Mit ruhiger Hand

EBNAT-KAPPEL. Fritz Abderhalden aus Ebnat-Kappel hat als Redaktor der «Skipost» in Skiclub-Kreisen bleibende Spuren hinterlassen. Weniger bekannt ist, dass er einem speziellen Hobby frönte.

Walter Züst
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Fritz Abderhalden präsentiert stolz sein drittes Relief. (Bild: Walter Züst)

Fritz Abderhalden präsentiert stolz sein drittes Relief. (Bild: Walter Züst)

EBNAT-KAPPEL. Kurz vor dem 89. Geburtstag erinnerte sich der Ebnat-Kappler Fritz Abderhalden an seine 1968 gezeichneten Höhenkurvenblätter und setzte nun in den letzten Monaten in Geduldsarbeit um, was er sich damals vorgenommen hatte: den Aufbau eines weiteren Reliefs der Churfirsten- und Alpstein-Region, diesmal im Massstab 1:100 000. Vor kurzem hat die plastische Landkarte mit der Bemalung und Beschriftung den letzten Feinschliff erhalten und komplettiert nun im Eigenheim an der Badistrasse die kleine Sammlung selbst geschaffener Reliefs.

Mit Eingänger über Alpenpässe

Höhenmeter begleiteten Fritz Abderhalden über viele Jahrzehnte. Als begeisterter Velofahrer meisterte der Naturfreund zwischen 1947 und 1997 alle Alpenpässe zwischen Chamonix und Innsbruck. Zu echten Herausforderungen wurden vor allem die ersten längeren Fahrten, war der Sportbegeisterte zu jener Zeit doch noch mit einem Ein-Gang-Velo unterwegs! Unzählige Höhenmeter bewältigte der Freund der Alpen und Berge aber auch auf Schusters Rappen oder auf Ski. Wanderungen in der geliebten Churfirsten- und Alpstein-Region, aber auch grosse Alpentouren gehörten zu den besonderen Freuden des gebürtigen Ebnat-Kapplers. Landkarten lieferten zwar Angaben über Höhenmeter und Distanzen, Fritz Abderhalden interessierte sich aber schon in jungen Jahren für die Formen und Konturen der Berge und Täler.

Inspiration 1946 in Wildhaus

Auf die Idee, ein Relief zu bauen, kam Fritz Abderhalden im Jahre 1946. Anlässlich eines Firmenausflugs nutzte der damals 20-Jährige einen Halt im obersten Toggenburg zu einem Rundgang im Dorf Wildhaus und entdeckte dabei vor dem Verkehrsbüro ein Relief der Churfirsten-/Alpstein-Region. Fasziniert vom Gesehenen, liess ihn der Gedanke, selber eine plastische Darstellung der Gegend zu bauen, nicht mehr los. Noch am selben Abend hatte Fritz Abderhalden den Plan, wie dies umzusetzen sein müsste: Abpausen der Höhenkurven von der damaligen Schulkarte 1:150 000, auf Karton übertragen, mit dem Skalpell ausschneiden und dann Schicht um Schicht millimetergenau auf eine solide Grundplatte aufkleben. Wie es sich zeigen sollte, eine zeitintensive Arbeit, die aber noch im gleichen Jahr zum erhofften Erfolg führte und Fritz Abderhalden zum stolzen Besitzer eines eigenen Reliefs der Lieblingsgegend machte. Rund 150 Stunden investierte der junge Mann in diese Pionierarbeit. Es blieb nicht bei dem einen Modell.

Motiviert durch den geglückten ersten Versuch, investierte Fritz Abderhalden zwei Jahre später rund 200 Freizeitstunden in ein zweites Relief, diesmal von der Ferienregion Tessin. Damit hatte es sich erst einmal. 1968 inspirierte die überarbeitete Schulkarte im Massstab 1:125 000 den mittlerweilen 42-Jährigen zu einem neuen Anlauf, diesmal blieb es aber beim Abpausen der Höhenkurven.

Erst 2014 gab eine Relief-Ausstellung von Jakob Mettler in der Lichtensteiger Kalbermarkt-Halle den Anstoss, das 46 Jahre zuvor erstellte Grundmaterial aus der Schublade zu nehmen und das dritte Relief fertigzustellen. Genau musste es sein, da gab es bei Fritz Abderhalden trotz abnehmender Sehstärke keine Kompromisse. Die Kurvenblätter wurden kurzerhand etwas vergrössert, damit das Ganze im Massstab 1:100 000 umgesetzt werden konnte.

Nach rund 160 Arbeitsstunden war es so weit: Gerade rechtzeitig vor dem 89. Geburtstag erfolgte der letzte Pinselstrich und fertig war es, das dritte Relief aus der Hand von Fritz Abderhalden. Eine bemerkenswerte Leistung, auf die der Macher wirklich stolz sein darf.