Mit «Aua» in den Tag starten

Wie ist es derzeit doch mühsam. Tagelang habe ich mir nun regelmässig am Morgen Gedanken dazu gemacht, welche Schuhe ich heute wieder anziehen will.

Roger Fuchs
Drucken
Teilen
Appenzeller Zeitung (Bild: Roger Fuchs)

Appenzeller Zeitung (Bild: Roger Fuchs)

Wie ist es derzeit doch mühsam. Tagelang habe ich mir nun regelmässig am Morgen Gedanken dazu gemacht, welche Schuhe ich heute wieder anziehen will. Nicht etwa, weil ich eine so grosse Auswahl hätte oder weil ich mir gerade zwei, drei neue Paare gekauft habe – nein, die morgendliche Unterlage kann im Moment für allerlei Überraschungen sorgen. Schon mehrmals ist mir das wunderschöne weisse Schäumchen in den frühen Stunden aufgefallen. Wie jungfräulich sich dieses doch präsentiert. Die Landschaft komplett verändert, das Alltagsgrau verwandelt in verträumte Szenerien. Das Herz hüpft, trotz dicker Jacke, Kappe und Handschuhen macht es Spass, sich bei solchen Ansichten nach draussen zu begeben. Aber: Welche Schuhe anziehen?

Eigentlich spielt es keine Rolle, lautet nach tagelangen morgendlichen Überlegungen meine Antwort. Denn was sich unter der weissen Pracht verbirgt, lässt sich trotz bester Schuhe nicht erahnen. Und so ist es mir eben schon zweimal in diesem Winter passiert, dass ich nur wenige Schritte aus der Türe machen konnte und meine Beine wegen Vereisungen mit unkontrolliertem Schwung nach vorne schnellten und der Standhaftigkeit meines Körpers ein Ende setzten. «Aua», lässt sich in einem solchen Moment nur noch ausspucken. Statt weiterhin grosse Gedanken an die Schuhe zu verschwenden, setze ich künftig wohl auf den Bob meiner Kinder. Mit diesem geht es dann rasant von der Haustüre zum Auto. Einsteigen, Motor anschalten und ab in den Tag. Irgendwie doch schön – dieser Winter.

Aktuelle Nachrichten