Mit einem Glitzern in den Augen

Nachgefragt

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Heute von 14 bis 17 Uhr zeigt Goldstickerin Brigitte Lang ihr Handwerk im Museum Appenzell. Die 63-jährige Appenzellerin bestickt seit über 40 Jahren traditionelle Trachten mit goldigen Fäden. Sie erzählt vom geheimnisvollen Handwerk.

Was werden Sie den Besuchern der Veranstaltung zeigen?

Ich werde meine Werkstatt für einen Nachmittag ins Museum verlegen und wie gewohnt meine Arbeiten verrichten. Dabei erkläre ich Interessierten den Ablauf meiner Arbeit und beantworte Fragen, falls welche aufkommen.

Wo erlernten Sie die Goldstickerei?

Ich wurde vor bald 45 Jahren zu einer bereits 80-jährigen Frau geschickt. Sie beherrschte das Handwerk und gab es an mich weiter. Viel früher wurde das handwerkliche Wissen in den Klöstern weitergegeben. Ich besuchte die alte Frau während eines Monats beinahe jeden Tag. Sie schaute mir auf die Finger und brachte mir die grundlegendsten Techniken bei. Den Rest habe ich mir selbst durch jahrelanges Praktizieren beigebracht. Wichtiger als der Unterricht waren die Adressen, wo ich die nötigen Materialien bekommen konnte. Wie schwer behütete Geheimnisse, wurden diese Informationen nicht einfach so preisgegeben.

Wie lange benötigen Sie, um ein Brüechli, das Schmuckstück der Innerrhoder Frauen­tracht, zu besticken?

Da ich von zu Hause aus arbeite, kann ich es nicht genau sagen. Wenn ich ununterbrochen an einem leichten Brüechli arbeite, brauche ich etwa einen ganzen Arbeitstag. Es lässt sich unter Tageslicht viel leichter sticken, da­rum kommt es auch oft vor, dass ich die Arbeit auf mehrere Tage aufteile. Das Gold glitzert unter künstlichem Licht viel stärker: Die Augen ermüden schneller, die Genauigkeit leidet darunter.

Was sind die Schwierigkeiten bei der Goldstickerei?

Ein gutes Augenmass ist sehr wichtig. Man kann nichts vorzeichnen, und trotzdem müssen die Muster exakt gleich sein. Ausdauer, eine gewisse Handfertigkeit und vor allem Freude an den Trachten sollte man haben. Ohne eine starke Beziehung zur Tra­dition würde man das zum Teil lange Herumsitzen nicht überstehen. (jm)