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Mit Einkommen auskommen

Brosmete
Emanuel Steiner

Seit ich in der Brosmete immer wieder vom Gemsli schwärme, ist das Restaurant stets gut besetzt, und es herrscht Tag für Tag eine fröhliche Stimmung in der Dorfbeiz. Der Wirt ist mir und Beaujolais natürlich sehr dankbar für die Werbung und reserviert uns stets jeden Freitag, den 13. unseren Stammplatz unter dem natürlich künstlichen Gummibaum aus Gummi für unsere Jassrunde. Zu uns gesellen sich jeweils der Müller vom Thurgau und das süsse Margrittli, welches dank der neuen herbstgoldenen Bluse sehr New Age, also wie eine esoterische Hippie-Tante aussieht. Vor dem ersten Mischen der Karten war es dann auch sie, welche uns mitteilte, dass die Jasskasse, wenn wir unsere Strategie so fortsetzen, bald weniger als nichts drin haben werde. Die Strategie ist eigentlich ganz einfach. Die jeweiligen Verlierer der zehn Runden zahlen 8 Franken in die Kasse. Aus diesen Einnahmen werden jeweils die traditionelle Flasche «Eidechsli-Wii» für 32 Franken und das alljährliche Jassfährtli aufs Rütli bezahlt. Da Beaujolais es aber leider noch nicht geschafft hat sein Halbtax in der 23,5 Kilometer entfernten Poststelle innerhalb der täglichen halbstündigen Öffnungszeit zu verlängern, sind die Fahrtkosten der Reise explodiert wie eine 1. August-Rakete. Margrittli fordert nun, dass das Verlieren ab sofort 8,30 Franken kosten soll, da wir sonst nicht mit dem Schiff aufs Rütli können und jedes Mal den Weg der Schweiz ablaufen müssen. Erstaunt und irritiert schwiegen wir uns lange an. Der Wirt hatte das natürlich gemerkt und setzte sich zu uns auf die Holzbank, welche wegen dem trendigen «Chüeligört» schon unzählige tiefe Furchen aufweist. Mit breitem Grinsen sagte er zu uns, dass er beschlossen habe, den Preis des Weins für uns zu senken. Hochjauchzend haben wir Margrittlis Vorschlag beerdigt. Im Gegenteil, Beaujolais schlug sogar vor, dass wir eigentlich jetzt für das Verlieren auch weniger bezahlen sollten. Zustimmend hoben wir die Gläser und prosteten uns zu. Die Sorgen der Reisekosten waren weit weg und man vergnügte sich wieder mit Kartenspielen. Lange nach der Landeshymne im noch Staatsradio brachen wir auf. Beim Hinausgehen rief uns der Wirt noch nach, dass er am nächsten Tag leider geschlossen habe, da ein Softwaretechniker für teures Geld die Kasse auf die neuen Mehrwertsteuersätze umstellen müsse.

Emanuel Steiner

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