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Interview

Schlammschlacht ums Gemeindepräsidium in Bühler: Kandidaten schenken sich nichts

Der Wahlkampf ums Gemeindepräsidium in Bühler ist in vollem Gange – und wurde mittlerweile ziemlich schmutzig. In Leserbriefen werden zahlreiche Vorwürfe laut. Beide Kandidaten – Inge Schmid und Jürg Engler – nehmen zur Kritik Stellung und legen ihre Ambitionen dar.
Astrid Zysset
Am 17. März entscheidet sich, wer Gemeindepräsidentin oder Gemeindepräsident in Bühler wird. (Bild: APZ)

Am 17. März entscheidet sich, wer Gemeindepräsidentin oder Gemeindepräsident in Bühler wird. (Bild: APZ)

Gemeinderat Jürg Engler kandidiert fürs Gemeindepräsidium in Bühler – obwohl die bisherige Gemeindepräsidentin Inge Schmid nicht zurücktreten möchte. Für Zündstoff sorgte die Begründung der Kandidatur: Engler bemängelt den angeblich mangelnden Führungs- und Kommunikationsstil der Präsidentin. Jene sieht sich nun zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst. Darin kritisiert sie ihren Herausforderer scharf: «Von einem Gemeinderatskollegen, der von sich sagt, er sei kommunikativ und sogar eine Mediatorenausbildung vorweisen kann, hätte ich erwartet, dass er das Gespräch mit den Betroffenen direkt sucht.»

Herr Engler, können Sie die Kritik von Frau Schmid nachvollziehen? Hätte man von einem Mediator erwarten können, dass Unstimmigkeiten intern bereinigt werden?

Inge Schmids Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Meine Haltung zu den einzelnen Problemen und Geschäften und dass ich nicht hinter einigen Entscheiden stehen kann, ist im Gemeinderat mehrfach zum Ausdruck gekommen. Zudem wurde auch die Zusammenarbeit extra thematisiert. Es ist mir schleierhaft, warum sie nun von allem nichts wissen will. Es gilt wohl das Prinzip: Man hört nur, was man auch hören will. Für mich zeigt sich darin die Art, wie sie mit Kritik oder anderen Meinungen umgeht: Sie überhört sie, behauptet gegen aussen, es gäbe keine Meinungsverschiedenheiten und versucht, die Kritiker zu isolieren. Aber ich will nicht in eine Schlammschlacht einsteigen. Inge Schmid hat auch viel Gutes geleistet und sich sehr engagiert gezeigt.

Ihrem Entscheid, als Gemeindepräsident zu kandidieren, liegen vor allem Unstimmigkeiten im Bereich Heim zugrunde. Was genau ist dort passiert?

Mitglieder der Heimkommission und die ehemalige Heimleiterin haben sich in Leserbriefen dazu geäussert. Selber kann ich dazu wegen des Amtsgeheimnisses nicht detaillierter Stellung beziehen. Nur so viel: Es ist schon erstaunlich, dass Inge Schmid beispielsweise sagt, sie hätte die Abläufe und Zuständigkeiten eingehalten, während Mitglieder der Heimkommission und die Heimleiterin genau dies verneinen und von Einmischung reden.

Ihre Kandidatur kam für viele überraschend.

Für die Öffentlichkeit ja. Aber wer mich kennt, der weiss, dass ich mich gerne dort engagiere, wo ich das Gefühl habe, es läuft nicht richtig. Darum war die Entscheidung: Rücktritt oder eben diese Kandidatur. Die Unzufriedenheit sollte kein Anlass zur Überraschung gewesen sein. Sie wurde im Rat kommuniziert.

Sie machen nun Inge Schmid ihren Sitz streitig.

Bei einer Gesamterneuerungswahl gibt es keine gesetzten Sitze. Das ist der Sinn von Gesamterneuerungswahlen. Irgendwann ist die Zeit für einen frischen Wind gekommen. Darum mache ich mich auch für eine Amtszeitbeschränkung stark – jeder ist ersetzbar und jedes Amt braucht von Zeit zu Zeit neue Sichtweisen. Und Bühler braucht jetzt eine neue Führungs- und Kommunikationskultur.

Und wie sieht diese aus?

Die Bevölkerung soll vermehrt miteinbezogen werden. Beispielsweise waren wir schweizweit erst die zweite Gemeinde, die generationenverbindende Spielplätze gebaut hat. Dazu wurden externe Mittel organisiert und die Plätze gemeinsam mit verschiedenen Gruppen geplant und mit viel Eigenleistung – beispielsweise durch Mithilfe des Elternforums – realisiert. So könnte es vermehrt ablaufen. Das Leben in der Gemeinde soll integrativer werden. Es hat diesbezüglich viel Potenzial in Bühler. Man denke an die gelungene Entstehung der jetzigen Lösung des Altersheims, an die diversen privaten Initiativen oder auch das Kulturfestival kulturell9055. Dieses Engagement der Bevölkerung könnte in die politischen Prozesse involviert werden. Die Leute sollen mitdenken, mitsteuern und die Projekte mittragen. Und bezüglich Führungskultur soll es so sein, dass den Menschen, beispielsweise auch in den Kommissionen, mehr zugetraut wird.

Welche Aufgabe hätten in diesem Kommunikationskonzept Sie als Gemeindepräsident?

