Mit einem Loch ins neue Jahr starten

Nun habe ich mir also auch eines stechen lassen. Wohl auch deshalb, weil ich zu Hause immer wieder dazu motiviert wurde. Allerdings ist das Loch so klein, dass es kaum auffällt und die Leute einem schon ganz gut beäugen müssen.

Roger Fuchs
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Appenzeller Zeitung (Bild: Roger Fuchs)

Appenzeller Zeitung (Bild: Roger Fuchs)

Nun habe ich mir also auch eines stechen lassen. Wohl auch deshalb, weil ich zu Hause immer wieder dazu motiviert wurde. Allerdings ist das Loch so klein, dass es kaum auffällt und die Leute einem schon ganz gut beäugen müssen. Mir ist bewusst, dass dies nach dieser Brosmete der Fall sein könnte. Doch sei es drum, vielleicht kann ich in dieser Sache gar als Eisbrecher dienen. Wäre nicht das erste Mal, dass ich in meinem Umfeld eine Sache vorlebe und plötzlich wollen alle dasselbe. Dass mir dies im Büro beispielsweise mit dem Stehtisch so ergangen ist, habe ich schon in einer früheren Kolumne erwähnt. Doch diesmal geht es eben um ein kleines Loch. Natürlich bin ich nicht das einzige männliche Wesen, das dazu sein Ohr zur Verfügung stellt – aber es scheint selbst im Schmuckladen immer noch eine Freude zu bereiten, wenn ein Mann statt eine Frau dazu auf dem Stuhl Platz nimmt. Gleich zu zweit haben sie sich um mich gekümmert. Nun gut, ein wenig Respekt hatte ich durchaus, schliesslich habe ich mir noch nie einfach zum Spass durch die Haut stechen lassen.

Inzwischen ist es passiert, die erste Nacht konnte ich zwar nicht auf besagtem Ohr schlafen, doch die Sache scheint gut zu verheilen. Noch bin ich aber nicht am Ziel, schliesslich trage ich jetzt erst einmal einige Wochen einen medizinischen Ohrstecker. Dann habe ich bezüglich Motiv die Qual der Wahl – was mir wiederum zeigt, dass es durchaus Männer gibt, die sich zu diesem Schritt entscheiden. Mein Sohn und meine Tochter hätten es wesentlich einfacher. Der Sohn würde bestimmt einen Traktor haben wollen, die Tochter einen Fuchs. Nun aber geht es um mein Ohr. In die engere Auswahl kommen ein Notenschlüssel, ein Mikrophon oder ein Schiffsanker. Wozu ich mich letztlich entscheide – die persönlichen Begegnungen im 2015 werden die Möglichkeit bieten, dies zu erfahren.