Mit Kunst vor Drogen warnen

REHETOBEL. Mit Bildern und Kunstwerken will Raffi Rohner den Menschen die Augen öffnen und verhindern, dass Leute in die Drogen abstürzen. Er selbst ist seit 18 Jahren drogenabhängig, Entzüge brachten bisher nichts.

Roger Fuchs
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Raffi Rohner vor einem seiner Bilder. In der Hand hält er eine Skulptur aus Spritzen, die von Stacheldraht umwickelt ist. Das Werk soll die Gefangenschaft in den Drogen symbolisieren. (Bild: rf)

Raffi Rohner vor einem seiner Bilder. In der Hand hält er eine Skulptur aus Spritzen, die von Stacheldraht umwickelt ist. Das Werk soll die Gefangenschaft in den Drogen symbolisieren. (Bild: rf)

Gestern konnte Raffi Rohner seinen dreissigsten Geburtstag feiern. Seine Eltern ermöglichten ihm zu diesem Feiertag, seine Kunst öffentlich auszustellen. Kunst, mit der er seine persönliche Geschichte verarbeitet und mit der er an die Gesellschaft appelliert: «Passt auf, schneller als gedacht steckt man in den Drogen.» Die Werke von Rohner sind ab sofort in seinem Atelier in Rehetobel erhältlich.

Erstmals mit Hanf und Alkohol in Kontakt kam Raffi Rohner als 12jähriger Bub. Seither sind zahlreiche Drogen dazugekommen: LSD, Ecstasy, Amphetamine, Heroin, Kokain. Noch gut erinnert sich Rohner daran, wie unproblematisch es in seinen jungen Jahren war, entsprechende Ware zu bekommen. «In den Hanfshops in St.Gallen und Rorschach hat sich niemand für das Alter interessiert», sagt er. Ein wenig Haarwuchs habe genügt, um Hanf, die Einstiegsdroge Nummer eins, zu bekommen.

Rückfällig geworden

Mehrere Drogenentzüge hat Raffi Rohner inzwischen hinter sich. Nach den zwei- bis dreiwöchigen Klinikaufenthalten sei es oftmals noch eine Woche lang gutgegangen. Doch dann kam der Rückfall. Den Satz, wer aufhören wolle, könne dies auch, mag der 30-Jährige nicht mehr hören. «Das stimmt nicht. Ich wollte schon hundertmal aufhören.»

Trotz allen Abstürzen, Raffi Rohner konnte stets auf die Unterstützung seiner Eltern zählen. Beim Vater hat er einst auch die Schreinerlehre begonnen, nach zwei Jahren aber wieder abgebrochen. Mit kleinen Gesten wie persönlichen Bildern und Worten bedankt er sich heute regelmässig für die Unterstützung. «Mehr kann ich im Moment nicht bieten», sagt er.

Natürlich überlege man sich, was man als Eltern falsch gemacht haben könnte, sagt der Vater und Gruber Kantonsrat René Rohner, der auch schon zu hören bekam, er habe einen Junkie-Sohn. Doch der Sohn beruhigt: Vater und Mutter hätten sicher nichts falsch gemacht.

Malerei wirkt beruhigend

Mit Bildern aus Acryl und Kohlefarben, Collagen, oder auch Pop-Art-Kunst versucht Raffi Rohner heute seine Geschichte zu verarbeiten. Die Malerei wirke auf ihn beruhigend und helfe ihm, wirre Gedanken zu sortieren. Beim Publikum will Rohner die Augen öffnen für die Missstände der Welt: Armut, Hunger, Krieg, Sklaverei, Drogenmissbrauch.

Auch die Methadonabgabe hat er im Visier. Dies sei zwar eine gute Sache, hole die Leute aber nicht von der Gasse. Stattdessen sollten Drogenabhängige in ihren Fähigkeiten und Talenten gefördert werden, gibt sich Raffi Rohner überzeugt. Der Erlös aus dem Verkauf seiner Werke kriegt Rohner nicht ausbezahlt, sondern wird von seinen Eltern wieder in Malutensilien investiert.

Kantonsrat René Rohner sähe es als grosse Hilfe, wenn Drogenabhängigkeit in der Gesellschaft als Krankheit akzeptiert und nicht einfach als Sucht dargestellt würde. Kein Vertrauen mehr hat er in die Entzugsanstalten. «Ich glaube nicht, dass diesen schon viel gelungen ist», sagt Rohner und stützt sich dabei auf Gespräche mit Betroffenen und Eltern von solchen. Immer wieder höre er, dass Drogenabhängige rückfällig würden. Dennoch: Die Hoffnung, dass Raffi einst ein suchtfreies Leben führen könne, sei immer noch vorhanden, so der Vater René Rohner.

Werke von Raffi Rohner können in seinem Atelier an der Sägholzstrasse 44, Rehetobel, besichtigt werden. Für Voranmeldung: 079 900 90 19.

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