Mit über 70 noch unter Strom

Berufsmann mit Leib und Seele: so lässt sich Erwin Widmer beschreiben. Auch fast 60 Jahre nach seiner Ausbildung zum Elektromonteur interessiert und fasziniert ihn dieses Arbeitsfeld – der Ruhestand darf noch warten. Er führt immer noch eine eigene Firma.

Stefan Feuerstein
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Ob bei der Arbeit oder beim Lesen von Fachzeitschriften. Elektronik fesselt Erwin Widmer auch noch im Alter von 72 Jahren. (Bild: Stefan Feuerstein)

Ob bei der Arbeit oder beim Lesen von Fachzeitschriften. Elektronik fesselt Erwin Widmer auch noch im Alter von 72 Jahren. (Bild: Stefan Feuerstein)

MOSNANG. In seinem Leben war er mit dem Wandel einer Branche konfrontiert, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat wie keine andere. Doch genau dies ist es, was Erwin Widmer noch heute fasziniert. So führt er auch kurz nach seinem 72. Geburtstag seine eigene Firma, die AVM Steuerungen AG in Mosnang, betreibt ein eigenes Kleinkraftwerk und ist Genossenschaftspräsident desjenigen im Lütisburger Guggenloch.

Beeindruckende Lehre

Ihren Anfang fand die Leidenschaft für Elektronik während der Lehrzeit von Erwin Widmer. Geboren und aufgewachsen In Mühlrüti, absolvierte er seine Ausbildung zum Elektromonteur in Weinfelden. «Als ich in meinem letzten Lehrjahr eine Heizung installierte, hatte ich es erstmals mit einem Aussenfühler zu tun», erzählt Erwin Widmer und die alte Faszination erwacht von neuem. «Damals wurde mir richtig bewusst, dass diese Branche mehr bietet als den Umgang mit Starkstrom – ich war sehr beeindruckt.» Nach seiner Ausbildung folgten sieben Jahre, in denen der junge Elektromonteur in Zürich arbeitete und dabei hauptsächlich grosse Baustellen betreute. Während dieser Zeit zog es ihn aber immer wieder zurück ins Toggenburg, wo er 1960 seine Frau Margrit bei einem Dorffest in Mühlrüti kennenlernte. 1966 heirateten die beiden, danach folgte die Geburt ihrer drei Söhne – aber auch daneben gab es zahlreiche Veränderungen im Leben der frisch gegründeten Familie Widmer.

Ohne Frau nicht möglich

Es zog sie nach Mosnang, wo sie 1969 die «Elektro Widmer» gründeten und seither wohnen. «Unsere Firma bot, wie damals üblich, alles an, was mit Elektrik zu tun hatte. Wo heute viele Spezialisten sich um Details kümmern, übernahmen wir den kompletten Service», blickt Erwin Widmer zurück in eine Zeit, in der Toaster und Fritteusen noch Neuheiten waren. Das eigene Geschäft zu führen sei aber ohne die Unterstützung seiner Frau nicht möglich gewesen, der er im Gespräch sichtlich dankbar ist. «Sie fragte mich bei meinen Berufsprüfungen ab und so lernten wir gemeinsam. Danach arbeitete sie im Laden, führte das Büro und gleichzeitig auch noch den Haushalt – es war eine strenge, aber auch sehr schöne Zeit.» Im Verlauf der Jahre konnte sich die Elektro Widmer AG im Toggenburg etablieren, umfasst heute drei Filialen und bietet Arbeitsplätze für 30 bis 40 Personen. Als Rezept des Firmenerfolgs sieht der ehemalige Firmeneigentümer die Bindung zur Kundschaft: «Bei uns wurde Kundendienst immer gross geschrieben, man liess keinen hocken. Auch kamen die Leute teilweise weniger vorbei, um etwas zu kaufen, als um miteinander zu reden. Ein solcher Kundenstamm ist eine wirklich schöne Sache.»

Ein neues Geschäft

Seit 2005 hat sich Erwin Widmer aus seiner Firma zurückgezogen und springt bloss noch ein, wenn Not am Mann ist. Damals tauschte er sein Unternehmen mit seinem ältesten Sohn Alexander gegen dessen AVM Steuerungen AG, die im Bau von flexiblen Schalttafeln tätig ist. Gemeinsam mit einem dreiköpfigen Team versorgt er seither die Kunden, darunter auch seine ehemalige Firma. «Ich habe meinen regelmässigen Rhythmus beibehalten und bin noch heute viel am Arbeitsplatz», erklärt Erwin Widmer und fügt lächelnd hinzu, «ich tue aber nicht mehr viel».

Aber auch daneben gehen ihm die Aufgaben nicht aus: So ist er Betriebsleiter des Mosnanger Skilifts, Vermieter, Genossenschaftspräsident und produziert in seinem eigenen Kleinkraftwerk genug Strom, um mehr als ein Dutzend Häuser zu versorgen. Auch an Hobbies mangelt es dem Ehepaar Widmer nicht. Gemeinsame Wanderungen, Reisen und viel Zeit mit den mittlerweile sieben Enkelkindern prägen ihre aktiv gestaltete Freizeit. «Im vergangenen Jahr überlegten wir uns aber schon, ob wir unsere Ski langsam an den Nagel hängen sollten», gibt Erwin Widmer zu. «Wir haben uns jedoch entschieden, dass es dafür noch zu früh sei. Die besten Beizen erreicht man nämlich auch heute nur mit Ski.»

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