Mit dem Scooter sicher zur Schule

LICHTENSTEIG. Der Verein «New Mobility Safety Project» (NMSP) bringt Kindern den sicheren Umgang mit Scootern bei. Ein Netzwerk von rund 400 Schweizer Schulen ist mit dem Verein verbunden. Vergangenen Donnerstag fand erstmals eine Schulung im Toggenburg statt.

Timon Kobelt
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René Lauper Sportkoordinator Bundesamt für Sport

René Lauper Sportkoordinator Bundesamt für Sport

Seit 25 Jahren ist René Lauper Kursleiter im Bereich fahrzeugähnliche Geräte (fäG).Das Gesetz definiert sie als Geräte, die mit Rädern oder Rollen ausgestattet sind und ausschliesslich durch Körperkraft angetrieben werden. Fahrräder gehören nicht in diese Kategorie. Früher lehrte René Lauper Kindern vor allem den sicheren Umgang mit Inline-Skates. Inzwischen geht der Trend jedoch in Richtung Scooter. Rund 400 000 Kinder gehen in der Schweiz mit dem Scooter zur Schule. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Schüler zwischen der ersten und der vierten Klasse. «Im Jahr betreue ich etwa 7000 Kinder. Verhältnismässig ist das ein kleiner Teil. Dennoch bin ich froh, einen Beitrag zur Sicherheit der Kinder leisten zu dürfen», sagt René Lauper, Sportkoordinator vom Bundesamt für Sport (Baspo).

Grosse Nachfrage

2008 hat er die «Micro Scooter Kids Days» ins Programm des Vereins NMSP integriert. Ziel davon ist es, dass Kinder nützliche Tips für das Lenken eines Scooters erhalten. Die Nachfrage war von Anfang an gross und sie ist konstant. Zwischen 80 und 100 Schulungstagen führe Lauper im Jahr durch. Die Zielgruppen seien ganz klar Kindergärten und Primarschulen. Dank namhaften Sponsoren wie dem Touring Club Schweiz (TCS) oder der AXA Stiftung für Prävention sei es möglich, Schulen Kurse zu sehr günstigen Konditionen anzubieten (siehe Kasten).

In diesem Jahr machte erstmals eine Toggenburger Schule vom Kursangebot Gebrauch. Die Jost Bürgi Schule in Lichtensteig entschied sich dazu, René Lauper anzufragen. Auf die Idee ist Lea Bösch von der Elternmitwirkung Lichtensteig (EMW) gekommen. «In Lichtensteig sehe ich fast keine Kinder, die mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Scooter sieht man überall. Wenn man bedenkt, wie steil es in Lichtensteig ist, besteht für die Kinder schon eine Gefahr», sagt sie. Gemeinsam mit Saskia Hagmann, der Lehrperson, die in der EMW vertreten ist, organisierte sie die Anmeldungen für den Kurstag. «Wir haben schon Beschwerden erhalten, dass es rund um die Schule gefährlich sei, wegen all den Kindern mit Scooter. Dies war auch ein Grund, weshalb wir uns für den «Micro Scooter Kids Day» angemeldet haben», sagt Saskia Hagmann.

Diverse Bremstechniken

Der Kurstag ist in mehrere Module nach Alter und Schulklasse der Kinder aufgeteilt. Im Modul sind wiederum verschiedene Schwerpunkte festgehalten. Ein ganz wichtiger Bestandteil ist das Bremsen. Diesen Aspekt bringt René Lauper auch den Kindern in Lichtensteig näher. «Das Bremsen ist wohl das Wichtigste beim Scooterfahren», verkündet er den Kindern. Viele würden das Hinterrad kaputt machen, indem sie es schleifen liessen. Gekonnt führt Lauper den Kindern eine korrekte Bremstechnik vor. Indem er leicht in die Knie geht, verlagert er sein Körpergewicht nach hinten. So bremst man viel schneller und ganz ohne Schleifen. Eifrig tun es ihm die Kinder gleich. Danach erklärt Lauper ihnen den Fuss-Stop. Keiner der Kinder hatte diesen gekannt. Damit stünden sie aber nicht allein. «Einmal haben wir diesen Kurs im Verkehrshaus in Luzern durchgeführt. Keiner der Verkehrspolizisten führte den Fuss-Stop korrekt aus», ermutigt Lauper die Kinder.

Nachhaltigkeit entscheidend

Den Kindern wird auch theoretisches Wissen mitgegeben. Verhaltensregeln im Strassenverkehr und Gesetzeskunde ist ebenfalls Bestandteil des Kurses. Allerdings ist er klein bemessen. «Die Module sind in der Zeit begrenzt. Wir können nicht ausführliche theoretische Blöcke einbauen», sagt René Lauper. Es sei ihm aber bewusst, wie wichtig Strassengesetz-Kenntnisse für die Kinder seien: «Sie müssen Gesetzes- und Verhaltensregeln kennen. Je früher desto besser.» Gewisse Aspekte wie Vortrittsregeln würden ihnen auch später nützlich sein, wenn sie ins Fahrrad-Alter kämen. Er appelliert ausserdem an die Verantwortung der Eltern. «Jedes Kind bekommt zum Abschluss des Kurses einen Flyer mit den wichtigsten Tips im Umgang mit Scootern. Es liegt auch an den Eltern, dass sie diese mit ihren Kindern nochmals lesen», sagt der Sportkoordinator. Auch das Tragen von Schutzkleidung könne er nur vorleben. «Ich kann niemanden zwingen, einen Helm zu tragen. Wir haben ein Netzwerk von rund 400 Schulen in der Schweiz. Gewisse verpflichten die Schüler zum Tragen eines Helms. Das schätzen wir sehr.», sagt René Lauper. Auch das Gesetz verpflichtet niemanden zu einem Helm. Daher seien Eltern und Schulen in der Pflicht. Denn der Kopf sei das wichtigste Gut in der Verletzungsprävention.

Anmeldungen für den Kurs auf www.newmobility.ch

René Lauper bringt den Kindern eine spezielle Bremstechnik bei. Der Trick ist, das Körpergewicht nach hinten auf den Bremsbügel zu verlagern. (Bilder: Timon Kobelt)

René Lauper bringt den Kindern eine spezielle Bremstechnik bei. Der Trick ist, das Körpergewicht nach hinten auf den Bremsbügel zu verlagern. (Bilder: Timon Kobelt)