Mit Silvesterchläusen ins 2020 – das ist in den Appenzeller Gemeinden los

Morgen ziehen im Appenzeller Hinter- und Mittelland die Chlausenschuppel umher. Eine Übersicht.

Mea McGhee
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Silvesterchläuse feiern den alten Silvester.

Silvesterchläuse feiern den alten Silvester.

Bild: Benjamin Manser

Das Silvesterchlausen fasziniert Jung und Alt. Die Schuppel ziehen am 31. Dezember von Hof zu Hof und durch die Dörfer. Üblicherweise versammeln sich die Gruppen, lange bevor es hell wird, zu einem gemeinsamen Frühstück. Anschliessend steigen die Rollenweiber und Schelli in ihr Groscht (Gewand). Sie ziehen ihre Larven, Hüte und Hauben an und begeben sich auf ihren festgelegten «Strech». Der Vorrolli führt den Schuppel an, hinter diesem Rollenweib folgen mehrere Schelli (Schellenchläuse), auch «Mannevölcher» genannt, ehe der Noerolli (wieder ein Rollenweib) den Abschluss bildet. Immer wieder machen die Chlausenschuppel bei Häusern, Gasthöfen und Ladengeschäften Halt. Sie stimmen «Zäuerli», einen Naturjodel ohne Worte, an und wünschen «e guets Neus». Um Mitternacht rum sind viele Schuppel in Restaurants beim «Öberechlause» anzutreffen.

Im Alten Zeughaus Herisau sind kunstvolle Groscht und Hauben von Silvesterchläusen in einer Sonderausstellung im Alten Zeughaus in aller Ruhe zu bestaunen. Brauchtumskenner erklären zudem, wie die Gewänder, Hauben und Hüte der Silvesterchläuse entstehen. Die Ausstellung ist heute Montag von 17 bis 21 Uhr und an Silvester von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Im Dorfzentrum von Herisau sind die Chlausenschuppel vom späteren Vormittag bis in den Nachmittag hinein anzutreffen. Es gibt drei spezielle und beheizte Festwirtschaften: Der «Chlause-Tröff» in der Chälblihalle und die «Schuppelhötte» in der Chäshalle bieten musikalische Unterhaltung. Im Alten Zeughaus lädt die «Chlause-Stobe» zum Verweilen. Bis 15 Uhr ist das Dorfzentrum für den Verkehr gesperrt.

Gemeinsame Einstimmung auf das Jubiläumsjahr

Das Jubiläumsjahr 300 Jahre Schönengrund wird am Silvester auf dem Gemeindehausplatz mit einer Mischung aus Tradition und Moderne eingeläutet. Um 18.30 Uhr beginnt das Jubiläum auf dem mystisch beleuchteten Platz mit einem erwärmenden Apéro. Es findet sich ein Chlausenschuppel ein, um den traditionellen Part der Festjahreröffnung zu übernehmen. Nach der kurzen Neujahrsansprache ist die einmalige Lasershow «300 Jahre Schönengrund» zu erleben.

Das Brauchtumsmuseum Urnäsch zeigt die Sonderausstellung «schö-wüeschti» Chlausehüet. Mit Materialien wie Rinde, Moos, Tannenbart, Schneckenhäuschen, Föhren, Tannzapfen oder Buchennüssli zog der Chörli-Schuppel zu Beginn der 1960er-Jahre erstmals «schö-wüescht» los. In der Ausstellung sind Hüte vom Bindli-Schuppel, vom Saien-Schuppel und von anderen Chlausengruppen aus den letzten Jahrzehnten zu sehen. Das Museum mit Bistro ist morgen Dienstag ab 5.15 Uhr geöffnet.

Am Silvestermorgen um 5 Uhr trifft sich eine grosse Anzahl Männer mit Schellen und Rollen, aber ohne Maske und Kopfputz auf dem Dorfplatz Urnäsch zum Frühchlausen. Auf das Schellen und Rollen werden die bei diesem Anlass üblichen drei Zäuerli gesungen. Dazu werden im ganzen Dorfzentrum während 15 Minuten die Lichter gelöscht. Die Hauptstrasse ist während dieser Zeit für den Verkehr gesperrt. Im Groscht und mit prächtigen Hauben und Hüten begeben sich die Schuppel dann ab ca. 6 Uhr morgens auf ihren «Strech», ihre Route ausserhalb des Dorfes. Zwischen 10 und 14 Uhr werden die meisten Chlausengruppen im Dorfzentrum erwartet. Am Nachmittag verteilen sich die Silvesterchläuse dann wieder auf die Aussenbezirke. Abends sind sie im Tal und im Dorf anzutreffen.

Schöni, schö-wüeschti und wüeschti Silvesterchläuse sind auch auf dem Gemeindegebiet von Hundwil, Waldstatt und Schwellbrunn unterwegs. Sie besuchen auf ihrem «Strech» Aussenbezirke, sind aber auch in den Dorfzentren anzutreffen. Um Mitternacht wird in Gasthäusern «öberechlauset». Das alte Jahr wird mit Schellen und Rollen verabschiedet und das neue Jahr wird willkommen geheissen.

In Stein starten die Chlausenschuppel in den frühen Morgenstunden auf den Höfen ausserhalb des Dorfkerns. Tagsüber durchqueren sie das Dorf. Um 21 Uhr kommen die Silvesterchläuse dann von allen Seiten her Richtung Dorfplatz, wo sie sich versammeln. Die rund Schuppel nehmen einige Zäuerli und begeben sich nach rund 45 Minuten weiter auf ihrem Strech, bis sie in den Gasthäusern zum Öberechlause eintreffen.

Premiere in Gais, Tradition in Teufen

Von 10.45 bis 13.15 Uhr ist der Dorfkern Teufen (zwischen Ochsen und Bahnhofkreuzung) für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Der Bahnbetrieb ist während dieser Zeit eingestellt; es besteht ein Busersatz. Die Haltestelle Stofel wird nicht bedient. 11 bis 14 Uhr im Baradies mit Suppe und Glühwein.

In Bühler laden die Musikgesellschaft und die Silvesterchläuse von 13.30 bis 16 Uhr zum Schuppeltreffen bei den Kothäusern. Es gibt Feines vom Grill, Marroni und Glühwein.

Der Neujahrsapéro in Gais wird dieses Jahr zum ersten Mal durch einen Chlauseschuppel bereichert. Der Neugaden-Schuppel wird auf dem Dorfplatz «Öberechlause». Anschliessend lädt die Gemeinde zum Anstossen aufs Neue Jahr ein. Der Anlass auf dem Dorfplatz beginnt am morgigen Silvesterabend um 23.15 Uhr und endet um 0.30 Uhr.