Mit Anteilnahme und Hilfe

Aglow Toggenburg

Kathrin Looser
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Erneut organisierte der überkonfessionelle Verein Aglow Toggenburg einen Vortrag. Am letzten Freitagabend fand er in der Chrischona Gemeinde Nesslau statt.

Gerhard und Lina Fischer gewährten tiefe Einblicke in ihre Lebensgeschichten, in denen sie auch von harten Schicksalsschlägen nicht verschont blieben.

Lina heiratete früh, wurde Bäuerin und bald schon folgten vier Kinder. Ganz in der Nähe ihres Hofes führte Gerhard mit seiner Frau einen Betrieb. Er kam aus einer ärmlichen Familie. Um die Kindern zu ernähren, verschuldeten sich die Eltern. Als es Gerhards Vater schlechter ging, übernahm er den Hof. Die Schuldenlast lastete schwer, aber Gerhard gelang es, die Schulden los zu werden. Im Juli 1994 verunfallte Linas ältester Sohn mit seinem Mofa. Im Krankenhaus wurde er ins künstliche Koma gelegt. Die Ärzte machten den besorgten Eltern keine grossen Hoffnungen. Ob er jemals wieder sprechen oder gehen könne, blieb ungewiss. Doch nach drei Wochen der Sorge erwachte er, wie durch ein Wunder, ohne Schäden am Gehirn. Die Freude war gross, aber die dunkeln Wolken blieben. Nur zwei Tage später überfiel ein Stier Linas Mann während der Arbeit, so dass er tödlich verunglückte. Nur mit Hilfe der Nachbarn gelang es Lina, den Betrieb weiterzuführen. Wenige Jahre später zogen auch über dem Heim von Gerhard dunkle Wolken auf. Seine Frau erkrankte an Krebs. Lina, die von ihren Nachbarn so viel Hilfe und Liebe bekommen hatte, durfte nun ihrerseits ihre Hilfe anbieten, während Gerhards Frau immer schwächer wurde. Lina und Gerhard verloren die Liebe ihres Lebens. Die gegenseitige Anteilnahme und Hilfe tröstete sie über den Schmerz hinweg und liess eine neue Liebe wachsen. Nicht weil es passte, sondern weil sie sich vom Gegenüber ganz verstanden fühlten. Heute können noch immer dunkle Wolken aufziehen, aber der vertrauende Glaube an einen sorgenden Vater im Himmel, der die Kraft hat, Berge zu versetzen, bleibt bestehen.

Kathrin Looser