Wegen drohender Rennabsagen: Ist die Karriere des Gaiser Radprofis Michael Albasini schon vorbei?

Eigentlich wollte der Gaiser Radprofi Michael Albasini vor seinem Rücktritt in diesem Sommer noch die Tour de Suisse fahren.

Urs Huwyler
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Michael Albasini bestreitet dieses Jahr seine letzte Radsaison.

Michael Albasini bestreitet dieses Jahr seine letzte Radsaison.

Bild: Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

«Bin in Catania am Flughafen. Mit viel Glück heute Abend wieder zu Hause», schrieb Michael Albasini aus Gais am vergangenen Donnerstag per SMS. Er erhielt schliesslich einen Platz im persönlichen Rettungsflugzeug. «Wir absolvierten mit dem Team ein Höhentrainingslager auf dem Ätna. Coronavirus-Fälle gab es dort keine. Es bestand also kein gesundheitliches Risiko. Aber als sich die Situation in Italien zuspitzte, ging es darum, möglichst rasch auszureisen», erzählt der dreifache Familienvater.

Für den Bald-Sportpensionär heisst es nun – wie für viele Sportlerinnen und Sportler – Home-Office statt Vorbereitung auf die Klassiker in Italien, Belgien und Holland, die zu seinen Saisonhöhepunkten zählten. Michael Albasini sagt:

«Mir ging es schon besser. Ohne Ziel zu trainieren, dafür fehlt mir manchmal etwas die Motivation.»

Während der ersten Tage spulte er vor allem Kilometer auf der Rolle ab und betätigte sich daneben rund um das eigene Haus als Gärtner.

Am 14. Juni ist definitiv Schluss

Der nationale Notstand lässt zumindest Trainings im Freien zu. «Ich könnte mir vorstellen, eine Gruppe mit Michi, Stefan Küng und Stefan Bissegger zu bilden», gibt der erfahrene Sportliche Leiter Marcello Albasini als Möglichkeit an, um die körperliche Verfassung bei seinem Sohn und anderen Radprofis zu konservieren, damit sie bei Wiederaufnahme der Wettkämpfe bereit sind.

Die Situation für den Fahrer aus dem Mitchelton Scott-Team präsentiert sich allerdings anders als beispielsweise für Stefan Küng. «Für mich ist klar, dass am 14. Juni Schluss sein wird», sagt der Edelhelfer mit Leader-Qualitäten. «Dann endet in Andermatt die diesjährige Tour de Suisse. Sofern sie stattfinden kann. Nach Absage der Tour de Romandie gibt es nur noch wenige Möglichkeiten, Rennen zu bestreiten. Das habe ich nicht so geplant.»

Nach vier Monaten intensiver Vorbereitung hinterliess «Alba» an der fünftägigen Valencia-Rundfahrt einen starken Eindruck und gehörte beim schliesslich abgesagten Halbklassiker Strade Bianche zum erweiterten Favoritenkreis. «Mit dem Wissen, dass vor den Sommerferien Schluss ist, habe ich in der Vorbereitung alles getan, um erfolgreich abtreten zu können. Dies wird immer unwahrscheinlicher», sagt der im Dezember 40 Jahre alt werdende Gesamtsieger der Katalonien- und Österreich-Rundfahrt, der Tour of Britain, Tour des Fjords oder der Hammer Stavanger-Serie. Albasini macht sich derzeit keine Illusionen.

Dem Radsport irgendwie erhalten bleiben

Im Extremfall ist die 1998 mit zwei Junioren-Schweizer-Meistertitel begonnene Karriere vorzeitig beendet. «Davon muss ich heute ausgehen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten und mich soweit als möglich fit zu halten», zeigt sich der diplomierte Primarlehrer realistisch. Durch die Virus-Pause kann er nun den erlernten Erstberuf im Home-Office für seine Kinder aufleben lassen.

Weiter unterrichten wird er nach seinem Rücktritt jedoch nicht. Albasini, der seit 2005 immer bei internationalen Spitzenteams unter Vertrag stand, wird dem Radsport in irgendeiner Form erhalten bleiben. Wer als Allrounder in 14 verschiedenen Rundfahrten mindestens eine Etappe gewinnen konnte, dürfte auch bei Swiss Cycling ein Thema sein.