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Mit der Baumzählerin unterwegs

Der Esche droht wegen einer Pilzkrankheit vielerorts das Ende. Das Problem gab den Anstoss, den Bestand an landschaftsprägenden Bäumen wie Eschen, Linden und Ahorne in Appenzell Ausserrhoden zu erfassen.
Karin Erni

Lea Bauer tritt fest in die Pedale. Der Weg Richtung Ramsten unterhalb der Hundwiler Höhe ist steil. Bei einem kleinen Stall macht sie halt. Hier stehen mehrere mächtige Eschen. Sie wurden einst gepflanzt, um dem Vieh Schatten zu spenden und den exponierten Stall vor dem Wetter zu schützen. Doch nicht alle Bäume sehen gleich gesund aus. Während die eine Esche weit ausladende belaubte Äste hat, ragen bei der Nachbarin einige Zweige nackt in den Himmel. «Dieser Baum zeigt Anzeichen der Eschenwelke», sagt die Umweltwissenschaftlerin und notiert den Befund in ihrem Tabletcomputer. Im Auftrag des Kantons Appenzell Ausserrhoden inventarisiert Lea Bauer von der Arnal AG in Herisau derzeit die landschaftsprägenden Einzelbäume im Appenzeller Hinterland. Es sind meist Bergahorne, Linden oder Eschen. Einige besonders wertvolle Exemplare stehen seit 1991 unter Schutz. «Alte Bäume prägen nicht nur das Landschaftsbild, sie sind wichtige ökologische Trittsteine. Weil sie durch die verschiedenen Witterungseinflüsse oft Spalten und kleine Höhlen haben, bieten sie Vögeln und anderen Tieren Unterschlupf. Sie sind zudem Pollenlieferanten für Bienen und andere Insekten.»

Zuerst verschafft sich Lea Bauer im Büro anhand eines Satellitenbildes einen Überblick über mögliche «Kandidaten» im Gebiet, das sie besuchen will. Sie markiert diese auf der Karte. Dann geht’s mit dem E-Bike ins Feld. «Die Wege und Strassen sind oft eng. Mit dem Velo kommt man überall hin und ist niemandem im Weg», so Lea Bauer. Wenn möglich schaut sie sich die Bäume aus der Nähe an. Falls dies aus Gründen der Topografie nicht geht, erledigt sie die Arbeit mit dem Feldstecher. Jeder Baum erhält eine Nummer und wird mitsamt seinen exakten Koordinaten, einer Beschreibung und mindestens einem Foto in der kantonalen Datenbank erfasst. Die Leute reagierten unterschiedlich auf ihre Tätigkeit, erzählt Lea Bauer. Viele freuten sich, dass man sich für ihre Bäume interessiere. «Oft werde ich gefragt, ob ich mich verlaufen habe und den Weg suche», sagt sie und lacht.

Die Inventarisierung der Bäume soll unter anderem dazu dienen, dass in einigen Jahren festgestellt werden kann, wie die Entwicklung der Baumkrankheit verläuft. Man hofft, dass einige Eschen resistent gegen die Pilzkrankheit sind und diese Eigenschaft weitervererben. So könnte sich der Bestand natürlicherweise wieder erholen.

Letztes Jahr hat Lea Bauer bereits ein Pilotprojekt in der Gemeinde Herisau durchgeführt. Dabei wurden einige befallene Eschen gefunden. Im engen Kontakt mit den betroffenen Grundeigentümern wird versucht, die landschaftsprägenden Bäume zu erhalten. Kranke Eschen werden zurückgeschnitten oder allenfalls durch die Pflanzung eines jungen Baumes ersetzt. In einem Folgeartikel wird nächste Woche beschrieben, wie Baumpfleger Res Ramsauer mit geeigneten Massnahmen das Leben der Bäume verlängern kann.

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