Mister Dienstleistung tritt ab

20 Jahre lang hat Erich Brassel die Ausserrhoder Fachstelle Sport geleitet. Ende August wird der Herisauer, der sich unbürokratisch in den Dienst der Sportler und Leiter stellte, pensioniert.

Mea Mc Ghee
Drucken
Teilen
Erich Brassel (rechts) übergibt seinem Nachfolger Roman Hasler Springseile. Sie stehen für das Umsetzen gemeinsamer Projekte. (Bilder: mc)

Erich Brassel (rechts) übergibt seinem Nachfolger Roman Hasler Springseile. Sie stehen für das Umsetzen gemeinsamer Projekte. (Bilder: mc)

HERISAU. Mit seinem Nachfolger wolle er das Foto machen, wünscht Erich Brassel. «Du hältst künftig die Seile fest in der Hand und ich lasse los», erklärt der abtretende Leiter der Ausserrhoder Fachstelle Sport als er mit Roger Hasler vor dem Regierungsgebäude posiert. Dieses Miteinander ist typisch für Erich Brassel, und es hat sein 20jähriges Wirken im Dienste des Ausserrhoder Sports geprägt. Am Montag hat der Herisauer seinen letzten Arbeitstag, danach tritt er in den Ruhestand.

Optimismus und Herzlichkeit

Als «Mister Dienstleistung» beschreibt ihn sein direkter Vorgesetzter Walter Klauser. Dies kommt nicht von ungefähr: Stets versuchte Erich Brassel Vertreter von Sportverbänden, Vereinsfunktionäre und Einzelsportler unbürokratisch zu unterstützen. Sein Optimismus und seine Herzlichkeit machten dabei vieles möglich. Etwa die Durchführung des Schweizerischen Schulsporttages im Jahr 2001 zusammen mit Appenzell Innerrhoden. Als Beat Schluep mit der Idee auf ihn zugekommen sei, habe er kurz gedacht, «so eine grosse Kiste kann unser kleiner Kanton nicht stemmen», erinnert sich Brassel. Das Engagement des Initianten wollte er aber nicht bremsen, als er dessen Enthusiasmus sah. «Nichts geht im Alleingang, das Miteinander hat mich stets getragen», betont Brassel auch. Er sei daher den vielen Freiwilligen dankbar, die sich im Sport engagieren, die sich dafür einsetzen, dass Kinder und Jugendliche ihre Lieblingssportarten ausüben können. «Sie haben grossen Dank verdient, denn kritisiert werden Trainer und Funktionäre leider oft und voreilig», sagt Erich Brassel. Als seine Aufgabe sah er es, die Leute an der Front zu unterstützen – mit Aus- und Weiterbildungsangeboten, finanziellen Mitteln, aber auch mit Rat und Tat.

Vom Klassenzimmer ins Büro

Die ersten 25 Berufsjahre war Erich Brassel Reallehrer in Herisau. Er sagt: «Ich durfte zwei Berufe ausüben, bei denen ich meine Leidenschaft, meine Hobbies und das Gelernte miteinander verbinden konnte.» Von zwei Traumjobs spricht er, und davon dass er jeden einzelnen Tag gerne gearbeitet habe. Das Büro im Haus zum Tannenbaum in Herisau teilte er viele Jahre mit Silvia Indermaur. Als wichtigste Aufgabenbereiche der Fachstelle Sport nennt der scheidende Leiter das J+S-Wesen, den Swisslos-Sportfonds, die Nachwuchsförderung und den Schulsport.

Dass das Sportamt vor rund zehn Jahren als Fachstelle Sport dem Departement Bildung unterstellt wurde, bezeichnet Erich Brassel als Segen. Besonders in Sachen Vernehmlassungen schätzte er die Unterstützung durch seinen Vorgesetzten. «Ich bin gerne nahe bei den Leuten, und habe immer wieder erlebt, dass man als Alleinstreiter nichts erreichen kann», sagt er. Geschätzt habe er deshalb auch die gute Zusammenarbeit mit den Amtskollegen aus den Nachbarkantonen.

So haben die Kantone St. Gallen und Ausserrhoden beispielsweise den Schulsporttest neu aufgegleist. «Er soll Lehrkräften der 7. und 8. Klassen künftig als roter Faden im Turnunterricht dienen», erklärt Brassel. Die Einführung ist im Schuljahr 2016/17 geplant.

«Verlustschmerz» und Freude

Ein gewisser «Verlustschmerz» überkomme ihn schon, wenn er daran denke, Arbeitskollegen und Menschen aus dem Sportbereich weniger oft zu sehen. Als Landweibel wird Erich Brassel aber weiterhin im Dienste des Kantons repräsentative Termine wahrnehmen. Eine Aufgabe, die er mit Freude und Würde ausübt.

Angst vor Langeweile hat er keine. Er freut sich darauf, die Enkel in Davos häufiger zu hüten, Fensterbänke wollen gestrichen sein, Fotoaufträge nimmt er gerne an, das Rennvelo ist gerüstet für Tagestouren, und mit seiner Frau Therese fährt Erich Brassel unter anderem zum 32. Mal in die geliebten Toscana-Ferien.

Erich Brassel ist leidenschaftlicher Fotograf, hier am Waldstattlauf 2014.

Erich Brassel ist leidenschaftlicher Fotograf, hier am Waldstattlauf 2014.

Im Jahr 2000 wurde in Ausserrhoden der Seniorensport neu organisiert. (Bild: H9)

Im Jahr 2000 wurde in Ausserrhoden der Seniorensport neu organisiert. (Bild: H9)

Mit Freude bleibt Erich Brassel (rechts) Ausserrhoder Landweibel.

Mit Freude bleibt Erich Brassel (rechts) Ausserrhoder Landweibel.