Sein Hund starb abgemagert und mit Maden im Fell: Halter aus Heiden wegen Tierquälerei vor Gericht

Ein Mann aus Heiden musste sich wegen Tierquälerei vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht verantworten. Sein Hund starb qualvoll.

Astrid Zysset
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Dem Mann aus Heiden droht eine bedingte Geldstrafe. Er ist nicht vorbestraft.

Dem Mann aus Heiden droht eine bedingte Geldstrafe. Er ist nicht vorbestraft.

Symbolbild: Imago

Es ist ein erschütterndes Bild, das der Tierarzt von dem Hund skizzierte: abgemagert, von Urin stinkend und von Maden befallen. In Agonie hätte sich das Tier befunden, als es am Abend des 20. Juli 2019 in die Praxis des Tierarztes nach Heiden gebracht wurde. Es hätte kaum seinen Kopf anheben können, die Atmung war schwach. «So etwas habe ich noch selten gesehen», gab der Tierarzt vor dem Richter an.

«Ein Blick und ich wusste, dass ich den Hund von seinem Leiden erlösen musste.»

Er schläferte das 17-jährige Tier ein. In die Praxis wurde es damals von zwei Hundesittern gebracht. Der Tierarzt erstattete Anzeige gegen den Besitzer, einen 38-jährigen Handwerker aus Heiden.

Dieser musste sich nun am Dienstag vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz wie auch Tierquälerei verantworten. Der Beschuldigte wies jede Schuld von sich und forderte einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft erachtete eine bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 30 Franken, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren, als angemessen. Zuzüglich würde dem Mann eine Busse von 200 Franken auferlegt. Das Urteil wird in den kommenden Tagen gefällt.

Sah keine Notwendigkeit für Tierarztbesuch

Der Beschuldigte gab während der Verhandlung an, dass der Hund wie «ein Bruder» für ihn gewesen sei. Als 14 Tage alten Welpen hatte er ihn bei sich aufgenommen. Seitdem war der Hund sein ständiger Begleiter. «Mein halbes Leben hatte ich mit ihm verbracht.» Im Sommer 2018 begannen die Probleme: Der Hund wurde urin- und stuhlinkontinent. Das habe zu vielen Diskussionen mit seiner Frau geführt, gab der Beschuldigte an. Sie habe fortan nicht mehr gewollt, dass das Tier in der Küche schläft. Im angrenzenden Stall wurde ein Schlafplatz mit Wärmelampe eingerichtet.

Gemäss Aussage des Beschuldigten habe sich der Hund dort wohlgefühlt. Auch zeigte er immer Appetit. Auf die Frage des Richters, warum er die Ursache der Inkontinenz nicht beim Tierarzt abklären liess, gab der 38-Jährige an, dass man ohnehin nichts hätte dagegen unternehmen können. Der Beschuldigte zuckte mit den Schultern und sagte:

«Der Hund war alt.»

Und da das Tier seiner Beurteilung nach nicht gelitten habe, sah er keine Notwendigkeit für eine medizinische Abklärung. Abgesehen von der Chipregistrierung sei das Tier kaum je bei einem Tierarzt gewesen.

Der Tierarzt unterstrich in seiner Aussage, dass eine Abklärung zwingend notwendig gewesen wäre. Die Ursachen für Inkontinenz könnten vielfältig sein. Auch nervliche Probleme im Rücken könnten dazu führen. Und ob ein Tier leidet, sei nicht einfach zu erkennen. «Ich kann nicht sagen, ob der Hund gelitten hatte. Aber ich glaube, Tiere leiden mehr, als wir vermuten.» Unwohl dürfte es sich aber sicherlich gefühlt haben.

Tiermedizinisches Gutachten abgelehnt

Die Verteidigung forderte vor Schranken die Erstellung einer tiermedizinischen Expertise, um abzuklären, ob die Inkontinenz auf das hohe Alter des Tieres zurückzuführen war oder ob es andere Ursachen gab. Der Richter lehnte den Antrag ab. Begründung: An den Vorwürfen würde sich nichts ändern.

Die Verteidigung sprach in ihrem Plädoyer davon, dass die Vorwürfe «ungerechtfertigt und inakzeptabel» seien. Es gebe keinen Beweis dafür, dass der Hund gelitten habe. Die Beschwerden seien altersbedingt gewesen, ein Tierarztbesuch hätte daran nichts geändert. Die Staatsanwaltschaft war an der Verhandlung nicht zugegen. Im Strafbefehl ist jedoch nachzulesen, dass sie dem 38-Jährigen vorwarf, das Tier nicht zum Tierarzt gebracht zu haben. Damit habe der Mann den Hund über längere Zeit vernachlässigt und sich der Tierquälerei schuldig gemacht.