Militär bringt der Region zweistelligen Millionenbetrag

Die 21. Wandelbar in beschäftigt sich mit dem Thema Militär und dessen Nutzen für die Gemeinde Herisau. Nicht nur das Gewerbe profitiert von den Armeeangehörigen.

Alessia Pagani
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A-Leiter Heinz Niederberger erzählte den interessierten Besuchern aus dem Alltag der Berufsunteroffiziere.

A-Leiter Heinz Niederberger erzählte den interessierten Besuchern aus dem Alltag der Berufsunteroffiziere.

Bild: Alessia Pagani

Wer in Herisau wohnt oder sich häufig in der Hinterländer Gemeinde aufhält, kommt nicht selten in Berührung mit dem Militär. Sei dies bei einem Spaziergang entlang der Kaserne oder beim Aufeinandertreffen mit Rekruten. Seit 1865 ist Herisau Standort einer Kaserne, im Jahr 1975 kam die Berufsunteroffiziersschule (BUSA) hinzu. Doch welchen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen hat das Militär für die Gemeinde? Diese Frage stand am Samstagmorgen an der 21. Wandelbar im Zentrum. Eingeladen hatte die Stiftung Dorfbild in das Glasgebäude hinter der Kaserne, wo sich die rund 80 Besucherinnen und Besucher auch einen Einblick in die Armeeräumlichkeiten verschaffen konnten. Als Referenten anwesend waren Gemeinderat Glen Aggeler, der Kommandant der BUSA Brigadier Heinz Niederberger, Gewerbevereinsmitglied Ralph Nessensohn und Oberstleutnant Lukas Butz. Letzterer hat sich im Rahmen einer Arbeit über die Bedeutung des Waffenplatzes Herisau-Gossau für die Region Gedanken gemacht und seine Ergebnisse den Besuchern vorgestellt. Wie Butz ausführte, generierte alleine der Waffenplatz im Jahr 2016 eine regionale Wertschöpfung von über 10 Millionen Franken. Berechnet wurde das anhand der Nutzer – namentlich die Infanterie 11 und 12, WK-Truppen und der Betreiber. Einen wichtigen Teil machen dabei der Ausgang sowie die Verpflegung aus.

80 Belegungstage in der Chälblihalle

421 Betten zählt die Kaserne Herisau. Hauptsächlich sind darin Rekruten untergebracht. Daneben gibt es die BUSA-Angehörigen, die nicht in der Kaserne stationiert sind. Gemäss Niederberger sind rund 80 angehende Berufsunteroffiziere in der zweijährigen Ausbildung, die in Herisau wohnen – und Geld ausgeben. Hinzu kommen 28 Mitarbeitende sowie rund 160 Personen, die während des ein- bis sechswöchigen Weiterbildungskurses in Herisau leben. Niederberger strich die Bedeutung der BUSA als Ausbildungsinstitut hervor. Diese müsse sich im Vergleich zu privaten Institutionen wie beispielsweise Höheren Fachschulen nicht verstecken. Niederberger:

«Herisau besitzt mit der BUSA ein wahres Juwel.»

Vorgängig hatte Gemeinderat Glen Aggeler die Übernachtungszahlen aufgeschlüsselt. Vor allem die Chälblihalle sei zur Unterbringung beliebt. Zwölf Stäbe seien im vergangenen Jahr dort untergebracht worden und hätten 80 Belegungstage generiert. Dies stellt im Vergleich zu den Vorjahren eine Abnahme dar. Das Spitzenjahr mit 180 Belegungstagen war gemäss Aggeler im 2007. Im 2015 seien es immerhin 137 gewesen.

Wie Aggeler ausführte, profitiert auch die Hotellerie. Demnach gingen in den Jahren 2006 bis 2014 30 Prozent der Belegung des Hotel Herisaus auf das Militär zurück. Aktuell liegt die Belegung durch das Militär bei rund 3 bis 10 Prozent. «Hinzu kommen Private, welche Zimmer an das Militär vermieten», so Aggeler.

«Für uns ist das Militär auch eine Belebung des Dorfs.»

Anhand des Sportzentrums zeigte Aggeler auf, dass Armeeangehörige auch gemeindeeigene Infrastruktur nutzen. Aber nicht nur die Gemeinde selber profitiert. Beim Umbau der Kaserne in den Jahren 2009 bis 2014 und dem Neubau wurden 80 Prozent der Arbeiten durch regionale Betriebe ausgeführt. «Wir als Gemeinde sind froh, dass wir das Militär hier haben dürfen», so Aggeler.

Gewerbler schätzen Planbarkeit

Die Aufträge für die Betriebe freuen auch Ralph Nessensohn, Vorstandsmitglied im Gewerbeverein.

«Das Militär bringt natürlich gewisse Vorteile für das Gewerbe.»

Nessensohn hat in Gesprächen mit einem Metzger, einem Bäcker und der Molkerei herausgefunden, dass diese die Zusammenarbeit mit dem Militär sehr schätzen. Positiv wird vor allem gewertet, dass das Militär planbar sei. So würden die Kücheneinkäufe stets angemeldet, sodass die Waren parat sind. Das Militär seinerseits rotiert und berücksichtigt möglichst alle Anbieter. «Auch die Restaurantbetreiber wissen genau, wann die Militärangehörigen Ausgang haben und können sich darauf vorbereiten.» Gemäss Nessensohn gehen in diesem Bereich alleine rund 15 bis 20 Prozent des Umsatzes auf das Militär zurück. «Die lokalen Geschäfte profitieren extrem.»