Miss Blitzlicht kandidiert

Gewöhnlich steht Jessica Cavelti als angehende Fotografin hinter der Kamera. Für die Miss- Ostschweiz-Wahlen macht die Herisauerin eine Ausnahme. Am Sonntag steht sie im Halbfinal.

Stephanie Sonderegger
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Jessica Cavelti betreibt nicht nur Kampfsport, sie geht auch gerne ins Stadion und unterstützt den FC St. Gallen. (Bild: sso)

Jessica Cavelti betreibt nicht nur Kampfsport, sie geht auch gerne ins Stadion und unterstützt den FC St. Gallen. (Bild: sso)

HERISAU. «Komm, wir gehen raus in den Schnee!», sagt Jessica Cavelti und zieht ihre Stiefel mit den hohen Absätzen an. «Das ist mein Markenzeichen.» Die 21-Jährige lacht, holt den gelben Regenschirm aus der Halterung und öffnet die Türe des Wohnblocks in der Rietwis in Herisau. Draussen tanzen die Schneeflocken. Der Wind ist bissig. Doch das stört die Miss-Ostschweiz-Kandidatin nicht. Sie gibt sich unkompliziert und lächelt schüchtern in die Kamera. Die Situation ist eine ungewohnte – denn normalerweise drückt die angehende Fotografin selber auf den Auslöser.

Zwischen Lehre und Miss-Wahl

«Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt», sagt Jessica Cavelti. Sie sitzt an einem grossen Tisch in der Wohnung, die sie zusammen mit ihrer Mutter und deren Lebenspartner teilt. Die 21-Jährige outet sich als Familienmensch. «Ich bin keine Weltenbummlerin, ich fühle mich wohl hier», sagt die Herisauerin, während sie über das flauschige Fell ihrer braunen Katze streichelt. Diese hat sich inzwischen auf ihren Schoss gesetzt. Tiere sind Jessica Cavelti wichtig. Zwei Katzen und einen Hund zählt sie zu ihren Haustieren, einmal pro Woche sitzt sie auf dem Pferd.

Einen Ausgleich, den die bodenständige Miss-Ostschweiz-Kandidatin genauso schätzt wie ihr regelmässiges Kampfsport-Training. Denn auf beruflicher Ebene wird sie aktuell gefordert: Jessica Cavelti steht kurz vor der Lehrabschlussprüfung. «Die Teilnahme an der Miss-Ostschweiz-Wahl ist nicht ganz optimal», sagt sie und lacht. Obwohl sie die Anmeldung selber ausgefüllt habe, sei es ihre Mutter gewesen, die sie dazu motivierte. «Für mich ist die Teilnahme ein Experiment und damit eine Erfahrung, die ich in meinem Beruf gut nutzen kann», so die 21-Jährige. Dennoch: Ein gewisser Ehrgeiz ist zu spüren, wenn sie von der Wahl zur Miss Ostschweiz spricht. «Es wäre schon schade, wenn ich am Sonntag nicht in den Final kommen würde», verrät sie.

Selbstbewusstsein von Vorteil

Jessica Cavelti wirkt selbstbewusst, aber nicht überheblich. Sie trägt ein graues Oberteil, darüber eine dunkelblaue Jeansjacke. Eine goldene Kette ziert den Hals, ein warmer roter Lippenstift hebt ihre schmalen, geschwungenen Lippen hervor. Sie wirkt lässig und gleichzeitig ernst. Wenn sie spricht, äussert sie sich mit klaren Aussagen. Sie weiss, was sie will. Ein Charakterzug, der für eine zukünftige Miss Ostschweiz nur von Vorteil sein kann. «Ein gutes Selbstbewusstsein ist für einen solchen Wettbewerb wichtig. Man muss sich in seinem Körper wohl fühlen», antwortet sie auf die Frage, welche Kriterien eine Miss erfüllen müsse. Die amtierende Miss Ostschweiz, Alessandra Fontanive, habe sie bereits kennenlernen dürfen, so Cavelti. «Das ist eine ganz Liebe.» Im Falle einer Wahl würde sie sich über das Knüpfen von neuen Kontakten freuen. Doch an einen Sieg des Ostschweizer Wettbewerbs möchte sie zurzeit noch nicht denken. Erstmal gelte es, die nächste Runde am Sonntag zu überstehen.

Jessica Cavelti beäugt die frischgeschossenen Bilder kritisch. «Ja, das sollte passen», sagt sie und schliesst den Regenschirm. In ihren Haaren hängen Schneeflocken. Die werden verschwunden sein, wenn sie morgen wieder selber hinter der Kamera steht.