Mit vielen Händen zum Ziel

ST. PETERZELL. Sägen, Hämmern, Nageln – beim Schulhaus St. Peterzell wird derzeit fleissig gearbeitet. Der neue Spielplatz nimmt Formen an und nicht nur die Schülerinnen und Schüler helfen dabei mit Spass und Engagement. Der Spielplatz wird ein wahres Gemeinschaftsprojekt.

Nadine Rydzyk
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Das Grundgerüst des grossen Kletterschiffs auf dem neuen Spielplatz in St. Peterzell ist bereits gut zu erkennen. (Bilder: Thomas Geissler)

Das Grundgerüst des grossen Kletterschiffs auf dem neuen Spielplatz in St. Peterzell ist bereits gut zu erkennen. (Bilder: Thomas Geissler)

In St. Peterzell befindet man sich aktuell mitten in der Bauphase für den neuen Spielplatz. Bereits ein ansehnliches Stück Arbeit ist geschafft und man bekommt eine Idee davon, wie der neue Spielplatz schon bald aussehen wird. Dafür verantwortlich sind nicht zuletzt viele und engagierte freiwillige Helferinnen und Helfer, sowie die Schulklassen. Letztere sind pro Klasse jeweils einen Tag mit dabei.

Am vergangenen Dienstag war beispielsweise die Klasse 2B beim fleissigen Sägen und Hämmern zu beobachten. «Das macht schon Spass», sagen Julia Wick und Salome Dudli, die gerade mit einer Stichsäge einer Holzwand die passende Form verliehen. «Man sieht gleich, was man gemacht hat», erklärt Julia die Motivation. Profitieren konnten die Mädchen dabei von ihren Kenntnissen, die sie im Werkunterricht erlangt haben. Ihre Freundin Rabea Helg hingegen musste gestehen, dass sie sich wohl doch nicht gerade die schönste Arbeit ausgesucht hatte. «Ich habe die ganze Zeit geschliffen und das ist nicht so spassig», räumt sie ein. «Dabei muss man ständig Acht geben, dass man keinen Staub ins Auge bekommt.»

Mit Anleitung klappt es

Dennoch waren die drei Mädchen aus Schönengrund mit Elan dabei, obgleich sie selbst dem Spielplatzalter schon lange entwachsen sind. Dass es aber noch andere Gründe gibt, weshalb sich die Freiwilligen am Bau engagieren, wurde schnell klar. Für Hans Mevius aus Mogelsberg beispielsweise ist sein Engagement eine Ehrensache: «Mein Schwiegersohn ist der Bauleiter für das Schiff, einem der aufwändigsten Teile des Spielplatzes, und da ich pensioniert bin, helfe ich mit», erklärt er. Die Arbeiten, die er nun an dem Schiff zu erledigen hat, stehen dabei im kompletten Gegensatz zu seinem früheren Berufsalltag. Zwar stammte sein Grossvater aus Litauen, wo er einer Dynastie von Zimmerleuten angehörte, doch war Hans Mevius wie bereits sein Vater aus dieser Tradition ausgebrochen. «Ich war im Büro tätig und habe sonst eher eine Leidenschaft für die Gartenarbeit», berichtet er. Nun schloss er als Pensionär in einem Freiwilligeneinsatz schliesslich doch noch den Kreis in der Familientradition. «Mit der richtigen Anleitung klappt es auch mit dem Holz», hielt er zuversichtlich fest.

Diese Anleitung wiederum konnte er von seinem Schwiegersohn Ernst Aemiesegger aus erster Hand bekommen, der das Schiff konzipiert und vor Ort die Bauleitung übernommen hat. Der gelernte Zimmermann, der sich für das Projekt extra Urlaub genommen hat, freut sich über die grossartige Unterstützung der vielen Helfer. «Es geht gut voran und das Grundgerüst steht», hält er fest. Dass man bis am Freitag fertig sein wird, glaubte er aber noch nicht so ganz. «Wahrscheinlich werden wir noch eine Woche anhängen müssen.»

Dass es dennoch gut vorangeht, ist auch seinem Sohn Benjamin Schöneberger zu verdanken. Der 20-jähige Dachdecker hat ebenfalls seinen Urlaub für den Spielplatz geopfert. «Das mache ich aber gerne, weil es ein gutes Projekt für die Kinder ist. Vielleicht kann ich irgendwann mal selbst mit meinen Kindern hierher kommen und sie hier spielen lassen», erklärt der junge Mann. Zudem weiss er, dass er seinen Vater durch seine Hilfe entlasten kann, speziell wenn es darum geht, die Maschinen zu bedienen, die nicht für Laien geeignet sind.

Ein Gemeinschaftsprojekt

Der Spielplatz wird also ein wahres Gemeinschaftsprojekt. Dies ging bereits bei der Planung los. Anlass dafür gab eine Prüfung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), bei der grössere Sicherheitsmängel am bisherigen Spielplatz festgestellt wurden. Die meisten Spielgeräte entsprachen nicht mehr den aktuellen Standards und mussten entfernt oder gesperrt werden. Die Gefahrenkarte verlangt zudem Schutzmassnahmen und mehr Abstand zum durchfliessenden Dorfbach. Der für den Spielplatz zuständige Schulrat reagierte und setzte eine Arbeitsgruppe zur Projektausarbeitung ein, die das Ziel verfolgte, unter Mitwirkung der Bevölkerung einen neuen, naturnahen Spielplatz zu realisieren.

Im Sommer hatten die Schulkinder der Schulhäuser St. Peterzell und Dicken in einer Projektwoche Modelle eines neuen Spielplatzes erstellt. Die insgesamt 17 Modelle wurden in einem Workshop ausgewertet und die am häufigsten gewünschten Elemente in den neuen Spielplatz eingeplant. Mit den zur Verfügung stehenden Finanzen und der Machbarkeit auf dem Gelände wurde so eruiert, welche konkrete Form der Spielplatz annehmen sollte. Nachdem die ursprünglich vorgesehene Bauwoche für den neuen Spielplatz wegen einer Einsprache aus wasserbaulichen Gründen verschoben werden musste, verfügte das Amt für Wasserbau des Kantons St. Gallen aber keine speziellen Massnahmen und es konnte mit dem Bau begonnen werden.

Hans Mevius arbeitet als freiwilliger Helfer am Schiff mit.

Hans Mevius arbeitet als freiwilliger Helfer am Schiff mit.

Julia Wick und Salome Dudli sind mit Spass beim Spielplatzbau dabei.

Julia Wick und Salome Dudli sind mit Spass beim Spielplatzbau dabei.