«Mir liegt das Chössi am Herzen»

Er steht gerne auf der Bühne, geniesst aber auch das Zuschauer-Dasein: Urban Kressibucher aus Ebnat-Kappel ist der neue Präsident des Lichtensteiger Chössi-Theaters. Er sagt: «Es läuft vieles sehr gut im Chössi.» Er will vor allem erhalten und ergänzen.

Sebastian Keller
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Die Atmosphäre gefällt ihm: Urban Kressibucher im Restaurant des Chössi-Theaters. (Bild: Sebastian Keller)

Die Atmosphäre gefällt ihm: Urban Kressibucher im Restaurant des Chössi-Theaters. (Bild: Sebastian Keller)

LICHTENSTEIG. Auf den Stühlen sitzen nur die Kissen. Im Chössi-Theater ist Sommerpause. «Am 24. August startet die neue Saison», sagt Urban Kressibucher. Er sitzt am runden Holztisch im theatereigenen Restaurant. Dieses wirkt heimelig wie eine Dorfbeiz, dennoch liegt Internationalität in der Luft wie in einem Pariser Bahnhofbuffet. «Es hat Charme», sagt der 40jährige Urban Kressibucher, der seit Anfang Juni den Verein präsidiert. Er folgte auf den langjährigen Präsidenten Bruno Sutter. «Es war eine spontane Entscheidung», sagt Urban Kressibucher rückblickend. «Die Zukunft des Chössi-Theaters liegt mir am Herzen», begründet er mehrmals sinngemäss sein neues Engagement. Dennoch hatte und hat er noch Respekt vor der neuen Aufgabe. Respekt vor allem vor dem Zeitaufwand, den das Amt ihm abverlangt. Denn Urban Kressibucher hat die metaphorischen Hüte auf seinem Kopf: Er ist Vater dreier Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren und arbeitet bei der Dorfkorporation Ebnat-Kappel, wo er auch wohnt.

Erhalten und ergänzen

«Meine Aufgabe als Präsident ist es, den Verein zu führen», sagt Urban Kressibucher. Dabei gehe es darum, die Vorstandssitzungen vorzubereiten und zu leiten. Auch die Beschaffung von Geld und die Pflege von Kontakten sieht er als seine Aufgaben. Das Chössi will er aber nicht umpflügen wie der Bauer seinen Acker. «Es läuft vieles sehr gut. Mir geht es darum zu erhalten und zu ergänzen», sagt er und ergänzt: «Die Menschen, die mithelfen, tragen den Betrieb.» In einer ersten Phase wolle er sich Zeit nehmen, um sich einzuleben. Aufgabe des Vorstandes sei es schon, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. «Der Wandel der Zeit stellt auch an uns Anforderungen», sagt der neue Präsident. Etwa diese: «Wie erreichen wir auch in Zukunft unser Publikum?» Wenn Urban Kressibucher redet, tut er dies bedächtig, wählt Inhalt und Worte sorgsam aus wie ein Spitzenkoch die Gewürze. Es kommen ihm immer weitere Aufgaben in den Sinn: «Es geht auch darum, wie wir unsere Helfergruppen verstärken können.» Derzeit sei der Vorstand daran, eine neue Gruppe aufzubauen. «Eine spannende Aufgabe» sagt er. Urban Kressibucher führt aus, das Chössi sueche immer nach neuen Helferinnen und Helfern. «Wer Zeit und Lust hat, soll sich bitte melden.»

Und dann die Bühne. «Ich plane und organisiere gerne etwas, schlüpfe aber auch gerne in eine Rolle und spiele selber Theater», sagt Urban Kressibucher. Das hat er auch schon einige Male getan. In der Chössi-Eigenproduktion «Sommernacht-Traum» spielte er den Feenkönig Oberon. «Theaterspielen ist eine gute Abwechslung zum Alltag», sagt der 40-Jährige, «mich entspannt es, ich bin weniger ein Liegestuhl-Typ.» Nimmt er eine Rolle an, streift er sie über den Körper, über den Geist und über die Sprache. Vergangene Woche spielte er während eines Schullagers drei Tage lang Richard Löwenherz. «Mit Schwert und Waffenrock.» Als Kind und Jugendlicher zogen ihn Rollenspiele schon an, in Jungwachtlagern etwa. Er sagt: «Mich reizen nicht Haupt-, sondern tragende Nebenrolle.» Er fühlt sich aber auch als Zuschauer wohl. Im Chössi-Theater habe er – auch als junger Mann – einige Vorstellungen genossen. Vor allem jene von Peter Spielbauer. «Seine feinen Wortspiele mag ich.» Auch wie Spielbauer Apparaturen auf der Bühne aufbaue, findet er eindrücklich. So geht es ihm auch beim «Tanz der Vampire». Dieses Musical, das auf dem gleichnamigen Film von Roman Polanski basiert, hatte er bei der Uraufführung 1997 in Wien gesehen. «Wenn mich jemand einlädt, würde ich es mir sofort wieder anschauen», sagt Urban Kressibucher und lacht.

Als Produktionsleiter

Selber steht er im September wieder auf der Bühne. Bei einem privaten Theaterprojekt. Dabei handelt es sich um eine eigene Adaption des Romans Dracula von Bram Stoker mit dem Titel Renfield. «Ich spiele die Rolle des Vampirjägers Professor Abraham van Helsing», sagt Urban Kressibucher mit der Vorfreude eines Kindes, das zum ersten Mal einen Bananensplit bestellt.

Bei der Eigenproduktion 2014 des Chössi-Theaters hat er selber keine Bühnenrolle – er hat die Produktionsleitung inne. «Mein Ziel ist es schon, selber mitzuspielen», sagt Urban Kressibucher, «vielleicht bei der Eigenproduktion 2015.» Auch an den Eigenproduktionen will der neue Präsident festhalten. Damit auch in Zukunft nur in der Sommerpause – und nur dann – nur die Kissen auf den Stühlen sitzen.