Ich sehe mich, neben den üblichen Aufgaben, auch als Vermittler. Es gibt zwar klare Aufgaben, welche die Gemeinde übernehmen muss, doch viele Lösungen können im Dialog mit der Bevölkerung entstehen. Im Moment ist alles geheim, was nicht ausdrücklich öffentlich ist. Dabei arbeitet der Gemeinderat ja im Dienste der Bevölkerung. Viele Geschäfte sollten öffentlich sein. Dies fördert die Transparenz, das Vertrauen und somit die Nähe zwischen Bevölkerung und Gemeinderat.

Wie sieht das konkret aus? Denken Sie da an eine Zukunftswerkstatt, wie sie einst in Herisau durchgeführt wurde?

Das wäre eine Möglichkeit. Entscheidend ist es, Fragen zu stellen und an den Antworten interessiert zu sein. Derzeit sammelt beispielsweise die IG Konstruktiv verschiedene Wünsche. Dass es solche gibt, zeigt, dass Bedürfnisse da sind, die noch nicht gestillt sind. Die gilt es abzuholen. Die Zeiten, in welchen der Gemeinderat alles im stillen Kämmerchen entscheidet, sind meiner Meinung nach vorbei.

Das sagt Gemeindepräsidentin Inge Schmid:

Bühlerers Gemeindepräsidentin Inge Schmid spricht davon, dass es aufgrund des aktuell schmutzigen Wahlkampfs zu einer «Spaltung im Dorf» gekommen sei. Das sei unnötig gewesen und sie fände es sehr schade. Auch ging die Kritik nicht spurlos an ihr vorbei. Sie hat sich die Frage gestellt, ob sie diese Anfeindungen tatsächlich nötig habe und sich diesen weiter aussetzen will. Die Antwort war aber schnell klar. «Die Menschen im Dorf wie auch die Angestellten sind mir wichtig. Und die angefangenen Projekte will ich zu Ende führen», äussert sich Schmid zu ihrer Motivation, nochmals kandidieren zu wollen. «Es wäre das falsche Signal, aufgrund der Negativstimmen alles hinzuschmeissen und zu sagen: ‹Dann macht es halt alleine.›» Viele Rückmeldungen hätten sie erreicht, die sie bekräftigten. Bewohnerinnen und Bewohner hätten sie aufgefordert, sich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stellen.

In vier Jahren will sie nicht mehr antreten

15 Jahre ist Inge Schmid mittlerweile bereits im Amt. Bühler hat sich in dieser Zeit gut entwickelt. Finanziell steht die Gemeinde gut da, in puncto Infrastruktur stehen keine dringend notwendigen Investitionen an. Die politischen Herausforderungen der nächsten Zeit sind in der Revision der Ortsplanung zu finden wie auch in der Arealentwicklung beim Bahnhof und im Bereich des «Betreuten Wohnens». In der Verwaltung gehen der Gemeindeschreiber wie auch der Finanzverwalter demnächst in Pension. Zwei «Schlüsselpositionen», wie Schmid sagt, die es zu besetzen gilt. Würde in Bühler ein neuer Gemeindepräsident ins Amt gewählt, kommt es zu einem grossen Wissensverlust. Alleine deswegen erachtet sie den aktuellen Zeitpunkt als ungünstig, um einer neuen Person Platz zu machen. «In vier Jahren sieht alles wieder anders aus. Dann sind die wichtigsten Positionen besetzt, viele langfristige Projekte aufgegleist und für mich die Zeit gekommen, nicht mehr anzutreten. Dann wäre definitiv Schluss für mich.» Doch bis dahin will sie um ihre Stelle an der Spitze der Gemeinde kämpfen.

Ihr wird mangelnde Kommunikationsfähigkeit vorgeworfen. Der Vorwurf kommt vor allem seitens der Heimkommission. Aufgrund des Amtsgeheimnisses kann sich die Gemeindepräsidentin nicht zu den Anschuldigungen im Detail äussern. Doch sie gibt an, dass sie offen für Neuerungen sei. «Dem einen reicht es, auf welche Art und wie oft der Gemeinderat Mitteilungen weitergibt, dem andern nicht. Innerhalb des Gemeinderates haben wir ein Kommunikationskonzept, auf das ich zurückgreife. Aber ich verschliesse mich nicht gegenüber Neuerungen, sollte dieses Konzept nicht mehr genügen.»

Eingesprungen, wo es Vakanzen gab

Ein weiterer Vorwurf ist derjenige der Ämterkumulation. Schmid präsidiert mindestens zehn Kommissionen innerhalb der Gemeinde, ist Delegierte verschiedener regionaler Körperschaften, Präsidentin der Gemeindepräsidienkonferenz und in deren Funktion im Verwaltungsrat der AR Informatik AG aktiv wie auch Fachexpertin im kantonalen Landwirtschaftsamt. Zuviel für eine Gemeindepräsidentin? «Nein», sagt Schmid. Zeitlich passe es, um allen Anforderungen gerecht zu werden. «Überdies bin ich nicht rechenschaftspflichtig, wo ich mich ausserhalb meines 60-Prozent-Pensums bei der Gemeinde engagiere.» Und betreffend der Kommissionspräsidien sei es zu einer Kumulation gekommen, da sie aufgrund von Vakanzen viele Aufgaben übernommen habe. «Ich gebe sie aber gerne ab, sollte jemand anderes Interesse zeigen.» Allerdings sind etliche Kommissionen an das Gemeindepräsidium gebunden. Immer an der Juni-Sitzung des Gemeinderats wird über die Ämterverteilung neu diskutiert. (asz)

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