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Mit appenzellischem Dickschädel in Italien ein Projekt vorantreiben

Die Familie Bruderer aus Speicher kämpft in Süditalien für die Erhaltung von Kulturland und gegen ein gefährliches Bakterium. Nun planen sie, einen Campingplatz aufzubauen.
Hanspeter Spörri
George, Makoto und Mitsue Bruderer in ihrem Olivenhain in Salve. (Bild: Hanspeter Spörri)

George, Makoto und Mitsue Bruderer in ihrem Olivenhain in Salve. (Bild: Hanspeter Spörri)

Im April 2014 veröffentlichte «Agora», das Magazin der japanischen Fluggesellschaft JAL, ein ausführliches Portrait über die Olivenölproduzentin Mitsue Bruderer und ihren Mann George. Das Paar, sie Japanerin, er Appenzeller, war 2005 aus Speicher nach Süditalien ausgewandert, nach Salve, das an der Südspitze der Region Salento liegt, also auf dem Absatz des italienischen Stiefels.

Dort hatten die beiden ein vernachlässigtes Stück Land unmittelbar an der Küste erworben. Auf dem felsigen Grundstück stehen 150 mächtige Olivenbäume, einige sind wohl an die 1000 Jahre alt. Jahrelang haben Bruderers sie gehegt und gepflegt. Das Extra-Vergine-Olivenöl, das sie nun aus den sorgfältig geernteten Oliven gewinnen, erfüllt höchste Ansprüche. Der Artikel in «Agora» war für die beiden nach der mühseligen Aufbauarbeit so etwas wie der Ritterschlag.

Bakterium bringt Bäume zum Absterben

George Bruderer, der bald seinen 70. Geburtstag feiert, erzählt, wie er gehofft habe, es nun etwas geruhsamer angehen und die Früchte der Aufbauarbeit im selbstgebauten Haus geniessen zu können.

Doch dann kam Xylella Fastidiosa. Das aus Amerika eingeschleppte Bakterium trat 2013 erstmals in der Region Salento auf. Es kann bei zahlreichen Pflanzenarten Krankheiten auslösen. Olivenbäume bringt es anscheinend in kurzer Zeit zum Absterben.

George Bruderer erinnerte dies an seine Erfahrungen mit dem Feuerbrand. Einst hatte er sich im Appenzellerland erfolgreich darum bemüht, einige Hochstammobstbäume zu retten. Diese können einen Befall mit dem Feuerbrand-Erreger durchaus überstehen: «Aber diesmal ist es wohl schlimmer. Unsere Olivenbäume haben keine Widerstandskraft gegen Xylella. Die Fachleute sind ratlos. Die einen empfehlen eine präventive weiträumige Rodung der Olivenbäume, andere wollen extrem giftige Spritzmittel einsetzen, wogegen viele Bauern protestieren. Ein wirksames Mittel kennt man bisher nicht.»

Die Tochter übernimmt

In dieser verzweifelten Situation kam nun auch die Tochter Makoto Bruderer ins Spiel. Die 1983 in Speicher geborene Frau hat in Neuseeland Tourismus-Management studiert und später vier Jahre in Kanada gelebt, wo sie auch hätte bleiben wollen. Nun aber hilft sie ihren Eltern, ein Projekt voranzutreiben, welches diese schon seit neun Jahren verfolgen, das immer wieder von unüberwindlich scheinenden bürokratischen Hürden gebremst wurde, jetzt aber in der Endphase steht: Auf dem Grundstück soll ein Agriturismo entstehen.

Makoto Bruderer, die zurzeit in der Schweiz weilt, glaubt, damit die finanzielle Basis legen zu können, um ein wertvolles Stück Kulturland zu erhalten: «Das Gelände, das meine Eltern pflegen, ist ein ökologisch wertvoller Naturgarten mit einer grossen Artenvielfalt, mit Feigen, Granatäpfeln, Mandeln. Wenn das Olivenöl als Haupteinnahmequelle nun nach und nach versiegt, müssen wir uns etwas anderes überlegen. Wir glauben, dass die Region ein grosses Potenzial im Bereich des sanften Tourismus hat.» Nun soll zunächst ein Agri-Campingplatz entstehen, danach auch Gebäude für einfache, stilvolle Unterkünfte. Zielpublikum sind Gäste, die Natur, Kultur und Ruhe suchen: «Man kann bei uns auch gut überwintern. Die Gegend eignete sich zum Wandern und Radfahren, das Klima ist mild, die Kultur inspirierend.»

Auf der Website agriturismolupupa.com hat Makoto Bruderer nun eine Sammelaktion lanciert, ein sogenanntes Crowdfunding. Damit sollen die nötigen Investitionen ermöglicht und die durch die bürokratischen Hürden entstandenen Kosten kompensiert werden. Makotos Tatkraft wirkt ansteckend: «Die Politik in Italien ist wirr und träge. Die Region Salento bieten vielen Jungen keine Perspektive, sie ziehen weg. Viele Bauern geben wegen der Olivenkrankheit auf. Da wollen wir Gegensteuer geben. Zu viel steht auf dem Spiel. Die Bäume versuchen wir durch die Aufpfropfung mit der resistenten Leccino-Olive zu retten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.»

Hat Makoto also den Idealismus ihrer Eltern geerbt? «Ich habe sicher vieles von ihnen gelernt, bin vielleicht wie mein Vater ein appenzellischer Dickschädel, habe die Ausdauer und Geduld meiner Mutter. Beide haben nie aufgegeben, auch wenn es schwierig schien.»

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