Mit Holz und Köhlerschweiss

OBERHELFENSCHWIL. Nach einem Jahr Pause wird auf dem Weid-Hof in Oberhelfenschwil wieder geköhlert. Morgen entzündet Fritz Roth seinen dreissigsten Kohlemeiler. In drei Wochen will er 700 Kilogramm Holzkohle absacken.

Michael Hug
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Neun Ster Buchenholz hat Fritz Roth zu einem Meiler aufgeschichtet. Morgen wird er den Verkohlungsprozess starten. (Bild: Michael Hug)

Neun Ster Buchenholz hat Fritz Roth zu einem Meiler aufgeschichtet. Morgen wird er den Verkohlungsprozess starten. (Bild: Michael Hug)

Wenn es regnet sei das Köhlern einfacher, sagt Fritz Roth: «Man muss nicht so viel Wasser schleppen.» Wasser braucht der Kohlemeiler nämlich viel. Paradox – wo doch bei der Holzkohleherstellung vorwiegend Feuer und Rauch im Spiel sind? «Ein Kohlemeiler brennt nicht, sondern vergast. Die Gase aus dem Holz sind es, die brennen und damit das Holz nicht auch verbrennt, halte ich mit Wasser den Prozess unter Kontrolle.» Die 20 Zentimeter dicke Erdschicht, die «Löschi», die den Meiler bedeckt, muss dafür sorgen, dass keine Luft ins Innere des Meilers gelangt. Das Wasser macht diese «Löschi» dicht.

Angebot erweitern

Seit acht Jahren köhlert Roth auf seinem Weid-Hof bei Oberhelfenschwil. 30 Meiler hat er bis heute vergast. «Ursprünglich wollte ich etwas Ungewöhnliches machen, das das Angebot auf unserem Erlebnisbauernhof erweitert.» Das Know-how habe er sich grösstenteils autodidaktisch und durch Wissensaustausch mit Berufsköhlern zugelegt: «Die Erfahrung kommt dann mit dem Wiederholen.» Mehr als eine Woche hat ihn der Aufbau beschäftigt: Boden vorbereiten, Holzspälten heranführen und schichten, «Löschi» aufbereiten, Meiler decken.

Morgen wird er sein Werk entzünden: «Dies ist ein besonderer Vorgang, der viel Aufmerksamkeit erfordert. Wie gesagt, brennen darf nur die Glut, die den Prozess in Gang bringt .»

Kohlenstoff-Pyrolyse

Das Verkohlen von Holz geschieht – technisch als Pyrolyse bezeichnet – unter Ausschluss von Sauerstoff. Dies zu überwachen ist die hauptsächlichste und kniffligste Aufgabe des Köhlers. Fritz Roth: «Die Verbrennung der Gase bringt die Prozesswärme. Sie darf einerseits nicht zu niedrig sein, und soll andererseits das Holz nicht verbrennen.» Die Prozesswärme im Zentrum des Kohlemeilers kann bis auf 600 Grad steigen.

Damit sie nicht unter 300 Grad sinkt, muss eben doch etwas Sauerstoff in den Meiler gelangen, was durch den Rost, auf dem der Meiler steht, gewährleistet wird. Fritz Roth erklärt weiter, dass die Wärme die flüchtigen Stoffe, Gase und diverse Säuren, aus dem Holz treibt. Übrig bleibt fast reiner Kohlenstoff – jene Holzkohlewürfel, die man vom Grillieren kennt.

Ein Gläschen Köhlerschweiss

Von nun an darf der Weid-Hof-Köhler seinen Meiler nicht mehr aus den Augen lassen: «Schlagen Flammen aus der <Löschi>, habe ich etwas falsch gemacht. Raucht er nicht, ist der Ofen aus. Raucht er gelblich-braun, ist das gut. Ist der Rauch bläulich, ist der Prozess abgeschlossen.» Alle paar Stunden muss er also den Meiler kontrollieren, auch nachts: «Ich werde ein paar Tage nicht sehr viel schlafen», lacht Roth. Dafür freue er sich auf die schönen Momente: «Morgens um fünf Uhr hier draussen den Sonnenaufgang zu betrachten ist etwas vom Schönsten.» Wenn das Holz im Meiler in etwa zwei Wochen vollständig verkohlt ist, wird sich Fritz Roth ein Gläschen «Köhlerschweiss» gönnen. Was das genau ist, verrät er erst, wenn die Kohle im Sack ist.