Mit dem Velo ins persönliche Glück

Der Krummenauer Heinz Braun hat zusammen mit seiner Frau Skandinavien auf dem Velo bereist. Für ihn war dies eine dringend benötigte Auszeit vom Alltag. Seine Erlebnisse hat er schriftlich festgehalten, denn er will auch andere motivieren, einfach mal auszubrechen.

Barbara Anderegg
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Verschwitzt, aber glücklich: Heinz Braun hat sich einen Traum erfüllt. Mit seiner Frau radelte er sechs Wochen lang durch Finnland und Schweden. (Bild: pd)

Verschwitzt, aber glücklich: Heinz Braun hat sich einen Traum erfüllt. Mit seiner Frau radelte er sechs Wochen lang durch Finnland und Schweden. (Bild: pd)

Krummenau. «Es fällt mir nicht leicht, mich von meinem alten Velo zu trennen», sagt Heinz Braun. Denn in seinem Sattel hat er viele Wochen verbracht, ist auf ihm durch Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark geradelt. Damit hat sich der Krummenauer einen Traum erfüllt und hat dabei ein Stück Glück wiedergefunden.

Zeit, etwas zu verändern

Über die Jahre hatte der Alltagsstress beim selbständigen Maler seine Spuren hinterlassen. Hinzu kam die ungewollte Kinderlosigkeit, die Heinz Braun und seiner Frau Ruth schwer zu schaffen machte. «Mein Drang, einmal auszubrechen, den Alltag zu vergessen wurde immer grösser. Ich musste etwas ändern», erzählt Heinz Braun. Schon Jahre vorher hatte er die Bücher von Christian Hanning gelesen, der über seine Radtouren durch verschiedene Länder, unter anderem auch Skandinavien, schreibt. Seither träumte Heinz Braun davon, selbst einmal eine solche Tour zu machen. 2008 war der Zeitpunkt gekommen, den Traum zu verwirklichen. «Man muss es wagen. Viele reden nur von ihren Träumen, aber man sollte den Mut aufbringen, sie in die Tat umzusetzen», begründet Heinz Braun.

Traum verwirklichen

Der Norden hatte das Ehepaar Braun schon immer fasziniert und das Velo sei das perfekte Verkehrsmittel, ist Heinz Braun überzeugt: «Man kommt vorwärts, aber anders als im Auto riecht, schmeckt spürt und sieht man die Landschaft viel intensiver. Zudem kommt man viel eher in Kontakt mit Menschen.» Das ist Heinz Braun wichtig, denn über Länder, die er bereist, will er etwas erfahren. Daher informierte er sich im voraus genau über die Besonderheiten seiner Reiseziele. Trotzdem hatte er auch Bedenken. Seine Erfahrungen mit Velotouren beschränkten sich auf Tagesausflüge im Toggenburg oder am Bodensee. Nun stellten sich ihm Fragen wie: Welche Ausrüstung braucht man? Wie grosse Distanzen können wir bewältigen? Welches ist das richtige Rad? Heinz Braun erkundigte sich da und dort und bekam ganz unterschiedliche Informationen. Nach Monaten der Vorbereitung und des Ausprobierens stand der Reise nichts mehr im Weg. «Ein paar Tage vorher packten mich dennoch Zweifel: Hatten wir die Reise gut geplant? Würden wir die Distanzen schaffen? Würden wir nach einer Woche überhaupt noch Spass haben beim Velofahren?», erinnert sich Heinz Braun. Die Zweifel aber schoben er und seine Frau Ruth zur Seite und im Juni brachen sie auf. Insgesamt sechs Wochen waren die beiden mit dem Velo in Finnland und Schweden unterwegs. Auf der Route von Helsinki über Schweden zurück nach Kuopio in Finnland, meist entlang des Bottnischen Meerbusens, legten sie über 2000 Kilometer zurück.

Endlich wieder glücklich

Pro Velo transportierten sie rund 25 Kilogramm Gepäck. Mit dabei immer Traubenzucker und Schoggiriegel als Notproviant sowie ein Zelt. Übernachtet hat das Ehepaar Braun auf Campingplätzen oder in sogenannten Mökkis, kleinen Häuschen, die zur Vermietung stehen. «Dort gab es zwischendurch auch mal eine Sitzgelegenheit. Ansonsten haben wir einfach den Velohelm in eine Sitzgelegenheit verwandelt», sagt Heinz Braun. Zu kämpfen hatte das Toggenburger Ehepaar zwischendurch auch, zum Beispiel mit dem Wind. «Einmal hat der Wind so stark geblasen, dass das Fahren echt schwierig wurde. Als dann meine Frau fast von einem Lastwagen gestreift wurde, lagen bei ihr die Nerven blank», erinnert sich Heinz Braun an eine unangenehme Situation. Er habe kurzerhand einen Lieferwagen angehalten, die Fahrräder eingeladen und so die Situation entschärft.

Abgesehen von ganz wenigen solcher negativen Erinnerungen, erinnert er sich vor allem an Schönes. Das Abenteuer habe sich auf jeden Fall gelohnt. So schreibt Heinz Braun in seinem Reisetagebuch. «Das Wetter verwöhnt uns, das leise Schlagen der Wellen und die warmen Strahlen der Sonne lassen uns so richtig entspannen. Wir merken, wie der Stress der letzten Jahre langsam von uns abfällt. Das Leben verwöhnt uns endlich mal wieder. Bei mir kommt eine innere Ruhe auf, die ich lange nicht mehr gespürt habe. Ruth hat ein Strahlen im Gesicht, das ich auch lange nicht mehr gesehen habe. Alle Alltagssorgen sind weit hinter uns.»

Andere motivieren

Auf über 60 Seiten hat er seine Reise festgehalten. Er beschreibt darin die Route, gibt Tips und schildert persönliche Erlebnisse und Empfindungen. «Das Manuskript zu schreiben hat mich einiges an Überwindung gekostet, denn man gibt einiges Preis von sich und man öffnet ein Stück seiner Seele.» Dennoch gewagt hat er es, um die Menschen zu ermutigen, «ihre Träume aus der Tiefe der Seele hervorzuholen und sie zu leben. Leider habe sich kein Verlag gefunden, in dessen Portfolio das Manuskript gepasst habe. «Für die Reisebuch-Verlage war es zu stark von persönlichen Erlebnissen geprägt. Für andere war es zu wenig umfangreich», sagt Heinz Braun und ergänzt: «Verlage, die das Buch für viel Geld drucken wollten, fand ich haufenweise. Aber daran war ich nicht interessiert.»

Der Traum geht weiter

Wie auch immer, er selbst ist weiterhin mit dem Velo unterwegs. Letztes Jahr radelte er wiederum durch Skandinavien, drei Wochen davon zusammen mit seiner Frau Ruth, die anderen drei Wochen war er allein unterwegs. «Mein Bruder Werner hält mir im Geschäft den Rücken frei. Das ist nicht selbstverständlich», sagt Heinz Braun. Für ihn sei das ein grosses Glück, denn er wolle seine Träume jetzt verwirklichen und nicht im Alter denken, er hätte etwas verpasst. Bereits plant er die nächste Tour. Von November bis Februar wird er zusammen mit Christian Hartmann durch Patagonien und Feuerland radeln. Das braucht eine andere Vorbereitung als Skandinavien und: Heinz Braun braucht dafür ein neues Rad.