Dagsay in einer internationalen Firma im Marketing. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann in einem kleinen Dorf oberhalb des Zürichsees. Nebst ihren Konzerten unterrichtet Dechen Shak-Dagsay auch Tai Chi Chuan. «Das ist eine Bewegungskunst aus China, die mir sehr gut tut.» Sie freut sich auch, dass im heutigen China ein grosses Interesse an der tibetischen Kultur erwacht ist. «Die Chinesen sehen, dass der tibetische Buddhismus und die Lebenseinstellung auch ihnen viel bringen kann.»

1999 hatte die Sängerin ihr erstes Konzert, dies anlässlich eines Benefizanlasses für Tibet. Mit ihrem Gesang will sie die Herzen der Menschen öffnen, «auch wenn die Zuhörer die Texte nicht wörtlich verstehen», sagt die Mantra-Sängerin. Mit ihrer Stimme gelingt es Dechen Shak-Dagsay, den Menschen eine innere Ruhe und ein Gefühl der Verbundenheit zu zaubern. Musik ist in allen Kulturen Nahrung für die Seele: «Wenn ich mit meiner Musik den Menschen etwas Glück, Gelassenheit und Freude vermitteln kann, bin ich sehr glücklich.»

Heute wird Dechen Shak-Dagsay an den Konzerten von sechs hochkarätigen Musikern begleitet. Ihr Produzent Helge van Dyk spielt Piano, Hank Shizzoe spielt Gitarre, er ist der Gitarrist von Stephan Eicher und Tosho Yakkatokuo war lange mit Philip Fankhauser unterwegs, er spielt Schlagzeug und Percussion. Daniel Pezzotti spielt das Cello, unter anderem im Opernhaus Zürich. Für Rosenstolz hat Thommy Jordi gespielt und mit Thomas Niggli wird die Sängerin von einem Virtuosen an der Sitar begleitet.

1994 sang Dechen Shak-Dagsay für die Filmmusik von Bernardo Bertolucci. Mit Andreas Vollenweider trat sie 2008 an einem Benefizanlass für die Erdbebenopfer in China auf. Ein weiteres, einzigartiges Projekt ist Beyond. Dieses befasst sich mit der Förderung, der Versöhnung und der Verständigung zwischen verschiedenen Religionen. In Beyond singt sie die buddhistische Stimme. Die weiteren Stimmen sind Tina Turner und Regula Curti. Ein Höhepunkt in ihrer gesanglichen Karriere war der Auftritt 2012 in der Carnegie Hall in New York. Dort stand sie mit dem mittlerweile verstorbenen Lou Reed auf der Bühne, dies auf Einladung von Philipp Glass, einem US-amerikanischen Musiker und Komponisten.

Singen für die Erdbebenopfer

Dechen Shak-Dagsay hat sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene soziale Projekte zur Erhaltung und Förderung der tibetischen Kultur innerhalb wie ausserhalb Tibets beizutragen, ganz nach dem Vorbild ihrer Eltern. Ihre Mutter hat in Tibet eine Klinik finanziell unterstützt. Diese Aufgaben hat die Sängerin zusammen mit ihren beiden jüngeren Schwestern übernommen. Dank Einnahmen aus dem Beyond-Projekt konnten sie auch schon eine Nähschule und eine Automechaniker-Schule gründen.

Das aktuellste karitative Projekt der Sängerin ist die Unterstützung der Erdbebenopfer in Nepal. Denn zu diesem Land hat Dechen Shak-Dagsay eine besondere Beziehung: Sie ist auf der Flucht aus Tibet 1959 in Kathmandu geboren. Aus dem Erlös des Songs «Everest/Jomolangma» auf dem neusten Album «Day Tomorrow» kommt ein Teil der Einnahmen den Erdbebenopfern zugute. Auch tritt sie das erste Mal in ihrer Karriere für ein Konzert im Kanton St. Gallen auf. «Auch dieser Erlös ist zugunsten der Erdbebenopfer in Nepal.»

Freitag, 5. Juni, 19.30 Uhr, Tonhalle St. Gallen. Vorverkauf auf starticket.ch