Mit Handel die Armut bekämpfen

Die Max-Havelaar-Stiftung setzt sich für den fairen Handel in Entwicklungsländern ein. Geschäftsführerin Nadja Lang stellte das Modell in Herisau vor. Ein weiteres Thema war die Chance von Produkten aus dem Appenzellerland.

Jesko Calderara
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Unter der Leitung von Daniel Sager diskutierten Nadja Lang, Alexander Zwyer und Sepp Dähler über ein nachhaltiges Konsumverhalten. (Bild: cal)

Unter der Leitung von Daniel Sager diskutierten Nadja Lang, Alexander Zwyer und Sepp Dähler über ein nachhaltiges Konsumverhalten. (Bild: cal)

HERISAU. Die Frage, welche Vorteile fairer Handel und Nachhaltigkeit mit sich bringen, war Inhalt einer Veranstaltung der Reihe «Beste Köpfe». Über das Thema sprach am späteren Montagnachmittag im Casino Herisau Nadja Lang, Geschäftsführerin der Max-Havelaar-Stiftung Schweiz. Im Anschluss an ihr Referat diskutierte sie mit den beiden Appenzeller Unternehmern Sepp Dähler und Alexander Zwyer über lokale Wertschöpfung und verantwortungsbewusste Konsumenten. Eingeladen zum Anlass hatten das kantonale Amt für Wirtschaft und die Stiftung zur Förderung der appenzell-ausserrhodischen Wirtschaft.

Situation der Bauern verbessern

«Bei Fairtrade oder fairem Handel geht es um Menschen, die qualitativ hochstehende Güter herstellen», sagte Lang zu Beginn ihrer Ausführungen. Als Beispiel nannte sie Kaffee und Bananen, wo der Marktanteil an entsprechend zertifizierten Produkten in der Schweiz bei bereits über 50 Prozent liegt. Das Land nehme im Bereich Fairtrade einen Spitzenplatz ein. Trotzdem bestehe noch immer Handlungsbedarf, gab Lang zu bedenken. «Es ist nicht überall gelungen, die bittere Armut bei den Produzenten zu beseitigen.» Es gebe ein Zusammenhang zwischen der Armutsbekämpfung und einer Besserstellung der Kleinbauern, betonte die Max-Havelaar-Geschäftsführerin. «Für die Bauern in den Entwicklungsländern sind die hohen Preisschwankungen ihrer Erzeugnisse und die Auswirkungen des Klimawandels zurzeit die grössten Herausforderungen.»

Laut Nadja Lang ist das Ziel von Fairtrade, die Situation der Produzenten zu verbessern. «Sie sollen dank dem Handel ein selbstbestimmtes Leben führen können.» Zu diesem Zweck würde die Max-Havelaar-Stiftung alle Akteure auf der Wertschöpfungskette gleichberechtigt zusammenbringen. Lang ging ferner auf die Standards ein, welche zum Erlangen des Gütesiegels eingehalten werden müssen. Ein zentrales Element sei der Mindestpreise. «Es ist eine Art Versicherung, um Stabilität bei den Preisen zu erreichen.» Als noch wichtiger erachte sie jedoch die Fairtrade-Prämien. Dieses Geld erhalte nicht der einzelne Landwirt, sondern die Gemeinschaft. «Die Mittel werden oftmals in die Wirtschaftlichkeit der Betriebe investiert.» Weitere Punkte seien Umweltkriterien und Kontrollen, sagte Lang.

Nachhaltige Produkte gefragt

In der Diskussionsrunde schilderten die Teilnehmer ihre Erfahrungen aus dem Geschäftsalltag. «Vielen Kunden interessieren sich für die Person hinter den Produkten», sagte Sepp Dähler. Der Landwirt produziert in Stein Kabier-Rindfleisch. Seine Tiere werden grösstenteils mit Biernebenprodukten gefüttert und gepflegt. Dähler ist zuversichtlich, dass es auch künftig eine Nachfrage nach hochwertigem Fleisch aus der Region gibt.

Alexander Zwyer, Teilhaber des Familienunternehmens ZwyerCaviar GmbH, vertreibt international Kaviar aus nachhaltiger und ethischer Produktion. Es gebe in einzelnen Ländern Unterschiede bezüglich der Zahlungsbereitschaft. Viele Schweizer Konsumenten würden auch andere Kriterien als nur den Preis beachten, sagte Zwyer. Er befürworte einen massvollen Konsum von Luxusprodukten. Für Nadja Lang geht es beim fairen Handel letztlich um die Antwort auf die Fragestellung, was Arbeit und gute Produkte kosten dürfen.

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