Mit Tempo 145 drei Autos überholt

Ein 26jähriger Raser aus dem Thurgau ist vom Ausserrhoder Kantonsgericht zu einer bedingten Geldstrafe von 3450 Franken und einer Busse von 600 Franken verurteilt worden.

Margrith Widmer
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TROGEN. Am Sonntag, 23. November 2014, überholte der junge Mann mit seinem Audi Quattro KS auf der Hauptstrasse zwischen Appenzell und Stein drei Autos mit Tempo 145. Dabei wurde er geblitzt. Er überschritt die zulässige Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h um rechtlich relevante 65 km/h. Ab 60 km/h über der Maximalgeschwindigkeit gilt das Delikt als «Rasen».

Viel Geld verloren

Das geleaste Fahrzeug wurde beschlagnahmt und der Leasinggeberin zurückgegeben, nachdem der Leasingvertrag aufgelöst worden war und die Leasingfirma zugesichert hatte, sie werde den Wagen dem Beschuldigten nicht mehr zur Verfügung überlassen. Er habe dadurch viel Geld verloren, 24 000 Franken, sagte der Beschuldigte vor Gericht.

Er habe freie Sicht gehabt und drei Fahrzeuge überholt, dann eine Kurve gesehen und gebremst – ja, er sei sicher «etwas schneller» unterwegs gewesen, gestand er. Er habe nicht auf den Tacho geschaut, sondern auf die Strasse. Und: Ja, er habe genügend Fahrpraxis, antwortete er auf die Frage des Richters; er habe auch zuvor «schon immer schnelle Fahrzeuge» gelenkt.

Drei Ausweisentzüge

Zurzeit besitzt er kein Auto – schon 2008 war ihm der Führerausweis für einen Monat entzogen worden; er hatte eine Töff-Lenkerin «abgeschossen». Ein Jahr später war ihm der Ausweis – diesmal für ein Jahr – entzogen worden: Damals habe er am letzten Tag vor den Ferien viel Arbeit erledigen müssen und sei «im Züüg» gewesen; er habe zu spät gesehen, dass der Vordermann bremste und ihn gerammt.

Der Staatsanwalt sah in der 145-km/h-Raserei eine «besonders grobe Verkehrsregelverletzung», erst recht auf einer stark befahrenen Strasse mit regem Ausflugsverkehr. Er forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie eine Busse von 2500 Franken.

Ungültige Messung

Der Verteidiger räumte ein, sein Mandant habe die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h überschritten. Er wisse allerdings nicht, wie schnell er gefahren sei. Der Beschuldigte sei ohne Anwalt befragt worden, kritisierte er. Die Messung sei nicht verwertbar, da die Testmessungen nicht vorschriftsgemäss laut Bedienungsanleitung des Radargeräts vorgenommen worden seien. Der Test sei nicht auf einer stabilen Unterlage auf fester Grundlage durchgeführt worden. Deshalb sei die Messung ungültig. Es wären vier Tests erforderlich gewesen; dies sei nicht erfolgt. Der Beschuldigte sei wohl eher mit 133 km/h unterwegs gewesen – das sei eine grobe, aber keine krasse Verkehrsregelverletzung. Ab 60 km/h zu viel handelt es sich laut Gesetz um eine besonders grobe Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Deshalb greife der Raser-Artikel nicht, so der Verteidiger. Der Lenker habe niemanden gefährdet, er habe nicht vorsätzlich gehandelt, sondern nur grobfahrlässig. Er forderte Freispruch von der groben Verkehrsregelverletzung und eine angemessene Strafe.

Teure Raserei

Er werde nicht mehr zu schnell fahren, versicherte der Beschuldigte in seinem Schlusswort. Das Gericht verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 115 Franken, total 3450 Franken, auf eine Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von 600 Franken. Ausserdem muss er Verfahrenskosten von 4940 Franken tragen.