Mit Statistenrolle zufrieden

Die Herisauer Suzanne Buchmann, Martin Rechsteiner und Marc Wäspi teilen eine Leidenschaft: Sie sind Statisten am Stadttheater St. Gallen. Suzanne Buchmann ist seit 35 Jahren mit dabei, die beiden Männer sind noch Novizen.

Patrik Kobler
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HERISAU. Suzanne Buchmann ist geblieben. Seit 35 Jahren ist sie Statistin am Stadttheater St. Gallen. In dieser Zeit ist sie von der Bettlerin bis zur Zofe in viele Rollen geschlüpft. Auch hat sie unzählige Dramen vor, hinter und auf der Bühne erlebt. Den Regisseur, der während der Generalprobe die Inszenierung verlässt, den Dirigenten, der während der Premiere das Stück unterbricht oder sogar einen Herzinfarkt im Publikum. Das Theater ist eine Welt, die Suzanne Buchmann fasziniert. Ihren Einstand gab sie als Fackelträgerin in der Oper Aida. Damals war sie noch Sekundarschülerin im benachbarten Talhof. Sie liebte klassische Musik und zögerte nicht lange, als Statistinnen gesucht wurden. Sofort fühlte sie sich wohl im grossen Labyrinth, in dem es nach Stoff, Farben und Staub riecht. «Das Theater...», sagt sie, «...entweder man bleibt für immer oder man geht sofort wieder.»

Tumulte im Publikum

Geblieben sind auch Marc Wäspi und Martin Rechsteiner. Die beiden Herisauer sind mit Suzanne Buchmann bekannt und haben sich von ihr breitschlagen lassen, ebenfalls als Statisten am Stadttheater mitzumachen. Ihren ersten Auftritt hatten sie in diesem Jahr in «Julius Cäsar», der Tragödie von William Shakespeare. Es ist ein Stück, das es in sich hat für die Statisten. Stehen sie normalerweise im Hintergrund, übernehmen sie in dieser Inszenierung eine wichtige Rolle, in der sie sogar sprechen müssen. Während des Stücks sitzen Marc Wäspi und Martin Rechsteiner im Publikum. Nichts deutet darauf hin, dass sie Teil des Stücks sind. Plötzlich erheben sie sich jedoch von ihren Sitzen und sorgen für Tumulte. Ein Auftritt, der den beiden Mut abfordert. Wäspi: «In der Premiere sass eine Seniorin neben mir.» Um ihr keinen Schock zu bereiten, warnte er sie vor.

Vom Präsidenten zum Statisten

Marc Wäspi kennt man in Herisau vor allem noch als Präsidenten des örtlichen Fussballclubs. Nach seinem Rücktritt 2010 suchte er eine Aufgabe, die nichts mit Fussball zu tun hat. «Das habe ich 30 Jahre lang gemacht», sagt er. Das Theater erschien ihm reizvoll. Deshalb nahm er am Casting für das «Festspiel AR AI 500» teil. Dort traf er Suzanne Buchmann, die ihm vom Stadttheater St. Gallen erzählte. Kurzerhand meldete er sich dort als Statist für «Julius Cäsar». An der ersten Probe traf er zu seiner Überraschung Martin Rechsteiner an. Dieser war ebenfalls im FC Herisau aktiv und leitet das Reisebüro, in dem auch Suzanne Buchmann arbeitet. Die beiden schwärmen von ihrem neuen Hobby. Von den Proben, in denen an den Details gefeilt wird, vom Kribbeln im Bauch vor der Aufführung und von den Begegnungen in der Theaterkantine. Sie haben auch schon die speziellen Gepflogenheiten des Betriebs kennengelernt – etwa die vielen Umarmungen oder die kleinen Geschenke vor der Premiere.

Kommen und Gehen

Obwohl sie von der Theaterwelt fasziniert ist, war es für Suzanne Buchmann nie ein Thema, professionelle Schauspielerin zu werden. Sie hat die Schattenseiten, das permanente Kommen und Gehen am Theater, miterlebt. Die Schauspielerei ist eine Profession, die wenig Sicherheit bietet. Freilich ist auch das Statistenleben nicht immer ein Schleck. Beispielsweise in kalten Winternächten, wenn am Ende des Stücks ein kurzer Auftritt ansteht. Dann verspüre sie wenig Lust, noch nach St. Gallen zu fahren, sagt Suzanne Buchmann. Spätestens, wenn sie jedoch im Theater sei, verspüre sie nur noch Freude.

So wird die Herisauerin, die auch die Casino-Gesellschaft präsidiert, dem Stadttheater als Statistin erhalten bleiben. Auch Marc Wäspi und Martin Rechsteiner hoffen auf neue Engagements. Suzanne Buchmann empfiehlt ihnen, an den Festspielen auf dem Klosterplatz mitzumachen. Es herrsche eine einmalige Ambiance. Vorerst stehen die beiden aber noch bei «Julius Cäsar» im Einsatz. Zum nächsten Mal am kommenden Freitag, 18. November, um 19.30 Uhr.