Mit Feingefühl musiziert

Das Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag begeisterte im kleinen Saal des Casinos Herisau. Sie spielten traumhaft schöne Kompositionen zu vier Händen von Debussy und Brahms.

Ferdinand Ortner
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Alle Register gezogen: Adrienne Soós und Ivo Haag. (Bild: fo)

Alle Register gezogen: Adrienne Soós und Ivo Haag. (Bild: fo)

HERISAU. Dieses Konzert im Rahmen der traditionellen Casino-Konzerte war ein Musik-Event mit besonderer Note, eine willkommene Abwechslung und ein Highlight im üblichen Programmschema der Abo-Konzertreihen. Das Klavierduo Soós-Haag präsentierte exquisite Klaviermusik von Debussy und Brahms.

Wenig Literatur für vier Hände

Da es relativ wenig Original-Literatur des Genres Klavier zu vier Händen gibt, greift man bei der Programmgestaltung manchmal zu Klavierfassungen bekannter Orchesterstücke. Solche Arrangements mögen bezüglich Authentizität der Vortragsstücke problematisch sein, doch beim Konzert in Herisau war dies nicht der Fall.

Das engagiert musizierende und subtil gestaltende Künstlerduo zeigte sich in bester Verfassung und identifizierte sich voll mit dem Gehalt der delikaten Konzertstücke. Den «Primo»- Part spielte die aus Ungarn stammende Konzertpianistin Adrienne Soós. Der Schweizer Ivo Haas – ihr Ehemann – war im «Secondo» ein einfühlsamer Partner. Beeindruckend die Harmonie und musikalische Übereinstimmung der beiden, das nahtlose Zusammenspiel und die dezente Anschlags- und Vortragskultur.

Das Konzert begann mit dem fein differenzierten Vortrag der vier farbenreichen Sätze der «Petite Suite» von Debussy. Die Zuhörer genossen den Zauber der sanft dahingleitenden «Barcarole», die festliche Rhythmik der «Cortège», die serenadenhafte Lyrik des «Menuet» sowie den tänzerischen Elan und die Noblesse des «Ball» mit dem lyrischen Walzermotiv.

Wellen, Wind und Meer vertont

Mit viel Einfühlungsvermögen dargeboten wurden dann auch die drei Sinfonischen Skizzen des berühmten Orchesterstückes «La Mer», eines Musterbeispiels des musikalischen Impressionismus. Die Zuhörer erlebten in farbigen Klangbildern eine tief berührende Darstellung der vielfältigen Eindrücke, Stimmungen und Empfindungen eines Menschen am Meer, beim bewegten «Spiel der Wellen» und der eindrucksvollen «Zwiesprache von Wind und Meer», die in einer hymnischen Vereinigung von deren Motiven gipfelt. Exzellent das spieltechnische Können, die Klangkultur und die reiche emotionelle Ausdruckspalette des Pianisten-Duos.

Den musikalischen Höhepunkt des Abends bildete die Brahms-Symphonie Nr. 2 («Pastorale») vom Komponisten für Klavier vierhändig arrangiert.

Schilderung einer Landschaft

Dieses Meisterwerk von hohem Rang – inhaltlich oft als musikalische Schilderung der blühenden Landschaft Kärntens gedeutet – knüpft an die alpenländische Melodik an. Das Duo zog alle Register pianistischer Vortragskunst. Wunderschön die Melodieführung, fesselnd die dynamische Gestaltung der vielschichtigen Thematik und souverän das spieltechnische Können! Im komplexen Kopfsatz kamen die Melodienvielfalt (Horn-Motive), die Satzkunst und der pastorale Erlebnisgehalt zu klang-schöner Wirkung. Im Adagio – von einer melancholischen Grundstimmung getragen – unterstrich das Künstlerduo den inneren Zwiespalt der Gefühle.

Das übermütige Allegretto grazioso – von Behaglichkeit und einem gemütlichen Ländler-Thema geprägt – wirkte sehr launig und reizvoll. Das brillante Finale versprühte in festlicher Atmosphäre ungezwungene Fröhlichkeit und tänzerischen Bewegungsdrang und gipfelte im rauschenden Schlussjubel.

Mit dem «Abendlied» von Robert Schumann als Zugabe klang der Konzertabend stimmungsvoll aus.