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Mit Landdienst Brücken schaffen

Vorbei die Zeiten, als schweizweit noch unzählige Jugendliche Landdienst geleistet haben. Im Appenzellerland hingegen zeigt sich kein abnehmender Trend, davon würde auch die Region profitieren.
Carmen Pagitz
Der Landdienst-Einsatz kann müde machen.

Der Landdienst-Einsatz kann müde machen.

Früher hiess es Landdienst – heute Agriviva-Einsatz. Das bedeutet, dass Jugendliche für eine bestimmte Zeit bei einer Bauernfamilie wohnen und auf dem Hof mithelfen. Dies wird vom Verein Agriviva in der ganzen Schweiz organisiert. Bis 1946 war die «Landdienstwoche» wegen der in 1941 ausgerufene allgemeine Arbeitsdienstpflicht obligatorisch. Die betraf Frauen und Männer im Alter von 16 bis rund 65 Jahren.

Heute verpflichten nur noch wenige Schulen die Schülerinnen und Schüler zu einer Landdienstwoche. Die meisten Schulen bieten mittlerweile Alternativprogramme an. Laut Ueli Bracher, Geschäftsleiter der Agriviva, sind dies meist Sozialpraktika in der Pflege oder Betreuung. Die Teilnahme sowohl der Jugendlichen als auch der Bauernfamilien nahm in den letzten Jahren ab. Obwohl die Agriviva noch immer eine stolze Teilnehmerzahl präsentieren kann – rund 1500 Jugendliche in 2017 – nimmt der Trend ab. «Dieses Phänomen durchleben auch diverse kleinere Vereine. Einerseits sind die Jahrgänge der Jugendlichen schwächer als früher, andererseits steigt das Freizeitangebot in urbaner Umgebung immer mehr an», sagt Ueli Bracher. Auch auf der Seite des Angebots schwinden die Zahlen. Es gibt immer weniger Familienbauernhöfe. Auf den Höfen selbst schrumpfe der Anteil an Handarbeit. Da vieles maschinell gemacht wird, braucht es weniger Arbeitskräfte. Dazu kommt, dass viele Bauern zusätzlich auswärts arbeiten und deshalb wenig Zeit für die Betreuung eines jugendlichen Helfers haben.

WinWin-Situation für Jugendlich und Bauern

Im Appenzellerland ist die Nachfrage sowie das Angebot in den letzten Jahren stabil geblieben. Insgesamt nehmen 15 bis 20 Bauernfamilie am Programm teil. Die Jugendlichen aus dem Appenzellerland haben stets Interesse an den interregionalen, aber auch an den regionalen Angeboten. Externe Jugendliche kommen auch gerne ins Appenzellerland, da seien beide Bewegungen aktiv. Die Region profitiert als Nebeneffekt ebenfalls von dem Programm. Es ergibt sich ein touristischer Wert. Die ehemaligen Teilnehmer des Programms schliessen Freundschaft mit der Familie, finden Gefallen an der jeweiligen Region und kehren für Besuche oder Ferien dahin zurück.

Die Agriviva will mit der Organisation solcher Einsätze Brücken schaffen. «Wir sehen uns als Brückenbauer. Zum einen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten, zum anderen zwischen den verschiedenen Generationen. Wir bauen Brücken zwischen regional und interregional, sogar auch national und international», sagt Ueli Bracher. Es sei eine Win-win-Situation für die Jugendlichen sowie für die Bauern. Für die Bauernfamilie ist eine zusätzliche Hilfskraft eine wertvolle Unterstützung und das Image der Landwirtschaft und des eigenen Hofs wird gefördert. Dabei wird der Jugendliche nicht als Arbeitskraft angesehen, unter anderem auch, weil die meisten keine Vorkenntnisse mitbringen. Die Bauernfamilien haben Freude daran, die Jungen in eine teils unbekannte Welt zu führen. Des Weiteren werden die Jugendlichen als zukünftige Konsumenten sensibilisiert. Die Jugendlichen können hinter die Kulissen einer wesentlichen Kultur unseres Landes blicken. Das Verständnis für die Landwirtschaftsprodukte, deren Produktion und für deren Wert wächst. Die Agriviva meint, dass Jugendliche so bewusster einkaufen und auch diese Produkte mehr schätzen. Des Weiteren ist es eine körperliche Betätigung an der frischen Luft, es fördert die Sozialkompetenz und macht sich gut im Lebenslauf. Für Kost und Logis sowie für die Anreisekosten ist gesorgt. Für die Jugendlichen springt auch noch ein kleines Taschengeld heraus. Dazu kommt, dass der Agriviva-Einsatz als Sprachaufenthalt genutzt werden kann, um eine der vier Landessprachen in der Schweiz zu lernen oder je nachdem zu verbessern.

Die beliebtesten Monate

Ein Agriviva-Einsatz kann das ganze Jahr über gemacht werden. Die Monate Juli und August sind am beliebtesten. Das liegt zum einen daran, dass die meisten Jugendlichen dann Sommerferien haben. Zum anderen bietet in diesen Monaten der höhere Arbeitsanfall auf den Bauernhöfen eine grosse Möglichkeit zum Mithelfen. Im Herbst ist für viele die Weinlese eine verlockende und interessante Arbeit. Im Winter sind die Teilnehmer zahlen stark reduziert.

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