Mit dem Kanton in die Zukunft

Als erster SP-Regierungsrat will Matthias Weishaupt die Wahl um das Amt des Landammanns gewinnen. Insbesondere als jüngstes Regierungsratsmitglied rechnet er sich gute Wahlchancen aus. Auf der Hohen Buche tankt er Kraft für die letzten Wochen des Wahlkampfs.

Martina Brassel
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Auf einem schönen Hügel, wie hier auf der Hohen Buche, herrsche immer eine besondere Stimmung, sagt Regierungsrat Matthias Weishaupt. (Bild: Martina Basista)

Auf einem schönen Hügel, wie hier auf der Hohen Buche, herrsche immer eine besondere Stimmung, sagt Regierungsrat Matthias Weishaupt. (Bild: Martina Basista)

Teufen. Es sei wohl um 1970 gewesen, als er in seiner Jugend die Schönheit der Natur in der Gegend rund um die Hohe Buche, Gäbris und Suruggen zum erstenmal bewusst wahrgenommen habe, sagt der Ausserrhoder Regierungsrat Matthias Weishaupt. Diese Schönheit kommt am heutigen Tag nicht auf den ersten Blick zum Vorschein. Auf der Hohen Buche ist alles weiss, es schneit, man sieht kaum einen Meter weit. Auch eine solche Stimmung habe ihren Reiz, so der 49-Jährige. Auf der Sonnenterrasse zu sitzen, wäre an diesem Tag nicht angenehm, im Restaurant ist es gemütlicher, wärmer. «Ich mag rustikale Beizen und habe extrem gerne Holz. An so einem Ort ist es einfach und ehrlich.»

Viele positive Rückmeldungen

Matthias Weishaupt ist das jüngste Mitglied in der Ausserrhoder Regierung. Als SP-Politiker gibt er den Grünen, den Sozialliberalen und einem Teil der Parteiunabhängigen seit vier Jahren eine Stimme im Gremium. «Während meiner Regierungstätigkeit habe ich immer wieder gute Rückmeldungen bekommen, vor allem auch in Bezug auf meine Organisationsfähigkeiten und die Art und Weise, wie ich Prozesse und Gremien leite», erklärt der 49-Jährige. Dies habe ihn in seinem Entschluss, als erster SP-Vertreter für das Amt des Landammanns zu kandidieren, bestärkt. Als er seine Ambitionen bekanntgegeben hat, habe er ebenfalls viele motivierende Rückmeldungen erhalten – auch von Personen ausserhalb der SP. «Ich war gespannt, wie die Mitteparteien auf meine Kandidatur reagieren würden. Als die FDP Stimmfreigabe beschloss, sind meine Chancen gestiegen.» Die Wahl, so Weishaupt, werde im Volk sicher zum Teil als Richtungswahl zwischen SP und SVP wahrgenommen. Allerdings habe sich der Landammann in seiner Funktion als Vorsitzender der Regierung jeder parteipolitischen Stellungnahme zu enthalten.

Ob bei einer Wahl das Amt des Landammanns sein politischer Höhepunkt wäre, lässt der Regierungsrat offen. «Die Kontinuität in einer Regierung hat einen hohen Stellenwert. Da bei den nächsten Wahlen sicher vier oder gar fünf der bisherigen sieben Regierungsräte nicht mehr antreten werden, nehme ich eine Art Brückenfunktion ein. Aus diesem Grund werde ich höchstwahrscheinlich auch bei den nächsten Wahlen nochmals antreten.» Trotzdem: Er sei dann 54 und werde sich irgendwann überlegen, ob er in der Politik bleiben, oder nochmals eine neue Aufgabe annehmen werde.

Attraktivität steigern

Matthias Weishaupt bestellt einen alkoholfreien Saft. Draussen schneit es immer noch kräftig. Die Schönheit des Kantons liegt unter einem weissen Schleier. «Ausserrhoden zeichnet sich seit bald zwei Jahrhunderten durch seine Weltoffenheit und seinen liberalen Geist aus.» Tragendes Fundament seien die starke Exportindustrie und das lokale Gewerbe. «Die kulturelle Vielfalt ist beeindruckend, die Appenzeller Musik mit ihren Wurzeln in der Tradition und ihrer zukunftsgerichteten Lebendigkeit ist Weltklasse», so der Regierungsrat.

