Mit vereinten Kräften Gutes leisten

Enzo Fuschini und Balz Wielatt aus Ganterschwil reisten im April auf eigene Initiative nach Somaliland, um im Regionalspital von Gabiley, einer mittelgrossen Stadt im Westen des Landes, tatkräftig mitzuhelfen. Die Republik Somaliland umfasst den Nordteil Somalias.

Peter Küpfer
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Die Warmwasseraufbereitung erfolgt mittels Sonnenkollektor.

Die Warmwasseraufbereitung erfolgt mittels Sonnenkollektor.

GANTERSCHWIL. Somaliland hat mehr als 800 Kilometer wunderschönen Sandstrand mit Blick auf den blauen Golf von Aden. Trotzdem ist das Land touristisch nicht erschlossen. Seine jüngere Vergangenheit steht ihm dazu noch im Wege. Jahrelang herrschte hier blutiger Krieg. Obwohl das Land inzwischen zur Ruhe gekommen ist, rät das Aussendepartement in Bern reiselustigen Schweizern von Reisen nach Somaliland ab.

Entschlossenes Engagement

Das konnte den Ganterschwiler Tierarzt Enzo Fuschini, amtierender Präsident der Kirchenvorsteherschaft der evangelischen Kirchgemeinden Bütschwil-Ganterschwil, nicht davon abhalten, mehrmals nach Somaliland zu reisen. Der engagierte Zeitgenosse wollte einem von ihm mitinitiierten Projekt weiterhelfen. Es handelt sich um das Regionalspital von Gabiley, einer mittelgrossen Regionalstadt im Westen des Landes. Das Provinzspital wurde erst 2010 mit Geldspenden von in England ansässigen Somaliländern gebaut und wird seither vom Gesundheitsministerium geführt. Zum aktuellen Zeitpunkt unterstützen wenige Organisationen und Einzelpersonen das Spital. Darunter befindet sich auch die Winterthurer Entwicklungsorganisation Hadia Medical Swiss, deren Vorstand Enzo Fuschini angehört. Das Spital leistet mit einfachen technischen Mitteln Grosses. Als Hadia Medical Swiss 2013 beschloss, das Spital zu unterstützen, reiste Enzo ein Jahr später zusammen mit seinem Sohn Carmelo und Balz Wielatt dorthin, um erste Unterstützungsmassnahmen zu leisten. Die Reise wurde im April dieses Jahres wiederholt. Der Schuh drückte vor allem bei den technischen Installationen. Das Gabiley General Hospital, wie das Regionalspital offiziell heisst, wurde 2008 bis 2010 erstellt und im März 2011 in Betrieb genommen.

Bald zeigte sich, dass das Spital ohne substanzielle Hilfe von aussen nicht in der Lage war, die medizinische Versorgung von rund 250 000 Menschen in der Region abzudecken. 2011 bat das Gesundheitsministerium Somalilands deshalb Hadia Medical Swiss, das Spital zu unterstützen. Hadia Medical Swiss besuchte das Spital mehrmals und begann 2014 mit der operativen Zusammenarbeit.

Gemeinsam mit der leitenden Ärztin, Deeqa Cumar, und dem Gesundheitsminister wurde ein Prioritätenplan erstellt. Heute bietet das Spital von Gabiley ambulante und chirurgische Behandlungen, unterhält ein eigenes Labor, eine Maternität, eine Kinderabteilung und eine Apotheke.

Minimale Administration

Ein Team aus drei Ärzten, der Administratorin und dem Leiter Pflegedienst bildet die operationelle Leitung. Ein lokales Komitee zusammengesetzt aus sechs Mitgliedern der Gemeinde, ehemalige Behördenmitglieder, begleitet das Spital. Als aktuelle Probleme bezeichnet Fuschini insbesondere die schlechte Infrastruktur, es wurde sehr billig gebaut. Zudem fehlen dem Spital gewisse Geräte und Instrumente, um die Dienstleistungen verbessern zu können.

Die Fachkenntnisse sind oft auch nur knapp genügend. Insbesondere fehlt es an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Im vergangenen Sommer haben Fuschini und seine Begleiter eine erste zweiwöchige Mission zur Installation eines Generators und Verbesserung der elektrischen Installationen durchgeführt.

Mit ihm reisten sein Sohn Carmelo, ausgebildeter Elektriker, und Balz Wielatt mit seinen Fähigkeiten als Haushandwerker sowie ihr landeskundlicher Projektkoordinator Hassan Aydid. Bei der zweiten Reise im April dieses Jahres musste leider Balz Wielatt aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen, so dass nur Carmelo und Hassan Aydid dabei waren. Dieses Jahr ging es neben der weiteren Verbesserung der elektrischen Installation um die Versorgung mit warmem Wasser mittels Sonnenkollektoren und die Übergabe eines Anästhesiegerätes. Das erste Mal wurden die Schweizer freundlich, das zweite Mal schon enthusiastisch begrüsst. Fuschini stellt befriedigt fest, dass sie ihre Ziele zum grössten Teil erreicht haben.

Insbesondere die elektrische Versorgung sei nun deutlich besser geworden. Zudem steht dem Spital heute warmes Wasser zur Verfügung, und im medizinischen und administrativen Bereich wurden Fortschritte gemacht.

Mittel für Notfallaufnahme

Es gibt weiterhin viel zu tun. Fuschinis nächster Besuch in Gabiley ist auf Ende dieses Jahres geplant. Dann geht es in erster Linie um die sanitären Anlagen, welche teilweise nicht mehr funktionieren. Sobald Fuschini und seine Mitstreiter über finanzielle Mittel verfügen, möchten sie die Notfallaufnahme, welche auch als Ambulatorium dient, erweitern. Zudem sollen ab nächstem Jahr auch Fachpersonen aus der Schweiz das Spitalpersonal schulen.

Die leitende Ärztin mit einer Patientin.

Die leitende Ärztin mit einer Patientin.

Balz Wielatt beim Reparieren elektrischer Installationen.

Balz Wielatt beim Reparieren elektrischer Installationen.

Patienten vor dem Ambulatorium des Regionalspitals Gabiley General Hospital, welches im Jahr 2011 in Betrieb genommen wurde. (Bilder: pd)

Patienten vor dem Ambulatorium des Regionalspitals Gabiley General Hospital, welches im Jahr 2011 in Betrieb genommen wurde. (Bilder: pd)