«Mit 99 Kränzen höre ich nicht auf»

Der 26jährige Daniel Bösch, Unspunnensieger des Jahres 2011, blickt nach fünf Kranzfestsiegen auf eine erfolgreiche Schwingersaison zurück. Er hat sein Training nach einer rund dreiwöchigen Pause bereits wieder aufgenommen. Die Toggenburg Medien haben sich mit ihm unterhalten.

Beat Lanzendorfer
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Das Bild täuscht. Daniel Bösch bleibt wenig Zeit zum Ausruhen, er absolviert bereits wieder viermal wöchentlich ein Training. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Das Bild täuscht. Daniel Bösch bleibt wenig Zeit zum Ausruhen, er absolviert bereits wieder viermal wöchentlich ein Training. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Sie haben die erste Saison seit Ihrem Kreuzbandriss im Mai 2013 hinter sich. Sind Sie mit dem Saisonverlauf zufrieden.

Daniel Bösch: Wer als Sieger des St. Galler, Zürcher, Schaffhauser und Glarner Kantonalen hervorgeht und dazu das Nordostschweizer Schwingfest in Wigoltingen gewinnt, darf zufrieden sein. Es war eines meiner besten Schwingerjahre.

Wie geht es Ihrem Knie?

Bösch: Dem geht es gut. Während der Wettkampf- und Trainingspause habe ich es etwas gespürt. Nun bin ich aber wieder im Training und absolut beschwerdefrei.

Stört es Sie, dass andere Schwinger mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen? Sie aber, immerhin die Nummer 2 der Jahreswertung, zuletzt eher in der Kritik standen?

Bösch: Es ist schön, dass man als Sportler an Orte eingeladen wird, an die man normalerweise nicht kommt. Ich lasse mich aber nicht verbiegen und mache auch nicht jeden Rummel mit. Vielleicht kommt das bei gewissen Medien nicht so gut an. Ich sorge lieber im Sport für Schlagzeilen.

Wie sehen die kommenden Monate für Sie aus?

Bösch: Ich bin bereits wieder voll ins Training eingestiegen. Wöchentlich wird zweimal Kraft trainiert, zweimal geht's auch in den Schwingkeller. Ab Januar bin ich dann dreimal in der Woche im Schwingkeller.

Sie wohnen in Sirnach und fahren täglich 46 Kilometer bis zu Ihrem Arbeitsort in Uhwiesen. Gibt es irgendwann den Metzgermeister Bösch, der sein Arbeitspensum zugunsten des Schwingens reduziert?

Bösch: Vorerst wird das Arbeitspensum (100 Prozent) nicht reduziert. Aber vielleicht ändere ich ja meine Meinung, wenn es Richtung Eidgenössisches 2016 geht und ich der Erholung mehr Aufmerksamkeit schenken muss.

2015 weist der Schwingerkalender keinen eigentlichen Höhepunkt auf. Steht Ihr Programm schon und wo liegt Ihr Hauptaugenmerk im kommenden Jahr?

Bösch: Ich betrachte das Jahr als Vorbereitung für 2016, wenn das Eidgenössische in Estavayer le Lac stattfindet. Für mich ist aber jedes Schwingfest wichtig, zudem heisst es, die diesjährigen Fehler auszumerzen.

Was für Fehler?

Bösch: Fehler passieren immer wieder. Daher gilt es nun die Schwingtechnik zu verbessern, an dieser zu arbeiten und die Kondition aufzubauen.

Sie sind mittlerweile bei 65 Kränzen angelangt. Sind hundert eine Option?

Bösch: Warum nicht. Ich bin erst 26 und habe vor, sicher noch vier bis fünf Jahre zu schwingen. Bei 99 Kränzen höre ich dann ganz bestimmt nicht auf.

Nebst Ihnen und Nöldi Forrer fehlen dem Nordostschweizer Schwingerverband zurzeit weitere Spitzenschwinger. Ändert sich das in naher Zukunft?

Bösch: Das Holz muss zuerst nachwachsen. Die Rheintaler, Thurgauer und Rapperswiler haben einige hoffnungsvolle Nachwuchskräfte. Sie sind aber alle noch etwas jung – es braucht Geduld. Schon sehr weit ist der 16jährige Samuel Giger aus Ottoberg, der sich in diesem Jahr gleich vier Kränze geholt hat. Da kommt sicher etwas sehr Gutes nach.

Haben Sie eigentlich auch Kontakt mit Schwingern anderer Teilverbände?

Bösch: Ganz wenig, man respektiert sich, hat abseits des Schwingens aber nicht wirklich Kontakt. Bei unserem intensiven Programm bleibt auch wenig Zeit. Aus Zeitmangel habe ich manchmal hier in meinem Umfeld schon Mühe, meine Freundschaften zu pflegen.

Bleibt Raum für andere Hobbies?

Bösch: Im Sommer bin ich gerne mit meiner 1200er-Honda unterwegs. Und vielleicht reicht es diesen Winter wieder zum Skifahren. Im letzten musste ich mich wegen meiner Verletzung ja leider zurückhalten.

Sie geben als weiteres Hobby auf Ihrer Homepage Rugby an. Schon einmal gespielt?

Bösch: Ja, vor rund drei Jahren waren wir Schwinger Gäste beim Rugby Club «The Bishops» in St. Gallen. Als sich nach kurzer Zeit zwei Schwinger verletzten, haben wir die Übung abgeblasen. Ich schaue mir den Sport lieber am Fernseher an oder direkt vor Ort. Nächstes Jahr findet die Rugby-WM in England statt. Da reise ich hin.

Fiebern Sie auch mit den anderen Schweizer Sportgrössen mit?

Bösch: Sicher. Bei Schweiz – Litauen habe ich am letzten Samstag stark mitgelitten, bis endlich das erlösende 1:0 fiel. Dann kann ich auch mit Roger Federer mitfühlen. Aber als Spitzensportler lebt man auch damit, dass sich von einer Sekunde zur anderen eine Verletzung einstellen kann.

Was wäre für Sie reizvoller. Der Titel Schwingerkönig 2016 oder die Verteidigung des Unspunnentitels im Jahre 2017?

Bösch: Für einige hört sich dies jetzt vielleicht etwas komisch an, aber reizvoller wäre die Verteidigung des Unspunnentitels. Ich könnte Sportgeschichte schreiben, weil noch kein Schwinger zweimal am Unspunnen triumphiert hat.