Die Ausgangslage für eine hohe Lebensqualität sei vorhanden, ist Matthias Weishaupt überzeugt. «Ein sorgsamer Umgang mit unseren Werten und unserer Landschaft, Weiterentwicklungen, die mehr Gewicht auf die Qualität als auf die Quantität legen, der Wille, etwas zu verändern, aber auch ein politisches und gesellschaftliches Handeln, welche das Miteinander leben und vorleben, sind gefordert, um diese Einzigartigkeit zu erhalten.» Der Gesundheitsdirektor nimmt einen kräftigen Schluck von seinem Saft – und sagt: «Die Attraktivität unseres Kantons als Wohnort für junge Leute und Familien muss dringend gesteigert werden.» Verschiedenste Massnahmen, wie beispielsweise moderne, familiengerechte Wohnformen, wohnortsnahe Arbeitsplätze, vielfältige Kulturangebote im Kanton und der nahen Stadt St. Gallen sowie gute Ausbildungsmöglichkeiten seien Voraussetzung dafür.

Verbund ist wichtig

Wenn Matthias Weishaupt auf der Hohen Buche einkehrt, ist meistens seine Frau dabei. «Wir gehen häufig zusammen wandern. Hier kann ich mich sehr gut erholen. Faszinierend ist, dass ich immer wieder neue Orte entdecke, oder alte Orte in neuem Licht.» Es sind aber nicht nur gewisse Plätze in der Natur, die den Regierungsrat faszinieren, sondern auch Orte wie die Kantonsbibliothek in Trogen, wo er jahrelang gearbeitet hat, das Kino Rosental in Heiden oder die Kulturbar Baradies in Teufen.

Beim Stichwort Kultur muss der Politiker dann auch nicht lange überlegen. Die bevorstehende Abstimmung über den Kulturlastenausgleich habe einen höheren Stellenwert als die Wahl des Landammanns, sagt er. Ein Nein zur finanziellen Unterstützung des Lastenausgleichs hätte weitreichende, negative Folgen. «Auch unter den Kantonen gibt es letztlich nur ein Miteinander. Nur im Verbund mit den anderen Kantonen, allen voran mit den anderen Ostschweizer Kantonen, hat Appenzell Ausserrhoden eine Zukunft.» Von einer guten Zusammenarbeit könne der Kanton profitieren, entsprechend müsse hier die Regierung, mit dem Landammann voran, investieren.

Kein Platz für Parteipolitik

An den Wänden im Restaurant hängen verschiedene Bilder. Auch die Kuhglocken fehlen nicht. Langsam kommt draussen die Sonne zum Vorschein. Ob sie sich gegen den Nebel durchsetzen kann?

Er sei vor fünf Jahren «rondom klar» als SP-Vertreter in die Regierung gewählt worden, sagt Matthias Weishaupt. Und als solcher bringe er auch seine Meinungen und Überlegungen mit Überzeugung ins regierungsrätliche Gremium ein. «Es ist immer wieder spannend und vielseitig, die unterschiedlichen Meinungen zu hören und dann gemeinsam zu einer mehrheitsfähigen Lösung, zu einem tragfähigen Entscheid zu gelangen.» Im Regierungsrat sollte aber vor allem Sachpolitik und keine Parteipolitik gemacht werden. In der Bevölkerung werde er darum in erster Linie als Vorsteher des Gesundheitsdepartements wahrgenommen. «Die Meinung der Regierung – als Kollegialbehörde – hat einen hohen Stellenwert. Die Entscheide der Regierung klar und vertrauensbildend zu vermitteln, ist laut Matthias Weishaupt bei einer Wahl zum Landammann eine besonders anspruchsvolle Herausforderung. «Werde ich gewählt, habe ich die Chance, Regierung und Kanton in die weitere Zukunft zu führen. Mein Stil wird der gleiche bleiben, fordern und fördernd.»

Die Flasche Saft ist leer, die Sonne hat sich nicht durchgesetzt. Die Hohe Buche ist in ein weisses Kleid gehüllt. Matthias Weishaupt zieht seinen Mantel an und wagt sich hinaus ins Schneegestöber. Den Mantel wird er zu Hause wieder ablegen. «Ich wechsle zu Hause zwar meine Kleidung, aber nicht meine Haut. Meine Verlässlichkeit, das Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft mit anzupacken werden in der Familie genau so geschätzt, wie in der Regierung und im Departement», sagt er, bevor er ins Auto steigt und sich auf den Weg nach Herisau macht, mitten durch die weisse ausserrhodische Winterlandschaft, den letzten intensiven Tagen des Wahlkampfs entgegen.

Lesen Sie morgen das Porträt des zweiten Landammann-Kandidaten, SVP-Regierungsrat Hans Diem.

Regierungsrat Matthias Weishaupt bevorzugt rustikale, gemütliche Beizen, wie das Restaurant auf der Hohen Buche, für eine Auszeit. (Bild: bra)

Regierungsrat Matthias Weishaupt bevorzugt rustikale, gemütliche Beizen, wie das Restaurant auf der Hohen Buche, für eine Auszeit. (Bild: bra)

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