Mit einem neuen Grabmal raus aus der Anonymität

Künstler Jan Kaeser aus St. Gallen hat das neue Grabmal für das Gemeinschaftsgrab in Trogen gestaltet. Mit diesem wird die Namensnennung möglich sein. Kommenden Samstag wird es eingeweiht.

Astrid Zysset
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Künstler Jan Kaeser zeigt ein Modell des Grabmals. (Bild: ASZ)

Künstler Jan Kaeser zeigt ein Modell des Grabmals. (Bild: ASZ)

Noch ist sie eingepackt. Unten am Sockel müssen die zwölf Betonplatten, auf welchen die Besucherinnen und Besucher Blumen und Kerzen aufstellen können, angebracht werden, Kies und eine Abdeckung für die Verankerung im Fundament fehlen ebenfalls noch. Doch ansonsten ist alles fertig. Die Skulptur, welche das neu gestaltete Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Trogen kennzeichnet, wird kommenden Samstag enthüllt. Und mit ihr wird auch erstmals die Namensnennung beim Gemeinschaftsgrab möglich sein. Künstler Jan Kaeser aus St. Gallen ist stolz auf seine Arbeit. Mehr noch: Er spricht davon, dass es eine Ehre sei, ein Grabmal auf einem Friedhof zu installieren. «Ein Friedhof zählt ja immer auch als Visitenkarte für eine Gemeinde. So gesehen muss das Werk wirklich besonders gelungen sein.» Grabmale von Kaeser finden sich bereits auf den Friedhöfen in Bühler und Speicher.

In Trogen liess er sich vom Kreislauf des Lebens inspirieren, wie er sagt. Einen Ring abzubilden, erschien ihm da naheliegend, die Thematik der Ewigkeit konnte er so aufnehmen. Der Ring besteht aus mit grauer Farbe beschichtetem Chromstahl. «Damit es später nicht glänzt», so Kaeser. Auf der Seite stehen die Worte «Wohin» und «Woher». Diese sollen die Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken anregen über die Fragen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Oben auf dem Ring werden strahlenförmig auf messing-, anthrazit- und bronzefarbenen Plättchen die Namen der Verstorbenen angebracht. 320 haben Platz; drei Meter beträgt der Durchmesser des Rings. Auf Wunsch kann nach wie vor anonym bestattet werden.

Erste Etappe eines neuen Friedhofkonzeptes

Der Wunsch nach einem Urnengemeinschaftsgrab mit Namensnennung wurde 2014 an die Gemeinde herangetragen. Bislang werden die Verstorbenen in einer rund 15 Quadratmeter grossen, mit einer Hecke gesäumten Wiesenfläche im nordöstlichen Teil des Friedhofs beigesetzt. Daneben ein grosser Stein mit der Inschrift: «Gott kennt die Namen».

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Vertretern der Gemeinde und der Kirchgemeinde hat sich dem Anliegen der Bevölkerung und gleich der Friedhofgestaltung als Ganzes angenommen. Friedhofplaner Martin Klauser, Rorschach, wurde beauftragt, ein Konzept vorzulegen. Dieses sieht als erste Etappe die Umsetzung des Gemeinschaftsgrabes vor. Dazu wurden Gesamtkosten von 68000 Franken veranschlagt und im vergangenen Jahr ein Wettbewerb lanciert. Künstler durften ihre Eingaben machen. Vorgabe war, in das neue Kunstobjekt das jetzige Gemeinschaftgrab zu integrieren. Später, nach der Grabesruhe von 25 Jahren, soll das bestehende Gemeinschaftsgrab aufgehoben und die Fläche Bestandteil der Skulptur werden. Vergangenen Frühling schliesslich fällte die Jury ihre Entscheidung: Jan Kaeser gewann den Wettbewerb. Seine Idee sieht vor, den Ring als zentrales Element des Gemeinschaftsgrabes in Szene zu setzen. Auch der Stein mit der Inschrift wird in die Neugestaltung integriert. Die Urnen werden auf einer zusätzlichen Fläche von 30 Quadratmetern rund um die Ringskulptur beigesetzt.

Insgesamt ergibt sich so eine markante Vergrösserung der Grabstellen für die Urnenbestattungen. Dies ist dem aktuellen Trend geschuldet: Erdbestattungen gehen zurück. In Trogen werden noch ein bis zwei pro Jahr durchgeführt. Urnenbestattungen belaufen sich hingegen auf bis zu zehn pro Jahr.

Hinweis

Am Samstag, 27. Oktober, wird um 11 Uhr die mit einer Kunststätte gestaltete Grabstätte feierlich eingeweiht.